Herzlich Willkommen  
  Erlangen, September 2018  
  Heute möchte ich Ihnen von Erna Wilhelmine Mittereder erzählen und Sie bitten ihr Schicksal und das ihrer Familie zu bedenken, wenn Sie am 14. Oktober zur Wahl gehen.  
     
     
 
Mittereder, Erna Wilhelmine

Erna Wilhelmine Mittereder
(1925-1941)




 

Hier Auszüge aus einer Rede, die der Autor Peter Probst, ein Verwandter von Erna Wilhelmine Mittereder, anlässlich der Verlegung der Stolpersteine auf Privatgrund in der Römerstr. 7 in München gehalten hat.

"Am 16.7.1923 heiratet die aus Adelsdorf, Kr. Erlangen-Höchstadt, stammende Jüdin Rosa Loewi (1891-1941) den katholischen Münchner Rechtsanwalt Franz Mittereder (1885-1926). ... Am 20.4.1925 bekommen die Mittereders ein Kind, sie nennen es Erna Wilhelmine. Schon ein Jahr später (am 19.4.1926) stirbt Franz gerade einmal 41jährig, und das Mädchen ist Halbwaise. Rosa Mittereder und ihre Tochter leben bis zum November 1941 in der Maxvorstadt und in Schwabing, ab dem 10.7.1930 in der Römerstraße 7 in München. Ab Mitte 1940 ist Erna offiziell in der Bauerstraße 20 gemeldet. Sie hat im Kinderheim der Israelitischen Jugendhilfe (dem sogenannten Antonienheim) einen Kurs in Hauswirtschaft absolviert und hilft der 75jährigen Jüdin Flora Böhm im Haushalt. Als diese im Frühjahr 1941 ins Altenheim der Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße zieht, kehrt Erna zu ihrer Mutter zurück.

 
 

Am 20.11.1941 müssen Rosa und Erna Mittereder die Römerstraße 7 unter Zwang verlassen. Offiziell geht es zum 'Arbeitseinsatz im Osten' nach Riga. Da das Ghetto Riga jedoch völlig überfüllt ist, wird der Zug mit etwa 1000 Münchner Juden unterwegs nach Kaunas in Litauen umgeleitet. Im nahe der Stadt gelegenen Fort IX kommt es auf Befehl des Chefs des Einsatzkommandos 3 der Einsatzgruppe A, Karl Jäger, zu einer Massenexekution. Nach fünf Tagen lebt kein einziger der tausend Münchner Juden mehr, auch nicht Rosa und Erna Mittereder. ..."

Ein wichtiges Detail der Geschichte fehlt aber noch: "Danach hatte im November 1941 nur Rosa Mittereder den Befehl erhalten, sich mit 50 Kilo Gepäck zur Verschickung in den Osten bereit zu machen. Ihre Tochter war nach der Rassenlehre der Nazis nur „Halbjüdin“ und sollte vorerst verschont bleiben. In der Wohnung in der Römerstraße kam es dann zu einer dramatischen Szene. Die Gestapo traf ein, um Rosa abzuholen. Erna sollte der Obhut Kreszentia Gnams, einer Kusine meiner Großmutter übergeben werden. Doch plötzlich weigerte sich das 16jährige Mädchen, seine Mutter alleine gehen zu lassen. Es klammerte sich so lange an ihr fest, bis die Polizisten die Geduld verloren. „Dann kommst du halt auch mit, du Judenfratz“, diesen Satz hat mein Vater mehrfach wörtlich zitiert.

Die Mittereders schickten noch ein Familienmitglied, das eine etwas höhere Parteifunktion innehatte, zum Deportationsbahnhof Milbertshofen, um den Irrtum aufzuklären – vergeblich. Inzwischen stand auch Ernas Name auf der Liste und wurde nicht mehr gelöscht – die Liebe zu ihrer Mutter kostete sie das Leben …"

Rosa Mittereder geb. Loewi hatte 14 Geschwister, von denen ich das Schicksal von sechs Brüdern und sechs Schwestern aufklären konnte.

Einer der Brüder war Josef Loewi (1889-1933). Josef Loewi lebte mit seiner Familie in Erlangen in der Kirchenstr. 8, also 3 Häuser vor dem Altstädter Kirchenplatz und betrieb dort seinen Fellhandel. Seine Witwe Rosa Loewi geb. Lärmer wurde am 27. November 1941 mit ihren drei Kindern "zum Arbeitseinsatz nach Osten" deportiert. Diese Zwangsarbeit u.a. im Lager "Jungfernhof", Stutthof und im Rigaer Ghetto unter menschenunwürdigen Bedingungen dauerte bis zur Befreiung. Sohn Ludwig Loewi (1925-1944) aber, der gemeinsam mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern Irmgard (* 1923) und Marga (*1927) die Deportation mit durchlitten hatte, wurde im Spätsommer 1944 im Hochwald von Riga mit neun weiteren Geiseln von der SS erschossen, als Rache für die Flucht mehrerer ausgebrochener Häftlinge im gleichen Lager. Eine Gedenkschrift auf dem Familien-Grabstein auf dem Jüdischen Friedhof in Erlangen weist auf diesen tragischen Tod hin. Rosa Loewi geb. Lärmer ist 1946 mit ihrer Tochter Marga in die USA ausgewandert. Tochter Irmgard kam 1959 mit ihrem litauischen Ehemann Abram Klawansky in die USA. Irmgard Klawansky geb. Loewi lebt wohl hochbetagt noch in New York.

Hier die weiteren Geschwister (alle geboren in Adelsdorf):

Jakob Loewi, * 1884,

1942 deportiert nach Izbica bei Lublin in Polen und ermordet, Militärdienst in der bayer. Armee 1904-1906 und 1914-1918 in Einheiten mit Standort Erlangen

 

Gebrüder Loewi

von links die Brüder Loewi: Jakob, Josef, Henry, Anton und Julius. (Quelle: Sammlung Sponsel)

 

Heinrich (Henry) Loewi, * 1885,

1942 deportiert nach Izbica bei Lublin in Polen und ermordet, Militärdienst in der bayer. Armee 1905-1908 und 1914-1918

Selma Katz, * 1899, seine Ehefrau
Marga Loewi, * 1931, die Tochter

1942 deportiert nach Izbica bei Lublin in Polen und ermordet,

Minna Loewi (1887-1968), 1930 emigriert

Julius Loewi (1894-1962)

Militärdienst in der Hess. Armee 1914-1918

Sybille Strauß (1890-1956), seine Ehefrau
Alice Loewi (1922-2008), seine Tochter

die Familie emigriert 1939

Klara Loewi, * 1895,

1942 deportiert nach Krasnystaw und ermordet

Anton Loewi, * 1897

1943 deportiert vom Sammellager Drancy nach Majdanek und ermordet, Militärdienst in der bayer. Armee 1916-1918 u.a. auch in Erlangen

Hannchen Bechhöfer (1897-1939), Ehefrau
Martha Loewi (1920-1942), Tochter
Lilly Loewi (1921-1942), Tochter
Erna Loewi (1923- starb jung), Tochter
Siegfried Loewi (1924-1942), Sohn
Arthur Loewi (1925-1942), Sohn

1942 wurden die Geschwister nach Izbica bei Lublin in Polen deportiert und ermordet

Friederika Loewi, * 1898

1944 in Auschwitz ermordet

Samuel (Salli) Loewi, * 1901

1944 in Riga Stutthof ermordet

Gertrud Rieß (1900-1944), Ehefrau

1944 in Riga Stutthof ermordet

Berta Loewi (1902-?), emigriert 1925

Kathi Loewi (1906-1984), emigriert 1925

Martha Loewi, * 1907

1942 in Riga ermordet


Sigmund Loewi, der Vater der Geschwister Loewi, gehört wohl in die Adelsdorfer Familie Loewi, der auch der Fürther Reform-Rabbiner Isaac Loewi entstammt. Die Genealogie und Geschichte dieser Familie ab Mitte Oktober in "Juden in Erlangen" Band 1.

 
     
 

Gehen Sie am 14. Oktober zur Wahl, Wiedergänger der Nazis treiben auf unseren Straßen ihr im Wortsinn "unsägliches" Unwesen!

Jagen wir sie an diesem Sonntag in ihre Löcher zurück
und legen per Wahlzettel eine sehr dicke Steinplatte darauf!

Machen Sie sich nicht gemein mit den Nazis
und deren Partei der AFD!

 
   
 
     
 
     
     
     
     
 
 
 
frei zitiert aus einer Kolumne von Christian Söcker, Spiegel online 02.09.2018
 
Wie erkenne ich
einen Nazi?
 

Wer den rechten Arm zum Hitlergruß erhebt, signalisiert, dass er den industriell organisierten Massenmord an Millionen Menschen, das größte Verbrechen der Geschichte, für einen Schritt in die richtige Richtung hält. Der Hitlergruß ist in Deutschland deshalb verboten.

Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die Sprüche, die Nazis skandieren, wenn sie sich gemeinsam stark fühlen wollen: "Frei, sozial und national", "Hier marschiert der nationale Widerstand" sowie "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus". Wenn Sie sich in oder neben einer Gruppe wiederfinden, die solche Sprüche skandiert, handelt es sich um Nazis, ganz einfach. Allzu groß ist das Repertoire nicht, viele Nazis sind eher schlichte Gemüter.

 
Demonstrationen mit Nazis sind Nazi-Demonstrationen
 

Wie verhält man sich nun, wenn man sich neben Nazis wiederfindet? Auch hier gibt es eine einfache Regel: Es gibt Nazi-Aktionen und andere Demonstrationen. Es gibt aber keine Demonstrationen, bei denen grölende Nazis mitlaufen, die trotzdem keine Nazi-Demonstrationen sind. Es ist wie mit Hühnerbrühe: Nur ein paar Tropfen Blausäure, und schon ist die schöne Suppe völlig ruiniert.

Man kann, das wird den einen oder anderen überraschen, mit einzelnen Nazis durchaus in bestimmten Fragen einer Meinung sein. Ich zum Beispiel mag Bolognese lieber als Pesto, und das gilt sicher auch für den einen oder anderen Nazi. Wenn es aber um kollektive Einstellungen geht, um Themen, die über Nudelsoßenpräferenz hinausgehen, kann man mit Nazis nicht einer Meinung sein. Auch nicht ein bisschen oder nur ein Stück.

 
Nazis haben nur eine einzige politische Meinung
 

Nazis haben nämlich nur ein einziges politisches Ziel: Sie möchten, dass Deutschland wieder von Nazis beherrscht wird, die dann mit allen Nicht-Nazis endlich wieder Nazi-Dinge tun können. Fabriken bauen also, in denen alle, die den Nazis nicht passen, bei Bedarf umgebracht werden können: Behinderte, Juden, politische Gegner, Schwule, Lesben, und diesmal sicher auch Muslime und Menschen mit anderer Hautfarbe. Auch Sie werden zu den Opfern zählen, wenn Sie die Nazi-Meinung nicht teilen. Das ist die politische Meinung von Nazis.

Weil die weniger Dummen unter ihnen wissen, dass das vielen normalen Menschen schwer vermittelbar ist, verfolgen Nazis zwei Strategien. Die eine besteht darin, die Lüge zu verbreiten, dass der industriell organisierte Massenmord gar nicht stattgefunden hat, und man deshalb mit gutem Gewissen auch heute noch Nazi sein kann. Das nennt man Holocaustleugnung, und auch das ist in Deutschland verboten.

Die andere Strategie besteht darin, den Holocaust nicht zu leugnen, sondern langsam in Vergessenheit geraten zu lassen. Wenn die Leute nicht mehr ständig an den Massenmord erinnert werden, das ist das Kalkül, dann finden sie es vielleicht irgendwann wieder okay, mit Nazis zumindest ein bisschen einer Meinung zu sein.

 
Diese zweite Strategie, wer verfolgt die noch?
 

Interessanterweise bekommen die Nazis bei dieser zweiten Strategie in jüngster Zeit verstärkt Unterstützung, zum Beispiel von Björn Höcke und Alexander Gauland und anderen von der AfD.

Jedenfalls ist es aus den oben genannten Gründen für Nicht-Nazis unmöglich, sich mit Nazis vorübergehend und zweckgebunden zu verbünden. Wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder ein nützlicher Idiot der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

 
p.s. Wussten Sie das Beatrix von Storch die Enkelin eines verurteilten Nazi-Kriegsverbrechers ist? Der Apfel fällt nicht...