Bauwerke  
   
  Erlangen Luftbild ca. 1932  
     
  Album-Nr. er108 (1934)  
     
 
Für alle, die Erlangen nicht so genau kennen, will ich das Luftbild ein wenig erläutern. In der Bildmitte führt von unten nach oben, d.h. von Süden nach Norden, die Hauptstraße (1933/45 Adolf-Hitler-Straße). Die Häuserfront am unteren Bildrand gehört zur Südlichen Stadtmauerstraße. Rechts von der Hauptstraße im Vordergrund sehen Sie die Neustädter Kirche. Die Bäume rechts der Kirche schmücken den Neustädter Kirchenplatz. Folgen wir der Hauptstraße bis zum Hugenottenplatz, 1934 hieß er noch Luitpoldplatz. Die Kirche links der Hauptstraße ist die Hugenottenkirche. Rechts der Hauptstraße stand auf dem Platz bis Mitte September 1933 das Denkmal des jüdischen Arztes Jakob Herz. Auf dem Luftbild ist es nicht mehr zu sehen. Da die Bäume in vollem Laub stehen und die Karte im Oktober 1934 versendet wurde, muss das Luftbild zwingend im Sommer 1934 entstanden sein.

Folgen wir der Hauptstraße weiter nach Norden kommen wir zu einem weiteren Platz. Der linke Teil ist der Marktplatz, der rechte der Schlossplatz.
 
Die Erlanger unterscheiden dies aber nicht so genau und gebrauchen beide Begriffe synonym. Im Schlossgarten blicken wir auf die Orangerie. Dort wo die Hauptstraße nach rechts abknickt stand einstmals ein Stadttor. Hier endete die Neustadt Christian-Erlang und begann das alte Erlangen. Bitte verwechseln sie es nicht mit dem Ortsteil Alterlangen. In Alterlangen stand der Königshof "erlangon", der der alten Stadt Erlangen den Namen vererbte. Gut zu sehen ist die Altstädter Kirche. Oben links schweift der Blick zum Martinsbühl mit dem Altstädter Friedhof. Gut zu erkennen ist auch die Bahnlinie, die zum Eisenbahntunnel im Burgberg führt. Nahezu parallel dazu verläuft der Ludwig-Kanal.

Wir überqueren den Ludwig-Kanal und sehen rechts den Schlachthof. Wir folgen der Dechsendorfer Straße bis zur Regnitzbrücke. Diese Brücke (siehe unten) wurde im April 1945 gesprengt. Man glaubte damit die Amerikaner aufhalten zu können.
 
   
  Erlangen vom Neustädter Kirchturm aus  
  Album-Nr. er182 (um 1915) vom Neustädter Kirchturm aus fotografiert, fast eine Luftaufnahme  
     
     
  Erlangen Regnitzbruecke  
   
 
  Erlangen, Neustaedter Kirche um 1910  
     
  Album-Nr. er129 (um 1910)  
 
     
 
Lassen sie uns einen kurzen Blick auf die Geschichte der Erlanger Kirchen werfen. Ursprünglich wohnten in der 1686 gegründeten Neustadt Christian-Erlang – so benannt nach ihrem Gründer 1701 – fast ausschließlich französisch-reformierte Flüchtlinge (Hugenotten). Ihr „Temple“, die Hugenottenkirche, wurde 1693 eingeweiht. Nicht lange nach ihnen wanderten auch Deutsch-reformierte aus der Rheinpfalz ein, die ihren Gottesdienst anfangs in der französisch-reformierten Kirche feierten, bis sie 1734 ihre eigene neuerbaute Kirche – heute Gemeindehaus am Bohlenplatz - beziehen konnten. Die damals geringe Anzahl der evangelisch-lutherischen Einwohner war in die Altstadt gepfarrt, bis Baron Gros von Trockau zu der von ihm gegründeten Ritterakademie 1701 auch eine sogenannte Collegien-Kirche hinzufügte, welche 1703 unter dem Namen Sophien-Kirche zur lutherischen Pfarrkirche der Neustadt erhoben wurde – ehemals der rückwärtige Teil des Kaufhofgebäudes, heute der Thalia-Buchhandlung.
 
In den folgenden Jahren nahm die lutherische Gemeinde so außerordentlich zu, dass die Sophien-Kirche zu klein für sie wurde. Deswegen beschäftigte sich ab 1719 der Stadtmagistrat mit dem Gedanken eine größere Kirche bauen zu lassen. Im Jahr 1722 fertigte dann der Erlanger Maurermeister Johann Georg Kannhäuser die Pläne zu der neuen Kirche, 1724 wurde der Grundstein gelegt und 1725 der Bau selbst begonnen. Der Platz auf dem die Neustädter Kirche steht, war der ehemals zu Ritterakademie gehörige Garten; die Steine zum Bau erhielt der Magistrat unentgeltlich aus den Steinbrüchen der Altstadt und das Bauholz schenkte der Markgraf Georg Wilhelm. Er bezahlte auch den Transport und fügte noch ein Geschenk von mehreren tausend Gulden hinzu. Da das kleine Vermögen der Sophien-Kirche sehr bald verbaut und die regelmäßigen Einkünfte derselben gering waren, wurden fünfzehn Jahre hindurch alljährlich von Haus zu Haus in Neu- und Altstadt milde Beiträge zur Fortsetzung des Kirchenbaus gesammelt.
 
     
 
Auch bildete sich in der Neustädter Gemeinde die fromme Sitte heraus, dass nicht nur Wohlhabende, sondern auch Minderbegüterte nach ihrem Tode der neuen Kirche einige Gulden vermachten, oder schon bei Lebzeiten dieselbe mit einer Schenkung bedachten. Doch all diese Mittel reichten für den kostspieligen Bau nicht aus. Daher wurden auch außerhalb Erlangens bei allen evangelischen Gemeinden der damaligen Fürstentümer Bayreuth und Ansbach, ja in ganz Deutschland und benachbarten Ländern mehrere tausend Gulden gesammelt und noch weit mehr an Krediten aufgenommen. So konnte die Kirche am 2. Adventssonntag 1737 eingeweiht werden.

Quelle: Nachmittagspredigt zum 100jährigen Jubiläum von Dr. Johann Konrad Irmischer.
  Erlangen, Neustaedter Kirche Altar
 
   
 
Erlangen, Katholische Kirche Hwerz jseu, Katholischer kirchenplatz  

Album-Nr. er181
(um 1910)

Katholische Kiche
Herz Jesu
am Katholischen Kirchenplatz

Die Herz-Jesu-Kirche ist die älteste katholische Kirche in Erlangen. Sie entstand aus einem Bethaus von 1790 in zwei Bauphasen 1850 und 1895.

Im 16. Jahrhundert gehörte Erlangen zum Fürstentum Bayreuth und wurde zusammen mit diesem lutherisch. Katholischer Gottesdienst wurde erst im 18. Jahrhundert schrittweise wieder zugelassen. Die durch Zuwanderung entstandene Gemeinde wurde 1784 Kuratie.

 
     
 

Sie erhielt die Genehmigung zum Bau eines Bethauses, einer turmlosen Kirche in Form eines Wohnhauses außerhalb der damaligen Stadt. Baubeginn war 1787; die Weihe auf den Namen Mariä Schmerzen erfolgte 1790.

1849/50 entstand auf den Grundmauern des Bethauses eine Kirche, ein geosteter Saalbau mit einem schlanken Turm. Dem weiteren Gemeindewachstum wurde 1895 mit einem geräumigen Anbau auf der Südseite Rechnung getragen. Der Altbau wurde zum Querhaus, an der Nordseite entstand eine neue Apsis für den Altar. Bei der Neuweihe erhielt die Kirche das Patrozinium Herz Jesu.

 

Erlangen, Katholisches Bethau eingeweiht 1790

Unweit der nördlichen Stadtmauer, zu sehen links neben dem Bethaus, führt der Weg vom Sieglitzhofer Tor am Bethaus vorbei (heute Katholischer Kirchenplatz) zur Neuen Straße und Altstädter Kirche (Stich von 1788). Das wie ein Wohnhaus gestaltete Bethaus sollte sich wohl einmal unauffällig in die Häuserfront eines geplanten, jedoch so nicht ausgeführten Platzes einfügen.

 
   
  Erlangen, Kath. Kirche St. Bonifaz, Sieboldstraße  
  Album-Nr. er182 (um 1930)                     St. Bonifaz wurde 1928 erbaut.  
   
 
Kgl. Geflügelzuchtanstalt Erlangen  

Album-Nr. er188 (1912)

 

Die Königliche Kreisgeflügelzuchtanstalt für Mittelfranken wurde im Jahre 1909 in Erlangen eingeweiht.

     
 
  Kgl. Kreisgeflügelzuchtanstalt Erlangen  
     
   
  Erlangen, Königliches Postamt um 1915, Luitpoldplstz (heute Hugenottenplatz)  
  Album-Nr. er179  
 
Der repräsentative Neubarock-Bau der Königlichen Post und der Königlichen Filialbank wurde 1895/96 am Luitpoldplatz (heute Hugenottenplatz - 'Hugo') errichtet. Heute befindet sich im Erdgeschoss eine McDonald's-Filiale.
 
   
 
Erlangen Schlossplatz  

Album-Nr. er09 (geschrieben 1914)

Schlossplatz mit Schloss

Das Erlanger Schloss, erbaut 1700-1704, diente nach einer kurzen Zeit als fürstlicher Aufenthaltsort bis zur Zerstörung durch den Brand von 1814 als Witwensitz. Das Schloss wurde mit dem Wiederaufbau 1821-1825 an die Universität verschenkt. Die massiven Säulen im ersten Obergeschoss berichten noch davon, dass hier einst die Universitätsbibliothek untergebracht war. In den Weltkriegen war es Reservelazarett und seit 1945 hat die Universitätsverwaltung dort ihren Sitz.

 
   
 
 
Erlangen 1920-1923

Der Kapp-Putsch

Nicht einverstanden mit dem Versailler Vertrag entstanden in Deutschland immer mehr Freikorps-Gruppen. Sie waren für die Berliner Regierung eine ständige Bedrohung von Rechts. Der Vertrag, der ein Jahr zuvor unterzeichnet worden war, verlangte eine Auflösung der Freikorpseinheiten. Trotz der allierten Aufforderungen mangelte es der deutschen Regierung an Macht die Einheiten loszuwerden. In der Nacht vom 12. zum 13. März 1920 besetzte die Brigade Erhardt Berlin und ermöglichte Wolfgang Kapp kurz die Macht zu übernehmen (Kapp-Putsch). Als die Nachricht vom Putsch Erlangen erreichte, waren sich die beiden Oppostionsfraktionen im Erlanger Stadtrat, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei und die Mehrheits Sozialdemokratische Partei, einig in der Ablehnung des Putsches und riefen einen Generalstreik aus. Mit dem Zusammenbruch des Putsches am 17. März endete der Streik.

Indessen hatte die Reichswehr am 14. März 1920 die Regierung von Johannes Hoffmann in München gestürzt und Gustav von Kahr wurde zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Er stand einer bürgerlichen Regierung vor. München sollte zukünftig ein Zentrum für all die Regierungsgegner werden, die sich ein Deutschland frei vom Versailler Vertrag wünschten und eine autoritäre Herrschaft errichten wollten. Die Pläne für die Attentate auf Matthias Erzberger und Walther Rathenau wurden in München geschmiedet. Es war diese Athmoshäre in München, die der Nazi Partei und Adolf Hitler ihren Start ermöglichten. Auch in Franken werden sie starke Unterstützung finden. Erlangen mit seiner Studentenschaft und der Garnison stellten ein lohnendes Ziel für die Nazi-Bewegung dar.
 
 
   
 

Album-Nr. 12

Schloss mit Brunnen

geschrieben 1934

  Schloss
 
     
 
 
Ebenfalls am 14. März 1920 befahl die Reichswehr Brigade (bayerischer Teil der Reichswehr) die Mobilisierung der Erlanger Studenten-Kompanie. Diese Kompanie war nach der Niederschlagung der Müncher Sowjetrepublik ein Jahr zuvor aufgestellt worden und gegen jedweden „Bolschewismus“ gerichtet. Am nächsten Tag rief der Weber Georg Schneider, ein Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokraten, die auf dem Schlossplatz versammelten Arbeiter zur Unterstützung der gestürzten Regierung Hoffmann auf. Als der Generalstreik begann forderten die Arbeiter in die „Einwohnerwehr“ eingegliedert zu werden und verlangten Waffen um sich gegen die Studentenkompanie zu schützen, die bereits in den Kasernen angetreten waren. Man vermutete, dass die Studenten bereits mit Waffen ausgerüstet worden waren um sie gegen die Arbeiter einzusetzen. Der Universitätsprorector Busch versuchte erfolglos durch Verhandlungen zu erreichen die Studenten wegtreten zu lassen. Wegen der angespannten Situation in Nürnberg waren seine Bemühungen erfolglos.

In den frühen Morgenstunden des 17. März begab sich das Freiwilligen-Bataillon mit den Erlanger Studenten nach Nürnberg um vereint mit der Reichswehr dem links-gerichteten Streik eine „kraftvolle“ Antwort zu geben. Es kam zu einem blutigen Zusammenstoß mit den Streikenden. Während des Gewaltausbruches wurden 21 unbewaffnete Personen vor dem Nürnberger Hauptbahnhof durch Reichswehrtruppen erschossen. Die Rückkehr der Studenten nach Erlangen machte der Stadt und der Universität schwere Sorgen. Sie wollten verhindern, dass es es zu einem Gewaltausbruch zwischen Studenten und Arbeitern in der Stadt kam. Der Standort Erlangens als Universitätsstadt wäre gefährdet gewesen. In der Stadt hätte eine irreparable Feindschaft geherrscht. Die Studenten waren über die Bedenken, dass sie feindselig empfangen werden könnten, verblüfft, denn nach ihren Vorstellungen hatten sie nur die „Republik geschützt“. Man versicherte ihnen, sie würden bei ihrer Rückkehr willkommen geheißen, aber man mißbillige die Aktionen der Reichswehrtruppen in Nürnberg aufs Tiefste. Nach einigen Verhandlungen kehrten die Studenten am 24. März, begleitet von Marschmusik, nach Erlangen zurück. Der Empfang durch die Bevölkerung war äußerst frostig, doch die Gefahr eines weiteren Gewaltausbruchs war abgewendet. Im Sommersemester waren die meisten Erlanger Studenten in den Vorlesungssälen zurück.

Im Frühjahr 1921 folgten die Erlanger Studenten wieder dem Ruf der Freikorps, diesmal dem des Freikorps Oberland, das in Oberschlesien den Kampf um die Aufteilung Oberschlesiens gegen die polnischen Aufständischen aufnehmen wollte. Wieder waren es vor allem Freiwillige der Burschenschaften Wingolf, Bubenruthia, Germania und Uttenruthia und sie nahmen an der berühmten Schlacht von St. Annaberg am 21. Mai – 27. Mai 1921 teil. Während bisher Erlangen die Erfahrungen mit Gewalt und Blutvergießen von Städten wie Berlin, Nürnberg oder München erspart geblieben war, gab es in den nächsten Jahren doch Vorfälle kleinerer Art. So kam es am 15. Juli 1923 bei einer Demonstration zum „Deutschen Tag“ an den Bierkellern am Burgberg zu Gewaltätigkeiten zwischen Nazis und nationalistisch Gesinnten auf der einen Seite und Sozialdemokraten und Gewerkschaftsmitgliedern auf der anderen Seite. Diese Gewalt setzte sich in den Fabriken und auf den Straßen fort.
 
 
   
 
Schloss, Schlossgarten und Orangerie  

Album-Nr. er55

Schloss, Schlossgarten und Orangerie

Nachtschneekarte von 1900

 
   
  Erlangen, Universitätsbuchhandlung Rudolf Merkel um 1935  
  Album-Nr. er185                Heute kauft man dort keine Bücher mehr sondern Fahrräder.  
     
 
 
Der Hitlerputsch

Das 1923 war ein entscheidendes Jahr für die Nazi-Bewegung. Im September hielt die Partei in Nürnberg ihren ersten Parteitag ab (ein früherer Parteitag hatte schon im Januar in München stattgefunden). Der Parteitag wurde von Zehntausenden besucht und sollte dazu dienen neue Mitglieder anzuwerben, insbesondere aus den örtlichen rechtsextremen Gruppierungen. Ende September erschien Hitler auf dem „Deutschen Tag“ in Bayreuth und nutzte die Gelegenheit eine Beziehung zur Familie Richard Wagners aufzubauen.

Am 28. Oktober, weniger als einen Monat bevor Hitler in München putschte, beschworen etwa 600 Soldaten in der Erlanger Infantriekaserne ihre Untertstützung für die Nationalsozialisten. In der zweiten Novemberwoche wurden die Nazis, die in ihrem Parteilokal, dem Gasthaus „Goldenes Herz“ am Neustädter Kirchenplatz, versammelt waren, darauf vorbereitet loszuschlagen, wann auch immer der Befehl dazu kommen würde.

Der fehlgeschlagene Nazi-Putsch fand am 9. November 1923 in München statt. Es kam zu einem Feuergefecht zwischen den Putschisten und der Polizei. Am Ende lagen an der Feldherrnhalle 16 tote Nazi-Anhänger und 4 tote Polizisten, Hitler selbst war auf der Flucht. Bekanntlich gelang es ihn festzunehmen und nach seinem Prozess saß er in Landsberg ein. Einer der toten Polizisten war der 36jährige Friedrich Fink aus Eschenau, Kr. Erlangen. Die Siegesfeier für den Putsch in Erlangen, bei der Julius Streicher der Hauptredner sein sollte, musste die NSDAP absagen. Am 11. November, zwei Tage nach dem mißlungenen Putsch, demonstrierten Erlanger Studenten gegen die Regierung 'von Kahr' und es fand gegen die Anweisung des Universitätsrektors und der Polizei im Kollegienhaus eine Demonstration von ca. 300 Studenten zur Unterstützung Hitlers statt. Bei den Studentenwahlen am Ende des Monats erzielten die rechtsextremen Kandidaten eine überwältigende Mehrheit.
 
 
   
 

Album-Nr. er28

Kollegienhaus

Das neobarocke Bauwerk am Rande des Erlanger Schlossgartens wurde 1889 als Erweiterung der Universität errichtet und dient bis heute als Lehr- und Repräsentationsgebäude.

Diese Karte ging 1901 nach Moskau.

  Kollegienhaus
 
   
  Erlangen, Mineralogisches und Botanisches Institut  
   
 
Botanisches Institut Erlangen vor 1925  

Album-Nr. er82 (1925)

Botanisches Institut

Das Botanische Institutsgebäude mit Hörsaal konnte 1892 bezogen werden. Sie finden es, "unglücklicherweise" wie man es heute sieht, mitten im Botanischen Garten.

(Einzelbild einer Vierfachkarte)

 
   
 
 
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Der Nationsozialismus in Erlangen - Studentenschaft

Am 24. September 1923 wurde die erste nationalsozialistische Studentengruppe in Deutschland, die NS-Studentenbewegung, an der Universität Erlangen gegründet. Offiziell nach dem Hitlerputsch verboten setzte die Gruppe, viele von ihnen waren in der Burschenschaft Bubenruthia, ihre Arbeit fort. Im Jahr 1927 gründete sich die Gruppe unter dem Namen "Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund (NSDStB) neu. Im November 1929 hatte der NSDStB die Mehrheit der Sitze im Allgemeinen Studentenausschuss erreicht und die Friedrich-Alexander-Universität sich damit den Ruf als "braune" Univeristät erworben.

Warum ausgerechnet die Erlanger Universität? Den Erfolg des NS-Studentenbundes in Erlangen war ein Alleinstellungsmerkmal. Keine ähnliche Gruppierung konnte an einer anderen deutschen Universität einen solchen Erfolg wiederholen. Neben dem dominanten Protestantismus in Erlangen spielte sicher auch die Nähe zu Nürnberg und seinen Parteitagen (seit 1923) eine Rolle. Wichtiger war jedoch die Tatsache, dass die Universität selbst rechtsextrem war. In Erlangen gab es wenige jüdische Professoren. Die wenigen, die in den 20igern und 30igern in Erlangen blieben, wurden diskriminiert und von ihren Studenten respektlos behandelt. Außerdem waren viele der nichtjüdischen Professoren wegen ihrer nationalsozialistischen Ansichten an anderen Universitäten in Schwierigkeiten geraten. Die Friedrich-Alexander-Universität wurde zu ihrem Sammelbecken.

Mit dem Sieg des NS-Studentenbundes 1929 wurde der Antisemitismus an der Erlanger Universität ein offens und öffentliches Faktum. Bei den gedenkfeiern für die Gefallenen der Universität wurde den Juden in Reden immer wieder vorgeworfen, sie hätten ihre Pflichten während des Krieges nicht erfüllt. Eine Lüge, wie sich leicht nachweisen lässt. Seit dem neuen bayerischen Wehrgesetz von 1868 galt in Bayern die allgemeine Wehrpflicht. Ein Freikaufen davon oder die Stellung von Ersatzleuten war nicht mehr möglich. Anhand der Kriegsstammrollen, online veröffentlicht vom Bayerischen Staatsarchiv bei Ancestry.com (kostenpflichtig), kann man sehen, dass alle Erlanger Juden, die tauglich und im wehrdienstpflichtigen Alter waren, auch für Deutschland in den Krieg gezogen sind.

Im Mai 1932 fordert die "Erlanger Klinikschaft" (Organisation von Medizinstudenten) den Ausschluss von Juden vom Medizinstudium. Diese Forderung wurde von der Universitätsleitung zurückgewiesen, aber die anti-jüdische Agitation ging weiter. Eine Gruppe von 22 Studenten, 15 von ihnen waren Juden, gründeten im November 1932 die "Linke Studentengruppe Erlangen". Die Universität lehnte es aber ab, diese Gruppierung anzuerkennen. Die Mitglieder der Gruppe wurden als "Kommunisten" gebrandmarkt und von der Polizei überwacht. Nach der Machtergreifung Hitlers wurden zwei Mitglieder der Gruppe, Max Kohn und Rudolf Benario, im März 1933 als Kommunisten verhaftet und nach Dachau verbracht. Am 12. April 1933 wurde Benario dort ermordet, angeblich bei der Flucht erschossen. Er war eines der ersten Opfer Hitler-Deutschlands. Im Mai 1935 fand man Kohn erhängt in seiner Zelle.
 
 
   
 

Album-Nr. er106 (1917)


Chemisch-Technisches Institut

Sie blicken auf die Ecke Schuhstraße-Henkestraße. Nach rechts geht es zum Langemarckplatz. Das Gebäude im neubarocken Stil wurde von Friedrich Schmidt in den Jahren 1914-1916 erbaut. Unter der Adresse Schuhstr. 19 finden Sie heute den Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie, Emil-Fischer-Center und eine Teilbibliothek der Uni-Bibliothek.

  Erlangen Chemisch-Technisches Institut 1916
 
   
 
Erlangen, Chemisches Institut 1900  

Album-Nr. er138 (1900)

Chemisches Institut

Sie blicken vom Langemarckplatz aus quer über die Kreuzung Henkestraße-Fahrstraße auf die Ecke des Chemischen Instituts. An seiner Stelle steht heute der Neubau der Institute für Biochemie und sowie für Experimentelle und Klinische Pharmakologie.

 
   
 

Album-Nr. er146

Physikalisches Institut
Glückstr. 6

Von der Gründung der Universität Erlangen im Jahr 1743 bis zum Jahr 1857 wurde die Physik von Professoren verschiedener Fachrichtungen, wie Chemie, Geographie, Medizin, Mathematik, Philosophie und Theologie, mitvertreten. Die physikalischen Vorlesungen fanden bis zum Jahr 1798 in der Wohnung des jeweiligen Professors statt.

  Erlangen, Physikalisches Institut, Glückstraße 6
 
     
 
Erst 1799 wurden der Physik eigene Räume (3 Zimmer) in einem Wohnhaus (Karlstr. 4) zusammen mit der Chemie zugewiesen. Die Ausstattung war nach Meinung eines 1817 nach Erlangen berufenen Professors die ärmlichste von allen deutschen Universitäten.

1839 konnte das "Physikalische-Chemische Institut" im sogenannten Museum (ehemalige Hofkirche, erbaut 1708 - 1710, im Anschluß an den Schloßgarten) zusammen mit anderen Institutionen untergebracht werden.

 
Dieses Gebäude steht noch heute und beherbergt seit dem Umbau im Jahr 1895 das Geologisch-Mineralogische Institut.

1892-94 entstand der Neubau des Physikalischen Instituts in der Glückstraße 6.
Erst jetzt konnte von einem "Physikalischen Institut" im eigentlichen Sinn gesprochen werden. Das Gebäude wurde 1939 und 1948 erweitert und umgebaut.


 
   
 
Erlangen, Pharmakologisches Institut 1906
 
  Album-Nr. er157 (1906)  
 

Wenn Sie sich jetzt vergeblich das Hirn zermartern, wo sie dieses Gebäude in Erlangen verorten müssen und jegliche Erinnerung fehlt, dann leiden Sie nicht unter Demenz. Das Pharmakologische Institut gibt es nicht mehr. Um die Adresse zu erfahren - Östliche Stadtmauerstr. 29 - brauchte ich auch die Hilfe des Stadtarchivs. Dem Stadtarchiv und besonders Frau Wünschmann, dem freundlichen hilfreichen Geist in allen Archivfragen, sei hiermit einmal ausdrücklich gedankt.

Rechts geht es zum Maximiliansplatz und links führt die Östliche Stadtmauerstraße zum Bohlenplatz. Das Gebäude wurde 1893 fertiggestellt und eröffnet. Vom ersten Tag an waren in dem Gebäude auch poliklinische Betten und Experimentallabors untergebracht. Erster Direktor des neuen pharmakologisch-poliklinischen Instituts wurde am 15. April 1893 Prof. Hans Penzoldt. Er und seine Nachfolger hatten wohl nicht das richtige Interesse an eigenständiger pharmakologischer Forschung und so stellten sie den Neubau bald vollständig in den Dienst der klinischen Versorgung.

 
     
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Hitler spricht

Bekanntermaßen war die wirtschaftliche Lage 1930 in Deutschland durch eine hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Bei 32000 Einwohnern betrug die Zahl der Arbeitslosen in Erlangen in diesem Jahr 3160. Am 13. November 1930 kam Hitler zum dritten Mal nach Erlangen um im Kolosseumssaal in der Henkestraße (heute bayer. Hof) zu sprechen. Wie oben erwähnt, hielt Hitler seine erste Rede in Erlangen am 17. Mai 1923. Er sprach vor 2000 Menschen im Kolosseum über die Ziele der Nationalsozialistischen Bewegung. Wie bei seinem zweiten Besuch in Erlangen am 26. März 1928 (Kolosseumssaal) war es auch diesesmal am Vorabend der Wahlen zum ASTA. Der Rektor der Universität Dr. Alfred Klotz war ebenfalls anwesend. Als Hitler unter Marschmusik einzog, u.a. in seiner Begleitung Baldur von Schirach der spätere Reichsjugendführer, wurde er von über 1000 Zuhörern mit "Heil"-Rufen und Füßestampfen begrüßt. Am Ende seiner Rede gab es langanhaltenden Applaus und noch mehr "Heil"-Rufe. Am nächsten Tag erhielt der NSDStB bei der Wahl 83 % der Stimmen.

Im Jahr 1931 sprach Hitler noch zweimal in Erlangen, am 25. Juni 1931 vor Studenten und am 3. Juli 1931 vor mehrheitlich Arbeitslosen. Beide Reden hielt er wieder im Kolosseumssaal. Auf Einladung des nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes kam auch Joseph Goebbels nach Erlangen und hielt am 25. November 1931 ebenfalls im Kolosseumsaal eine Rede.
 
 
   
 

Album-Nr. er10

geschrieben 1902

Uni-Krankenhaus
(Medizinische Klinik und Chirurgie)

Das Krankenhaus im Ostteil des Schlossgartens wurde 1824 eingeweiht und vor allem in der 2. Hälfte des 19. Jahunderts ergänzt und umgebaut.

 
Kgl. Universitätskrankenhaus
 
   
  Erlangen, Chirurgie, Frauen-Krankensaal um 1936  
  Album-Nr. er145  
 
Die Ansichtskarte wurde am 27. Juli 1937 in Erlangen aufgegeben. Ich zähle 24 Betten. Mich würde nun interessieren, was damals der Tagessatz für das 24-Bett-Zimmer in der Chirurgischen Klinik war.
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Aufstieg zur Machtergreifung

In der ersten Jahreshälft des Jahres 1932 wurden in Erlangen wegen der Reichstagswahlen im Juli von der NSDAP zahlreiche Veranstaltungen organisiert. Auf der Rednerliste finden sich viele prominente Parteigrößen oder solche, die später noch prominent werden sollten. Zu den ersteren gehörte Dr. Wilhelm Frick, ehemaliger thüringischer Innenminister, Reichstagsabgeordneter und späterer Reichsminister. Er wurde in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und gehängt. Zu den letzteren gehörte Dr. Frank, ab 1939 unmenschlicher Generalgoverneur über das besiegte Polen. Er wurde ebenfalls in Nürnberg gehängt. Frank bereitete am 9. Juli in seiner rede den perfiden Auftritt von Prinz August Wilhelm von Preußen am nächsten Tag vor, indem er dem Führer des kommenden nationalsozialistischen Staates Adolf Hitler eine historisch überragende Stellung wie Luther zuerkannte. Ein Topos, der in der Zukunft immer wieder bemüht werden würde um Protestanten für die NSDAP zu begeistern.

Einen Tag zuvor am 8. Juli hatte die SPD und ihre paramilitärische Organisation die "Eiserne Front" zusammen mit der KPD und der kommunistischen Rotfront am Brucker Marktplatz eine Massendemonstration mit etwa 3000 Personen abgehalten. Die ansonsten verfeindeten Parteien hatten ihre Kräfte vereinigt um einen Versuch zu starten dem Faschismus eine vereinigte Arbeiterfront entgegenzusetzen. Mit der Inszenierung der Massendemonstration der Nazis am 10. Juli auf Schloss- und Marktplatz konnten sie aber nicht mithalten.

Bei einem Fackelzug durch die Stadt marschierten SA, SS und Hitlerjugend auf, Lautsprecherwagen übertrugen die Reden. Prinz August Wilhelm von Preußen, der vermutlich insgeheim auf eine Wiederherstellung der Monarchie hoffte, wurde von den Nazis als Aushängeschild benutzt, als jemand, der sich freiwillig dem Führerbefehl "des einfachen Arbeiters" Adolf Hitler unterstellt hatte. Nach den eigenen Worten des prinzen war er der lebende beweis dafür, dass sich im Nationalsozialismus keiner mehr über den anderen erhebe.."Wir sind nur deutsche kämpfende Christen." Der Hohenzoller verstieg sich unter Berufung auf Jesus zu der Behauptung Adolf Hitler sei ein Mensch, der sein Leben für den Nächsten gebe. In blaphemischer Zuspitzung machte er Hitler zum Retter aus aller Not, zu einem Retter "vom Himmel". Auch Luthers Lied "Ein feste Burg... Nehmen sie den leib, Gut, Ehr', Kind und Weib" wurde im Sinne der Nazis interpretiert. Das bereits aufgehobene bayerische Uniformverbot wurde als bedrängnis vorgestellt, die der SA und der SS ihren "geist" nicht habe nehmen können. Des Nationalsozialisten "Gebet" sei Adolf Hitler - Dreifache heilrufe auf das neue, nationalsozialistische deutschland und seinen Führer Adolfhitler, ausgebracht von Alfred Groß, waren der gut berechnete Schlusspunkt dieses pseudoreligiösen Spektakels.

Bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 wurde die NSDAP zu stärksten Partei im Reichstag, aber die Mehrheit hatten sie noch nicht. In Erlangen kamen die Nazis auf 38,7 % und die SPD auf 38,2 %. Die SPD war in Erlangen nach wie vor ein starker politischer Gegner für die Nationalsozialisten. Die KPD spielte in Erlangen keine große Rolle. Sie kam nur auf ein Sechstel der Stimmen der SPD. Wegen Auflösung des Reichstages kam es schon am 6. November 1932 zu Neuwahlen. Es war die letzte freie Wahl in der Weimarer Republik. Reichsweit ging der Stimmenanteil der Nazis zurück. In Erlangen erzielte die NSDAP 6615 Stimmen (35,7 %), die SPD 6463 Stimmen (34,9%) und die KPD 1096 Stimmen. Nach einigem politischen Hin- und Her in Berlin ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 zum reichskanzler. Hitlers Gegner in der nationalen Regierung glaubten ihn kontrollieren zu können. Was für ein schlimmer, gigantischer Irrtum!
 
 
   
 
Pforte der Medizinischen Klinik Erlangen um 1910  

Album-Nr. er83 (um 1905)

Medizinische Kinik
(Eingangsbereich, Pforte)

Die Beschriftungstil der Karte zeigt, dass sie wohl zwischen 1925 und 1930 gedruckt wurde. Versendet wurde sie 1930. Vergleicht man die Beflanzung mit der Karte unten, die um 1916 versendet wurde, kommt man zu dem Schluss, dass die zugrunde liegende Aufnahme aus dem Zeitraum 1900-1910 stammen muss.

 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Machtergreifung

Am 31. Januar 1933, es war der Tag nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, erhielten der Universitätsrektor Eugen Locher und sein Kanzler Hans Liermann vom NSDAP-Ortsgruppenleiter Alfred Groß einen Morgenbesuch im Schloss, der ihnen befahl über dem Gebäude die Hakenkreuzfahne aufzuziehen. Sie bedauerten, sie hätten keine. Kein Problem, Groß hatte eine Fahne mitgebracht. Am Abend marschierte die NSDAP vom "Seku"-Übergang an der Nürnberger Straße zum Luitpoldplatz (heute Hugenottenplatz), in ihrem Gefolge die Stahlhelm-Hochschulgruppe, der NSDStB, korporierte und inkorporierte Studenten, insgesamt etwa 1000 Teilnehmer. Ihnen und zahlreichen Zuhörern aus der Bevölkerung erklärte Ortsgruppenleiter Groß, die gegenwärtigen Tage als ein epochemachendes Ereignis, mit dem der Aufbruch der Nation eingesetzt habe. Alle national gesinnten Kräfte hätten sich die Hände gereicht.

Noch hatte der Nationalsozialismus längst nicht alle erfasst. Michael Poeschke und die SPD riefen für den nächsten Tag (1. Februar) zu einer Gegenveranstaltung auf. Die Eiserne Front, das Arbeiter-Sport-Kartell, die SPD, die Jungsozialisten, Freie Gewerkschaften und zwei Musikkorps marschierten von ihren Hauptquartieren in der Nürnberger Straße und Henkestraße zum Kaiser-Wilhelm-PLatz (heute Lorlebergplatz), von dort durch die Bismarckstraße, Hindenburgstraße, Neue Straße ebenfalls zum Luitpoldplatz. Unterwegs riefen sie immer wieder "Nieder mit den Nazis!" Über den Luitpoldplatz hallten einen Tag nach dem NS-Aufmarsch die Warnungen vor Hitler. Poeschke gab sich optimistisch: Die Sozialdemokratie gehe sehr kaltblütig dem neuen Wahlkampf entgegen. Aber es war die letzte Demonstration der Sozialdemokratie. Wie Überall in Deutschland setzte Hitler seine politischen Gegner, so auch in Erlangen, in den Tagen und Wochen nach der Machtergreifung durch seine Notverordnungen schachmatt.

Am 28. Februar 1933 erließ Hitler eine Notverordnung "Zum Schutz von Volk und Staat", die zur "Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte" die Grundrechte außer Kraft setzte. Am Tag zuvor war der Reichstag in Flammen aufgegangen. Hitler schob die Brandstiftung den Sozialdemokraten und Kommunisten in die Schuhe um gegen sie vorgehen zu können.

  • Jetzt war es möglich, jederzeit verhaftet und in sogenannte "Schutzhaft" genommen zu werden. Die Einschaltung eines Richters war nicht mehr notwendig. Mißliebige Personen verschwanden in Konzentrationslagern. Das erste davon war das KZ Dachau.
  • Kritik an der Regierung und ihrem Führer, selbst politische Witze führten allermeistens zu sofortiger Verhaftung.
  • Alle Zeitungen durften nur noch die offizielle Parteimeinung veröffentlichen.
  • Vereine durften nicht mehr gegründet werden. Kleinere Vereine hatten in größeren aufzugehen.
  • Versammlungen abzuhalten war verboten (mit Ausnahme der der NSDAP natürlich)
  • Das Briefgeheimnis war aufgehoben.
  • Telefongespräche durften abgehört werden.
  • Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen von Eigentum war jetzt fast jederzeit möglich.
 
 
   
 

Album-Nr. 84 (um 1915)

Die Karte wurde 1916 versendet. Beachten Sie den rechten (östlichen) Bereich des Gebäudes. Die Loggien sind neu.

Die Kutsche oben steht vor einer Durchfahrt in den Innenbereich, die hier rechts deutlicher sichtbar ist. Auf der Karte unten sehen Sie diese Durchfahrt vom Innenbereich aus.

 
 
   
 
  Altbau Medizinische Klinik Erlangen Innenbereich  
     
  Album-Nr. er85 (um 1915) Medizinische Klinik Innenbereich  
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Ausschaltung von SPD und KPD (I)

In Erlangen wurde am 2. März 1933 eine Hitlerrede im Radio über die "Weltgefahr des Kommunismus" per Lautsprecher auf den Schloss- und Marktplatz übertragen. Die nazis hatten mit zwei SA-Spielmannszügen und dem neu gegründeten Reitersturm der SA einen entsprechenden Rahmen geschaffen um das Ereignis für die zu Tausenden auf dem Marktplatz harrenden versammelten entsprechend zu gestalten. Die Menge brachte Heilrufe aus. Die Veranstaltung aber wurde zum Mißerfolg, weil eine nicht auffindbare Quelle, verborgen in einem der angrenzenden Gebäude, die Rundfunkübertragung störte. Ersatzweise sprach der Gauleiter von Nürnberg, Julius Streicher, und versicherte der Zuhörerschaft, dass Hitler gerade unter ungeheurem Jubel spreche. In seinen Schlussworten kündigte Streicher die Verfolgung und Bestrafung des verantwortlichen "bolschewistischen Gesindels" an. In den folgenden 24 Stunden führte die Erlanger Polizei bei 25 Mitgliedern der Kommunistischen Partei Hausdurchsuchungen durch. Es wurde aber nur ein alter Säbel gefunden.

Nach der Wahl am 5. März 1933 holte die Erlanger NSDAP zum Rundumschlag aus. Am 9. März 1933 erschienen die drei NS-Stadträte Groß, Benesch und Hofmann beim Oberbürgermeister Flierl und verlangten die Hakenkreuz- und die die schwarz-weiß-rote Flagge auf dem Rathaus (damals im Stutterheim Palais der heutigen Stadtbibliothek) zu hissen. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen waren sie mit einer 120 Mann starken SA- und SS-Truppe erschienen, die auf dem marktplatz wartete. Flierl hielt sich nicht gefugt, Stadtratsbeschlüsse zugunsten dieser Forderung zu übergehen, verzichtete aber der zahlenmäßig weit unterlegenen Polizei den Befehl zum Widerstand zu geben. In Gegenwart einer großen Menschenmenge erschienen die drei NS-Stadträte am Fenster der Stadtkämmerei. Während die Flaggen aufgezogen wurden, erklang das Horst-Wessel-Lied "Die Fahnen hoch". Oberbürgermeister Flierl verfolgte das Geschehen von seinem Amtszimmer aus.

Die Drohung gegen die Erlanger Sozialdemokraten war blutig ernst gemeint und wurde zugleich in die Tat umgesetzt. In tadelloser Ordnung marschierte die Nazi-Truppe vom Rathaus in Richtung Nürnberger Str. 10 zum Gebäude des Erlanger Volksblattes. Hier befand sich auch die Kreisleitung der SPD und war die Arbeiterjugend zuhause. Mit einem Fahrrad wurde die Schaufensterscheibe zertrümmert, dann der Haupteingang gestürmt, die Fahne der Eisernen Front vom Mast geholt und in der Henkestraße verbrannt. Alles geschah unter den Augen des Ortsgruppen- und kreisleiters Alfred Groß. Von der Henkestraße aus drangen SA-leute in den Hof des "Volksheimes" ein und fielen über den Schriftleiter Michael Poeschke her, verletzten ihn am Kopf (9 Platzwunden) und schlugen seinen Stellvertreter Peter Zink mit ihren Schulterriemen bewusstlos und brachen ihm den Arm. Andere SA- Leute zerstörten die Ladeneinrichtung. Poeschke, Zink und andere wurden zur "Schutzhaft" in den Leichenraum der Chirurgischen Universitätsklinik gebracht. Ein Hilfeersuchen an die Reichswehr blieb erfolglos. Diese lehnte ein Eingreifen aus Neutralitätsgründen ab.

 
 
   
 
  Medizinische Klinik Erlangen Gartenseite um 1930  
     
  Album-Nr. er96 (um 1930) Med. Klinik Gartenseite (Ostseite)  
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Ausschaltung von SPD und KPD (II)

Das verwüstete "Volksheim" wurde von der SA mit einer Hakenkreizfahne versehen. Das gebäude wurde von der SA übernommen und die "Erlanger Neuesten Nachrichten" zogen ein. Nach kurzer zeit nannte man es nur noch das "Braune Haus". Am nächsten Tag nahm der Nationalsozialismus weitere öffentliche Gebäude in Besitz: Die Post, das Finanzamt, das Bezirksamtgebäude, Schloss, Bahnhof, Amtsgericht, Studentenhaus und Ortskrankenkasse trugen, nachdem jeweils das Horst-Wessel-Lied und das Deutschlandlied gesungen war, die Hakenkreuz- und/oder die alte rot-weiß-schwarze Reichsflagge.

Trotz ihrer Verletzungen vom Vortag mussten Poeschke und Zink mit 15 Mithäftlingen am 10. März den Transport ins Gefängnis nach Fürth über sich ergehen lassen. Dabei musste der Lastwagen mit den verhafteten Führern der Erlanger Sozialdemokraten mit ihren Kopfverbänden wegen einee Trauerzuges für einen verstorbenen Theologen halten. Die Vertreter von Universität, Kirche und Staat im Leichenzug kannten die Verhafteten auf dem LKW sehr gut. Sie sahen über die Zeichen des Bevorstehenden schlicht hinweg. Poeschke wurde als neugewählter Landtagsabgeordneter bis zur Aufhebung seiner Immunität wieder entlassen und im Juni noch einmal verhaftet. Er wurde gezwungen in den Osten Deutschlands zu ziehen. Es war eine Art Exil in Deutschland. Im Zweiten Welkrieg wurde er eingezogen und verwundet. Nach dem Krieg machten ihn die Amerikaner zum Oberbürgermeister von Erlangen. Auch Peter Zink wurde wieder entlassen. Kreisleiter Alfred Groß bot ihm an Führer der Hitlerjugend zu werden. Zink lehnte ab und unterlag von da an verstärkt polizeilicher Überwachung. Nach dem Krieg kehrte er für die SPD in die Politik zurück.

Als am 27. April 1933 der neue Stadtrat eröffnet wurde, legte man den SPD-Stadträten nahe, der Feier fern zu bleiben. Am 12. Mai verkündete das "Erlanger Tagblatt" den Rückzug von Zink, Poeschke und anderen SPD-Mitgliedern aus dem Stadtrat. Bei Zink, Otto Humbold und Simon Schönberger wurde angegeben, dass gesundheitliche Probleme sie daran hindern würden ihren Stadtratsverpflichtungen nachzukommen. Am 22. Juni 1933 wurde die SPD dann auch verboten, viele Parteimitglieder wurden verhaftet. Nun bestand der Erlanger Stadtrat nur noch aus nazis. Mittlerweile waren weitere prominente Erlanger SPD-Mitglieder im KZ Dachau interniert. Auch Anton Hammerbacher, der erste Oberbürgermeister nach dem Krieg, war in Dachau inhaftiert. den mitgliedern der KPD erging es nicht anders, so wurden zwei ihrer führenden Funktionäre, Anton Funk und Adam heckel, in "Schutzhaft" genommen. Zwischen Machtergreifung am 30.01.19133 und dem 13.04.1837 kamen 167 Personen aus Erlangen in "Schutzhaft".

wird fortgesetzt...
 
 
   
 
Anatomie Erlangen   Album-Nr. er99 (1900)

Anatomisches Institut

In Erlangen gibt es ein Anatomisches Institut seit Gründung der Universität im Jahre 1743. Damals war es in einem heute nicht mehr bestehenden Haus in der Nürnberger Straße, dann seit 1826 in der Orangerie im Schlossgarten und später in der Universitätsstr. 17 untergebracht. Im Jahre 1897 erfolgte die Übersiedlung in den neobarocken Neubau in der Krankenhausstraße 9, erbaut von Friedrich Wilhelm Scharff.
 
   
 
Erlangen, Schloss Orangerie 1898
 
  Album-Nr. er134  
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Der Tag von Potsdam

Wie überall wurde auch in Erlangen die Jugend in der "Hitlerjugend" und dem "Bund Deutsche Mädel" organisiert. Eltern, die ihre Kinder nicht in einer der beiden Organisationen anmeldeten, bekamen ziemliche Schwierigkeiten. Noch im März wurde die hauptstraße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. Der Bohlenplatz wurde zum Dietrich-Eckert-Platz und aus dem Ohmplatz wurde der Leo-Schlageter-Platz (nebannt nach einem Saboteur, der von den Franzosen während der Ruhrbesetzung exekutiert wurde). Die Rathenaustraße benannte man in Horst-Wessel-Straße um. Andere Straßen wurden nach Nazi-Märtyrern wie Herbert Norkus (Liebigstraße) und Wilhelm Gustloff (Theodor-Klippel-Straße) benannt. Die Erlanger nazis verstiegen sich dazu den Dechsendorfer Weiher in Adolf-Hitler-See umbenenneb zu wollen. Der Führer lehnte per Telegramm bescheiden diese große Ehre ab. Doch machte man Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg zu Erlanger Ehrenbürgern. Im November 1933 wurde diese Ehre auch dem Gauleiter Frankens, Jukius Streicher, zugesprochen. Es dauerte bis 1983 bis die Ernennungen von Hitler und Streicher zurückgenommen wurden.

Als der neugewählte Reichstag am 21. März 1933 eröffnet wurde, hatte sich Erlangen, wie das ganze Deutsche Reich für den "Tag von Potsdam" festlich herausgeputzt. Schulen, Festräume und Rednerpulte waren mit entsprechenden Fahnen geschmückt, fast alle Häuser beflaggt.


Erlangen, Ecke Bismarck- und Luitpoldstrasse
Ecke Bismarck- und Luitpoldstraße

In der Christuskirche auf dem Bohlenplatz und in St. Bonifaz fanden Militärgottesdienste statt; danach war die Bevölkerung zur Paradeaufstellung mit Parademarsch in den Hof der Infanteriekaserne eingeladen. Für den Abend war ein Fackelzug angesetzt. Die Gliederung dieses Festzuges zeigte, die alte Allianz zwischen Obrigkeitsstaat und Militärstaat war wieder aufgelebt. Die Zugteilnehmer sammelten sich in der Südstadt. Hier wohnten die traditionellen Gegner der Nationalsozialisten. Ihre Einschüchterung war beabsichtigt. Der Zug reichte dann von der Friedrichstraße bis weit über die Hilpertstraße zurück. Voraus berittene Polizei und ihre Helfer, der SA-Reitersturm. Angeführt vom einem Musikkorps der Reichswehr folgten Krieger- und Militärvereine, Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene, Studentenschaft, Beamtenschaft - die alten Eliten der Kaiserzeit: Heer, Akademiker, Staatsdiener - und dazwischen die ums Vaterland Verdienten. Die Feuerwehrkapelle schritt der Freiwilligen Feuerwehr, der Freiwilligen Sanitätskolonne, den Turn- und sonstigen Vereinen voraus. Unter diesen marschierte der CVJM mit, nicht ahnend, wie schwer ihm nach der Einbeziehung seiner 200 Mitglieder in die Hitlerjugend zwei Jahre später das Vereinsleben gemacht würde. Diese Zuggruppe bestand also aus Organisationen, die wichtige Funktionen bei der Wehrertüchtigung zu erfüllen hatten, in ihren traditionellen Organisationsstrukturen aber noch zu viel Eigenart besaßen. Diesen Vereinen stand Eingliederung, Gleichschaltung oder Abwerbung bevor. SA-Musikkorps, SA, Hitlerjugend und SS bildeten den letzten Bestandteil des Zuges.

Zwei Tage später, am 23. März, stimmte der Reichstag, mit Ausnahme der sozialdemokratischen Abgeordneten dem "Ermächtigungsgesetz" zu, welches Hitler formell zum Diktator von Deutschland machte.

 
 
   
 
Erlangen, Pathologisches Institut 1913  
Album-Nr. er120 (1913)

Pathologisches Institut

Im Jahr 1862 wurde an der Erlanger Universität der lehrstuhl für "Pathologische Anatomie" eingerichtet. Im Jahr 1906 zog die Pathologie in den 1905 fertiggestellten Neorenaissancebau von Friedrich Wilhelm Scharff um. Im Zentrum der Pathologie steht die Pathologische Sammlung, die allerdings schon mit der Gründung der Universität 1743 begonnen wurde.
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Märzveilchen

In den Sog der Parteieintritte im März 1933 ließ sich auch Erlangens Oberbürgermeister Flierl ziehen. Vom "Märzveilchen", wie man Personen nannte, die durch Parteieintritt seit März 1933 ihre führenden Ämter zu behalten hofften, wurde Flierl zum "Märzgefallenen". Er musste der Parteistrategie weichen. Seinen Posten als Oberbürgermeister bekam der "alte Kämpfer", Kreisleiter und bisheriger 2. Bürgermeister fast bis zum Kriegsende Alfred Groß. Flierl wurde aber keineswegs ein Opfer der Partei, sondern blieb ihr Mitglied und war ab 1939 kommissarischer Landesplaner und Geschäftsführer der Landesplanungsgemeinschaft Bayern. In dieser Eigenschaft konnte er den Erlangern im Winter der großen Kohlenknappheit 1939/40 gute Dienste leisten. Die Erlanger Schulen und Universitätsinstitute blieben wegen mangelnden Brennstoffs nach den Weihnachtsferien weiter geschlossen. Die Krankenhäuser und Lazarette besaßen nur noch Minimalbestände an Kohlen für zwei bis 7 Tage. Gefrorene Braunkohlefelder, Eisgang auf dem Rhein, starke Schneefälle im Oberschlesischen Kohlerevier und die Überlastung der Deutschen Reichsbahn durch den Krieg waren die Ursachen für den katastrophalen Engpass. Alarmiert von Stadtrat Schilling gelang es Flierl beim Bezirkswirtschaftsamt Fürth zu erreichen, dass ein Steinkohlen-Sonderzug nach Erlangen umgeleitet wurde. Diese Kohle fehlte natürlich wieder woanders.

Das "Märzveilchen" Rechtsrat Ohly, der zugleich mit Flierl in die Partei eintrat, konnte in seinem weniger exponierten Amt bleiben und wurde nach Flierls Rücktritt sogar 2. Bürgermeister. Als kurz vor Kriegsende die Partei die Trennung von Parteiamt und staatlichem Amt verlangte, gab Alfred Groß das Oberbürgermeisteramt auf und blieb Kreisleiter. An seiner Stelle wurde Ohly Oberbürgermeister. In den letzten Kriegstagen zeigte Ohly großes Verantwortungsbewußtsein, das ihn an die Seite von Werner Lorleberg zur kampflosen Übergabe Erlangens an die Amerikaner brachte. Alfred Groß hingegen erwies sich als "Spruchbeutel", der die Erlanger zum Durchhalten bis zum letzten Blutstropfen aufforderte. Am Tag der Einnahme durch die Amerikaner beging er Fahnenflucht und setzte sich nach Weißenburg ab.
 
 
   
 

Album-Nr. er86 (um 1910)

Alte Augenklinik
Universitätsstr. 27

Der Neubarockbau wurde 1893 fertiggestellt. In der alten Augenklinik finden Sie heute die Strahlenklinik.

  Alte Augenklinik Erlangen
 
   
  Erlangen, Augenklinik und Rentamt in der Universitätsstraße  
  Album-Nr. er165 (ca. 1915)  
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Gleichschaltung (I)

Unter Gleichschaltung verstanden die Nationalsozialisten die Anpassung aller Ebenen der politischen Willensbildung und öffentlichen Wirksamkeit an die Mehrheitsverhältnisse seit der Märzwahl. Entsprechend dem Wahlverhalten der Erlanger Bürger bei der Reichstagswahl erhielt der Erlanger Stadtrat eine völlig neue Zusammensetzung. Statt 30 hatte er nur noch 20 Mitglieder: 9 Nationalsozialisten, 2 Mitglieder der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot, 7 Sozialdemokraten und 2 Mitglieder der Bayerischen Volkspartei. Nach dem Verbot der SPD wurden ihre Stadträte in "Schutzhaft" genommen. Die Ortsgruppe der Bayerischen Volkspartei hatte sich auflösen müssen. Die Schwarz-Weiß-Rot-Stadträte wurden in die NSDAP-"Fraktion" eingegliedert. Im Juli 1933 bestand gemäß Hitlers Verordnung zur Sicherung einer einheitlichen Staatsführung der Erlanger Stadtrat nur noch aus den 11 ehrenamtlichen Mitgliedern der NSDAP-"Fraktion". Die Führerstellung des Oberbürgermeisters trug weiter dazu bei, dass der Stadtrat nur noch Zustimmungsorgan war.

Diese Gleichschaltung hatten alle Erlanger Vereinigungen - bis hin zur Ziegenzucht-genossenschaft Büchenbach - hinzunehmen. Die Sportvereine außerhalb des sozialdemokratischen Einflussbereichs, waren aus der Interessenlage ihrer Mitglieder heraus unpolitisch und handelten im Zuge der Gleichschaltung oftmals pragmatisch. Der Vorstand wurde in der "neuen Zeit" nicht mehr durch demokratische Wahlen bestimmt, sondern die Vereine mussten das Akklamations- und Berufungsverfahren anwenden. Durch öffentliches Beipflichten wurde der erste Vorsitzende in sein Amt gehoben, und dieser bestimmte kraft seiner Führerposition den zweiten Vorsitzenden (Führerstellvertreter), sowie den kassier und Schriftführer. Oftmals wurden die bisherigen Funktionsträger, einst durch Wahlen in ihr Amt gekommen, wieder in ihr Amt eingesetzt. Mit der Umetikettierung der sportlichen Ausrichtung auf "Wehrertüchtigung" war die Anpassung an die Verhältnisse im wesentlichen vollzogen.
 
 
   
 
Frauenklinik Erlangen um 1915  

Album-Nr. er76 (1915)

Frauenklinik und Universitätsstraße

Im 1. Weltkrieg und im Jahrzehnt danach entwickelte sich die Frauenklinik zu einem international renommierten Zentrum für die Strahlentherapie. Die näheren Umstände dieser Entwicklung sind mit den Namen der Direktoren Ludwig Seitz (1872-1961) und Hermann Wintz (1887-1945) verknüpft.

 
   
 

Album-Nr. er77 (1918)

Frauenklinik Gartenseite

Obwohl der Aufstieg der Klinik zu einem strahlentherapeutischen Forschungs- und Behandlungszentrum in die Amtszeit von Seitz fällt, spielte Wintz dabei sicherlich die entscheidende Rolle. Dem vielseitig begabten, erfinderischen und auch technisch versierten Arzt gelang es, ein ungewöhnlich erfolgreiches Joint-venture mit der Erlanger Firma "Reiniger, Gebbert & Schall" (RGS) zu etablieren.

  Frauenklinik Erlangen um 1918
 
     
 
Hinsichtlich seiner Tätigkeit als Rektor der Universität im "Dritten Reich" wurde Wintz in einer neueren historischen Untersuchung als "nicht NS-konforme Persönlichkeit" eingestuft, die diplomatisch versucht habe, die Interessen der Hochschule zu vertreten. Dennoch hat Wintz zumindest geduldet, dass die Frauenklinik für die verbrecherische Rassenpolitik der Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde.
 
Nach 1933 führten Ärzte hier wie in vielen anderen deutschen Frauenkliniken Zwangssterilisationen in großem Umfang durch. In den letzten Kriegsjahren nahm man außerdem an Ostarbeiterinnen Abtreibungen vor, die für einige der Frauen tödlich endeten. Zusammen mit anderen Ärzten der Klinik wurde Wintz nach Kriegsende aus dem Hochschuldienst entlassen. Er starb 1947 im Alter von erst 59 Jahren.
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Gleichschaltung (II)

Sobald Standes- oder Berufsgruppen von der Eingliederung in den nationalsozialistischen Führerstaat (Gleichschaltung) betroffen war, spielten bei der Akzeptanz des Nazismus auch wirtschaftliche Überlegungen eine große Rolle. Symptomatisch hierfür sind die Berufskellner, die in der "Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation im Gaststättengewerbe" organisiert waren. Sie waren besonders leicht auf die Seite des Nationalsozialismus zu ziehen, da sie sich die Beseitigung des weiblichen und des ungelernten Bedienungspersonals erhofften. Die Gedankenkette: Frauenberufe sind ein Symptom des "Novembersystems" - Frauen bedrohen als billige Arbeitskräfte den Arbeitsmarkt - Frauen sind zu entlassen, Berufskellner einzustellen - Frauen gehen wieder in den Privathaushalt - so werden mehr Ehen im "Dritten Reich" geschlossen - zeigt, dass die Nationalsozialisten mit ihrer Abneigung gegen die gesellschaftliche und wirtschaftliche Gleichberechtigung der Frau durchaus auf Zustimmung in der männlichen Bevölkerung rechnen konnten.

Die Gleichschaltung sollte auch den Wettbewerb über die Preisgestaltung beenden, z.B. galt in ganz Erlangen für alle Friseuere ein Einheitspreis. Der "Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand" verlangte, das von den Nationalsozialisten schon immer bekämpfte Warenhaus in der Stadt müsse seine Preise für Markenartikel anheben, und alle Geschäfte Erlangens hätten sich an ein einheitliches Preisniveau zu halten, ohne dieses durch Rabatte und Zugaben zu durchlöchern. Die Nationalsozialisten hatten die Vorstellung eines leicht kalkulierbaren Käuferverhaltens und einer dem Kundenstamm entsprechenden Warenzuteilung an jedes Geschäft. Ein derartiges Lenken der Warenströme bis hin zum Einzelverbraucher gehörte zur "Wehrertüchtigung" des Wirtschaftslebens. Bei Kriegsbeginn war das kriegswirtschaftlich orientierte und bedingte Rationierungssystem, z.B. im Erlanger Brennstoffhandel, voll ausgebildet. Jeder einzelne Verbraucher von Heizmaterial ist mit seinem vorausberechneten Bedarf einem bestimmten Einzelhandelsgeschäft zugewiesen und wird anderswo nicht bedient. Dem Einzelhändler sind gegenüber dem Großhandel bezüglich auf Ausweichmöglichkeiten oder Abnahmemenge die gleichen Grenzen gesetzt. So waren zu Kriegsbeginn 1939 bis in die Verästelungen der Verteilungsbahnen scheinbar die Voraussetzungen für eine ausreichende Energieversorgung getroffen. In Wirklichkeit aber führte die beanspruchung der bahn durch den Krieg und ein harter Winter zu dem oben angesprochenen Versorgungschaos in Erlangen. Die nationalsozialistische Planwirtschaft versagte und es halfen nur persönliche beziehungen und Fürsprachen.
 
 
   
 
Heil- und Pflegeanstalt  

Album-Nr. 41 (ca. 1910)

Heil- und Pflegeanstalt (Hupfla)

Die Karte zeigt das Empfangsgebäude der ehemaligen Kreisirrenanstalt (Hupfla) am Maximiliansplatz. Die Kreisirrenanstalt wurde 1846 eröffnet und in den Jahrzehnten danach immer weiter ausgebaut. Die Erlanger Kreisirrenanstalt war weitgehend abgeschlossen von der Außenwelt als „Innere Kolonie“ organisiert.

1891 wurde die Irrenhausstraße in Maximiliansplatz umbenannt (nach Maximilian II., 1848-1865 König von Bayern).

 
   
 
alte Kinderklinik Erlangen (Hegelhaus)  

Album-Nr.82 (1925)

Alte Kinderklinik
(Hegelhaus)

Die Universität erwirbt 1902 das Haus von Prof. Karl Hegel, Historiker und Sohn des Philosophen Friedrich Wilhelm Hegel. 1908 Anbau des Isoliergebäudes (Gartenhaus), 1912 Ausbau des Dachgeschosses (Isoliergebäude) und 1914 Anbau der Veranda.

Einzelbild einer Vierfa190chkarte

 
     
 
 

Der Nationsozialismus in Erlangen - Der Mittelstand wird national (I)

So wie Ermächtigungsgesetz und Gleichschaltung dem Schein nach für Ruhe in der Innenpolitik sorgen sollten, so sollte das mittelständische Unternehmertum den innerstädtischen Konkurrenzkampf eindämmen und Ruhe in das Wirtschaftsleben bringen. Erlanger Konditoren, Gastwirte, Metzgermeister, weitere Handwerker und Kaufleute erkannten die günstige Gelegenheit lästige Konkurrenz zu beseitigen. Sie forderten die Schließung der "Regie"- und Wohlfahrtsbetriebe, das Verbot des Lebensmittelverkaufs in den Warenhäusern und die Schließung ihrer Erfrischungsräume sowie besondere Steuern für Warenhäuser der "Ramschjuden". Hier verbanden sich mittelständische Interessen mit Antisemitismus. Die Nazis nahmen diese Interessen des Mittelstandes nur zu gerne auf und holten zum ersten Schlag gegen das Judentum aus.

Erlangen, Nürnberger Tor 1933/36

Unter Leitung von Gauleiter Julius Streicher plante das "Zentralkomitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze" sorgfältig für den 1. April 1933 eine gut plakatierte Boykottaktion jüdischer Geschäfte, Warenhäuser, Kanzleien und Arztpraxen. Wie überall im Reich kam es deshalb auch in Erlangen zu "Maßnahmen": Gegen 10.00 Uhr marschierte die SA auf und stellte vor den einzelnen jüdischen Geschäften Posten mit Plakaten ab, die vor dem Kauf in jüdischen Geschäften warnten. Der Verkehr in den Straßen war sehr rege und ging weit über das von anderen Samstagen gewohnte Bild hinaus. Ein Teil der jüdischen Geschäfte hatte geschlossen, andere hielten bis zum Nachmittag offen und schlossen dann ebenfalls. Ob die Leute, die dennoch in jüdischen Geschäften einkauften, wie in Nürnberg von den Außenstehenden mit lauten Pfui- und Schmährufen bedacht worden sind, ist für Erlangen nicht überliefert. Da die meisten jüdischen Familien - sie lebten oft schon in der zweiten oder dritten Generation in Erlangen - vom Groß- und Kleinhandel mit Vieh und Fellen, Leder, Pelzen, mit Tabak und Hopfen, mit Immobilien, Textilien aller Art, Schuhen und Uhren lebten, traf sie diese Boykottaktion schwer.

[Erst ab 1861 durften sich Juden in Erlangen niederlassen. Sie kamen aus Bruck, Ermreuth, Forth, Baiersdorf, Adelsdorf, Kairlindach, Uehlfeld und anderen Orten im Umfeld Erlangens.]

Sie, die sich als Mitbürger voll integriert fühlten, verstehen plötzlich ihre Erlanger Mitbürger nicht mehr, soweit sich diese zu der judenfeindlichen Aktion mitreißen ließen und nicht wenigstens im privaten Gespräch dagegen Stellung bezogen. Die nach Tausenden zählende Menschenmenge auf den Straßen erlebte dann an diesem 1. April noch die Boykott-Kundgebung "Der Kampf des deutschen Volkes gegen das Weltjudentum". An diesem Samstag erschien im Erlanger Tagblatt eine Anzeige von 39 "arischen" Geschäftsleuten unter der passenden Schlagzeile: "Hauptstraße jetzt Adolf-Hitler-Straße und die Geschäftshäuser, die sich empfehlen."

 
 
   
 
Haus der Burschenschaft Germania   Haus der Burschenschaft Germania  

Album-Nr. er27

Germania-Haus

Umgebautes Haus der Burschenschaft "Germania" in der
Universitätsstraße.

geschrieben 1927

 
   
 

Album-Nr. er159 (1910)

Sieglitzhof mit
Brücken-Paulus

Sie sehen Sieglitzhof um 1910 mit dem Gasthaus Brücken-Paulus. Der Brücken-Paulus war Ex-Kneipe verschiedener Burschenschaften, insbesondere der Burschenschaft Germania.

  Sieglitzhof b. Erlangen, Brücken-Paulus 1910
 
   
  Erlangen, Jubiläum der Burschenschaft Germania 1899  
     
  Album-Nr. er160 (1899)  
     
 
 

Der Nationsozialismus in Erlangen - Der Mittelstand wird national (II)

Am 7. April 1933 hat der Präsident der Handwerkskammer Nürnberg, Max Lehr, den Erlanger und allen deutschen Juden unverblümt gesagt: "Wir werden sie wirtschaftlich totmachen, dass sie eines Tages den Staub deutschlands von sich schütteln, und dann wird es ihnen schlecht ergehen, weil der Nationalsozialismus sich schließlich über die ganze Welt verbreiten würde. Lehr und Gauleiter Streicher gaben am 29. Juni 1933 in zwei Massenveranstaltungen im Kolosseum und Redoutensaal wirtschaftlichen Nachhilfeunterricht aus nationalsozialistischer Sicht. Das Thema hieß "Der Jude, der Totengräber des Mittelstandes." In diesen Veranstaltungen riefen sie den Mittelstand zur Bildung eines großen Interessenblocks auf. Konsequent betrieb der neue "Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand" den Ausschluss der Juden aus dem Erlanger Gewerbeverein.

Anfang September 1933 wurde die "NS-HAGO" gegründet. Die "Nationalsozialistische Handwerks-, Handels-, und Gewerbeorganisation" ging aus dem "Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand" hervor, der mit dem "Gesamtverband Deutscher Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibender" zusammengelegt worden war. Die "Hago" griff sofort massiv in das öffentliche Leben Erlangens ein. Am 14. Oktober 1933 wurde auch in Erlangen die Reichshandwerkswoche durchgeführt. Streng überwachte sie die organisationsreiche Umsetzung und die Festzugstheatralik. Die Erlanger Handwerksbetriebe waren mit Girlanden, Handwerkszeichen und Hakenkreuzen zu schmücken. Im Festzug durften nur Festwagen mit Beschriftung in deutscher Schrift und vorher genehmigtem Schmuck mitfahren. Die einzelnen Handwerkszweige hatten in historischer Berufskleidung anzutreten. Der Festzug mit seinen Ochsen- und Pferdegespannen, den Trachten, der Zunftkleidung, die Zunftfahnenweihe auf dem Schlossplatz sollte die mittelalterliche Tradition neu entstehen lassen.

Das Brimborium war eine gleichgeschaltete Werbekampagne für Arbeitsbeschaffung, gegen Schwarzarbeit und Schmutzkonkurrenz. Rechtzeitig zur Reichshandwerkswoche wurden einzelne Handwerkszweige zwangsvereinigt. Mittels der "Hago" schränkte die NSDAP die mittelständische Eigeninitiative ein, sobald diese sich außerhalb der Parteilinie bewegte. So unterband die Partei z.B. durch die "Hago" strikt jene Geschäftspraktiken, die den Werbeeffekt nationalsozialistischer Symbole für sich nutzen wollten. Ob ein Schreibwarenladen Postkarten mit dem Bildnis Hitlers oder ob ein Textilladen Hakenkreuzfahnen anbieten durfte, unterlag jeweils der Entscheidung nach dem "Gesetz zum Schutz nationaler Symbole". Mit dessen Vorschriften gerieten einige Erlanger Firmen in Konflikt; Fotoalben und Notizbücher mit Hakenkreuzemblem wurden als "nationaler Kitsch" eingestuft und ebenso verboten wie Abbildungen von Hakenkreuzabzeichen und Hakenkreuzfahnen zu Werbezwecken. selbst nicht-NS-spezifische Gegenstände konnten unter dieses Gesetz fallen sobald sie als nationale Symbole galten. Die "Hago" Erlangen erwartete, dass weder ihre Mitglieder noch jüdische Warenhäuser und Geschäfte den Weihnachtsbaum, das Sinnbild für "deutsche Weihnachten", in ihrer Schaufensterwerbung einsetzten. Mit der Drohung, ab 1. Januar 1934 werde der Zugang zur "Hago" gesperrt, trieb man die letzten Säumigen zum Beitritt.

 
 
   
  Erlangen, Wingolf-Haus und Gasthaus Zum Golden Lamm in Buckenhof  
  Album-Nr. er147  
 
Den Mitteilungsteil der Ansichtskarte von 1897 unten habe ich weggelassen. Neben dem Wingolf-Haus ist oben links das ehemalige Gasthaus "Zum Goldenen Lamm" in der Buckenhofer Kurve nach Uttenreuth (Gräfenbergerstr. 36) zu sehen. Das Gasthaus wurde 1797 erbaut.
 
   
 

Album-Nr. er97 (um1910)

Wingolf-Haus

Das Palais der Familie Winkler von Mohrenfels wurde 1728 von Johann Georg Kannenhäuser erbaut. Seit dem 4. Januar 1892 ist es das Verbindungshaus der Studentenverbindung Wingolf. Zu sehen ist die Ecke Friedrichstraße 26 - Fahrstraße.

Wingolf Haus in Erlangen  
 
   
 
Wildensteinsches Palais in Erlangen  

Album-Nr. er98 (Um 1910)

Wildensteinsches Palais

Erbaut 1722, vom 1.Okt.1889 bis 2.Juni 1946 Verbindungshaus der Stundentenverbindung Uttenruthia zu Erlangen. Heute beherbergt es die Volkshochschule. Zu sehen ist die Ecke Friedrichstr. 19 - Fahrstraße. Schräg gegenüber liegt das Wingolf-Haus.

 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Die Wahl am 12. November 1933

Die Erlanger "Hago" betrieb neben Pression auf ihre Zielgruppe Handel und Handwerk auch Wahlorganisation. Am 12. November 1933 stand die erste "Wahl" seit der Gleichschaltung an. Sie galt der Neubesetzung des Reichstags über eine nationalsozialistische Einheitsliste und war zugleich eine nachträgliche Volksabstimmung über Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund sowie aus der Genfer Abrüstungskonferenz. Hauptakteur bei der Mobilisierung möglichst aller "Wahl"-Beteiligten und der Gleichschaltung des Wählerwillens war in Erlangen die "Hago" (siehe oben). Ganze Betriebe, vom Direktor bis zum letzten Arbeiter mussten zu Kundgebungen erscheinen. Im voraus hatte die Hago-Kreisleitung durch eine Verfügung festgelegt, dass alle Innungen Erlangens mit ihren Innungsfahnen an den Veranstaltungen teilzunehmen hätten. Jedes Innungsmitglied musste sich in einer Anwesenheitsliste einschreiben. Vertrauensleute wachten darüber, dass sich niemand auf dem Weg zum Kundgebungssaal vorzeitig entfernte. "Nichtanwesende Mitglieder" werden als Saboteure gegen die neue Regierung betrachtet. Es verwundert also nicht, dass die Massenveranstaltungen stets überfüllt waren.

Mit dem Slogan "Die Häuserfronten müssen Anschlagtafeln gleichen" rief die "Hago" die Erlanger Hausbesitzer auf, alle Stockwerke mit Transparenten zu versehen. Beim Sitz der "Hago" in der Vierzigmannstr. 16 konnte Werbematerial, meist das Einheitsschild "Mit Adolf Hitler für Gleichberechtigung und Frieden, 'Ja!'" abgeholt werden. Sämtliche Kraftwagenbesitzer Erlangens mutete die "Hago" zu, ihre Autos der Wahlpropaganda rund zwei Wochen lang zur Verfügung zu stellen: "Kein Lastkraftwagen [...]soll [...] ohne ein Transparent durch die Straßen Erlangens [...] oder über Land fahren [...]. Das gleiche gilt auch für Privatwagen." Die Transparente musste man auch noch bezahlen. Erlangen bot in diesem Pseudo-Wahlkampf ein ungewohntes Bild. Die Stadt war zur totalen Plakatwand entstellt. Auf den Straßen zogen Schüler umher und veranstalteten unter der Leitung ihrer Lehrer Sprechchöre. Am Samstag vor der Wahl trat um 13 Uhr nach Sirenengeheul eine Schweigeminute mit völliger Verkehrs- und Arbeitsstille ein. Hitler begann in dieser Minute seine Rede vor den Berliner Siemensarbeitern, zugleich sollten die Gedanken an die Novemberrevolution vor 15 Jahren und an den Hitler-Putsch vor 10 Jahren zurückgehen. Die Hitler-Rede wurde über Rundfunk in die Erlanger Betriebe übertragen. Viele Erlanger hatten die Fenster geöffnet, damit die Passanten die Führerworte mithörten. Zur Streicher-Kundgebung auf dem Schlossplatz hatte der Kreispropagandaleiter Röckelein die "Gesamtbevölkerung" eingeladen.

Am Wahlsonntag selbst mahnten Trommelwirbel und Musik der SA zur "Wahl". Wo Wahlflaute herrschte, sorgte der Wahlhilfsdienst, vor allem die Sanitätskolonne, für den gewünschten Schwung. Bereits am Vormittag hatte der Großteil der Bevölkerung gewählt und nach getaner Pflicht sich die "Ja"-Plakette an die Kleidung gesteckt - ein Mittel zur Beeinflussung Unentschlossener und eine Kontrolle über den Wahlgang des einzelnen. Erlangen lag über dem Reichsdurchschnitt. Von 22467 Stimmberechtigten blieben nur 1100 der Wahl fern. Von den Wählern bekannten sich 20510 zu Hitlers Außenpolitik, dem schon vollzogenen Austritt aus dem Völkerbund und aus der Genfer Abrüstungskonferenz; 850 Wähler waren dagegen. 19648 Stimmen vereinigte die Einheitsliste der NSDAP für den Reichstag auf sich. 1720 Stimmen waren ungültig.
 
 
   
 
Studentenhaus Langemarckplatz Erlangen vor 1935  

Album-Nr. er91 (1933/35)

Studentenhaus

Das Studentenhaus am Langemarckplatz wurde 1929/30 erbaut (Grundsteinlegung war am 30. September 1929), für den Entwurf zeichnete der Münchner Architekt Carl Sattler (1877-1966) verantwortlich. Schnell etablierte es sich als kulturelles Zentrum, gerade in den ersten Jahren war der Festsaal Schauplatz zahlreicher Bälle und Veranstaltungen.

 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Völkische Kunst (I)

Mit Hitlers Machtergreifung begann auch die Umorientierung im Erlanger Kulturleben hin zur nationalsozialistischen Welt- und Kulturanschauung. Erster Höhepunkt war die Bücherverbrennung am 12. Mai 1933. Das Erlanger Bildungsbürgertum war jedoch zögerlich mit der Herausgabe von Werken mißliebiger Autoren, wie Kautsky, Marx, Liebknecht, Remarque, Heine, H. Mann, Hirschfeld, Feuchtwanger, Theodor Wolff und Georg Bernhard. es bedurfte eines zweiten Aufrufes des Studenten- und ASTA-Presseamtsleiter Wilhelm Höfer: "Der Bücherschrank soll nicht eine Kapitalanlage, sondern ein Schmuckstück eines jeden deutschen Eigenheimes sein." Die Erlanger Universitätsbuchhandlungen eröffneten, um weltanschauliche Orientierungshilfe zu geben, eine Sonderschau über das "deutsche" Schriftum. Unter Anteilnahme und dem Beifall der Bevölkerung und der Prominenz wurden etwa 1400 Bücher auf dem Schlossplatz dem Feuer übergeben.

Außer der Studentenschaft hatte sich verantwortlich an der Aktion der "Kampfbund für deutsche Kultur" beteiligt. Innerhalb dieser von Alfred Rosenberg ("Der Mythos des 20. Jahrhunderts") gegründeten Organisation konstituierte sich im Juli 1933 die Ortsgruppe Erlangen mit den Fachgruppen Musik, Deutsche Bühne, Bildende Kunst, Volksbildung, Heimatdienst, Hochschule und Wissenschaft und Deutsches Schriftum. Sie spannte den Gemeinnützigen Verein Erlangen für ihre Ziele ein. Der Vorsitzende des GVE, Geheimrat Prof. Dr. Fleischmann, schaltete den GVE mit den Zielen des "Kampfbundes" gleich. gemeinsam sollten alle Fachgruppen bestrebt sein, die "deutsche" Kultur zu heben. Dafür war eine Zentralstelle geplant, welche die kulturellen im voraus zu registrieren oder sogar zu organisieren hatte. Man bekannte sich zur Zensur. Am 9. Oktober 1934 wurde der Gemeinnützige Verein Erlangen GVE Teil der nationalsozialistischen "Kulturgemeinde". Am 17. September 1937 löste sich der GVE in der Organisation "Kraft durch Freude" auf. Nach dem Krieg wurde er 1945 wieder gegründet.
 
 
   
 

Album-Nr. er107 (1932)

Städtisches Altersheim

Die Errichtung des Städtischen Altersheimes in Erlangen ging wesentlich auf die Initiative des Sozialdemokraten Andreas Ruppenstein zurück und wurde 1932 auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise eingeweiht. Die Karte wurde im Dezember 1932 verschickt. Heute befindet sich in dem Gebäude die Diakonie am Ohnplatz.

  Erlangen Altersheim 1932
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Völkische Kunst (II)

Zusammen mit dem NS-Lehrerbund, der SA, der deutschen Arbeitsfront und der "Hago" (siehe oben) trat der Kampfbund für die Fortführung des Volksbildungsbundes ein. In Vorträgen aller Art sollte Erlangern über 20, die sich zur NS-Weltanschauung bekannten, Bildungsgut in volkstümlicher Weise vermittelt werden. Am beginn dieser stetigen kulturellen Umerziehung der Erlanger stand eine Ausstellung, die in ähnlicher Weise wie die Bücherverbrennung die Urheber "undeutscher" Kunst diskreditieren sollte. Seit die NSDAP die kommissarische Leitung der Städtischen Kunsthalle Mannheim innehatte, waren dort die in der Nachkriegszeit angekauften Gemälde unter dem Titel "Mannheimer Schreckenskammer" zusammengefasst und als Beispiele für "Auswüchse" und "Scheußlichkeiten" in andere Städte verschickt worden. Erlangens Bevölkerung konnte, um zwischen "aufbauenden" und "zersetzenden" Kräften in der Kunst unterscheiden zu lernen, Ende Juli 1933 diesen Vorläufer der Ausstellung "Entartete Kunst" (1937) in der Orangerie studieren. In Verruf waren schon damals Künstler wie Delaunay, Chagall, Nolde, Kirchner, Heckel, Rohlfs, Klee, Jawlensky, Schlemmer, Baumeister, Beckmann, Grosz und Dix geraten. Sie alle hätten sich blasphemisch am Geist Albrecht Dürers versündigt, hätten das Organische und Lebendige verleugnet, hieß es in einem Feuilleton.

Auch die Bergkirchweih musste eine nationalsozialistische Umorientierung erleiden. Sie wandelte sich vom Volksfest zum völkischen Fest mit Volkstänzen und Volksspielen. Zum "Schutz der nationalen Symbole" achteten SA- und SS-Streifen allerdings penibel darauf, dass kein Besucher der Bergkirchweih Uniform trug oder das Horst-Wessel- bzw. das Deutschland-Lied sang. Die peinlichkeit, dass sich die Erhabenheit nationalsozialistischer Würdenträger in Weinlaune oder Bierdunst auflösen könnte, wollten die neuen Machthaber nicht erleben.
 
 
   
 
Erlangen Elektrizitätswerk 1902  

Album-Nr. er114 (1902)

Elektrizitätswerk

Zu sehen sind die Essenbacher Brücke und das E-Werk. Der Siegeszug der Elektrizität begann für Erlangen zwar schon Pfingsten 1887 mit der elektrischen Beleuchtung des Erich-Bierkellers am Burgberg, doch der Beginn der allgemeinen Nutzung der neuen Energieform ist erst mit der Eröffnung des städtischen Elektrizitätswerkes auf der Fuchsenwiese auf den 28. Januar 1902 zu datieren.

 
     
 
  Erlangen Elektrizitätswerk 1902  
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Überwachung und Verfolgung

Bis zum 13. April 1937 sind 167 Schutzhaftmaßnahmen an Erlanger Bürgern bekannt. Als haftgründe galten zunächst die Mitgliedschaft bei der KPD, SPD, beim Reichsbanner, Gewerkschaftsbund, bei der Bayerwacht, der BVP, der Eisernen Front und beim Konsumverein. Später erstreckte sie die Verfolgung auf die unerlaubte Verbreitung von Schriften, geheime Versammlungen, regierungsfeindliche Äußerungen, Nichtabliefern von Militärwaffen, Kritik am Kreisleiter Groß oder an der NSDAP. Bis weit in den Zweiten Weltkrieg hinein veranstaltete die NSDAP in diversen Sälen Sprechabende, die dem Einschwören auf die Linie des "Führers" dienen sollte. Wollte man an solchen Sprechabenden, die durchaus vielbesucht waren, Kritik äußern, musste man seine Wort sehr sorgfältig wägen, ansonsten landete man schnell in Dachau. Als am 28. Juli 1933 im Saal "Goldener Löwe" ein Schreiner den plötzlichen Sinneswandel einer Kommunistin kritisierte, und es dann noch wagte den Kreisleiter Groß während der Erwiderung durch offenes Anblicken aus dem Redekonzept zu bringen, war dies schon Anlass genug für eine harte Bestrafungsaktion. Groß sorgte dafür, dass noch am selben Tag "der Volksschädling und Arbeiterfeind [...] in Polizeihaft genommen" und im KZ Dachau ein halbes Jahr lange gefangen gehalten wurde. Äußerte einer in seiner eigenen Wohnung: "Die Hitlerlumpen, die Mordbrenner, ihr Banditen, es kommt die Stunde der Rache noch", so wurde dies mit fünf Monaten KZ quittiert, Der Rucf "Rotfront" mit einem Monat KZ. Mißliebige Personen kamen wiederholt in Schutzhaft.

Bis zur Einnahme Erlangens am 16. April 1945 wurde auch in Erlangen jedes kleinste Vorkommnis aufgrund der "Verordnungen zum Schutze von Volk und Staat" und des "Gesetzes gegen heimtückische Angriffe auf Partei und Staat" observiert und meist der Bayerischen Politischen Polizei weitergemeldet. Als sich eines Samstagnachmittags 6 bis 8 Männer aus der Schenkstraße über den Exerzierplatz in Richtung Kreuzeiche begaben, vermutete die Polizei gleich eine geheime politische Zusammenkunft und beorderte Zivilstreifen mit fahrrädern an verdächtige Plätze am Stadtrand. Als in einem weiteren Fall ein Polizeibeamter außerhalb seiner Dienstzeit während eines Spaziergangs im Forstbezirk "Bierlach" 8 arbeitslose Männer aus Bruck antraf und einer konspirativen Zusammenkunft verdächtigte, wurde - obwohl sich laut Polizeinotiz eine hinreichende Entlastung bot - eine weitere Überwachung dieser Personen angeordnet. An einem verschwiegenen Örtchen in einem Lokal in der Südlichen Stadtmauerstraße stand an der Wand eines Tages folgendes Gedichtchen:

"Lieber Adolf sei bei uns zu Gast
und halt was Du versprochen hast.
Trotz Goebbels und Göring
fressen wir immer noch
Kartoffel und Hering."

Daraufhin verlangte die Kriminalpolizei von acht Gästen der Bierstube Schriftproben. Bei jeglichem Spott, Witz oder Kritik bezüglich der Partei, ihrer Politik und Personen, musste man gewärtig sein, dass man bei der Polizei denunziert wurde und in Schutzhaft kam.
 
 
   
 

Album-Nr. er20 (geschrieben 1912)

Nürnberger Tor

Erlangen konnte nur durch zwei Haupttore - das 1717 erbaute Nürnbergertor und das 1777 als Turm erbaute Bayreuther Tor - und durch vier Nebentore - Martinsbühler, Sieglitzhofer, Buckenhofer und Brucker Tor - betreten und verlassen werden. Die Nebentore nannte man 'Gatter', weil sie bloß eine Öffnung in der Stadtmauer waren, und mit einer Schranke geschlossen wurden. An den Stadttoren standen 'Examinatoren-Häuschen". Die Examinatoren erhoben den Pflasterzoll und das Sperrgeld.

  Nürnberger Tor
 
     
 

Im Jahr 1869 brachten 14 607 Frachtwagen und 17 728 sonstige Wagen, Schubkarren und Schlitten insgesamt 4400 Gulden in die Stadtkasse. Eine Maß Bier kostete zu dieser Zeit auf der Bergkerwa 5 bis 6 Kreuzer. Für einen Gulden zu 60 Kreuzer bekam man also 10 Maß Bier. Nach heutigem Preis sind das 100 Euro. Die 4400 Gulden entsprechen demnach etwa 440 000 Euro.

Die Stadttore waren zwischen 10 Uhr abends und 4 Uhr bzw. 5 Uhr früh sowie an Sonn- und Feiertagen während der Dauer des Frühgottesdienstes geschlossen. Wer während der Schließzeiten in die Stadt wollte musste 'Sperrgeld' bezahlen, pro Person zu Fuß 1 Kreuzer, pro Reiter 2 und pro Kutsche oder Gespann 4 Kreuzer.

Das Bayreuther Tor (Torturm) bildete den Abschluss der Hauptstraße zum Martin-Luther-Platz. Wegen erhöhten Verkehraufkommen wurde es 1865 abgerissen. Im Jahr 1868 wurden das 'Schwarze' und das Buckenhofer Tor, 1869 das Martinsbühler Tor, abgerissen. Die Examinatoren-Häuschen allerdings blieben.

 
   
 
Erlangen, Nürnberger Tor 1938
 
  Album-Nr. er137  
 
Die ungebrauchte Ansichtskarte mit dem Blick durchs Nürnberger Tor gen Norden in die Adolf-Hitler-Straße (Hauptstraße) ist rückseitig mit 6.VII.38 datiert. Rechts sieht man durch das Tor das Schaufenster des Fotogeschäfts von Simon Katz. Es wurde in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1936 vom Mob geplündert und zerstört. Am Morgen danach erschien manch Schüler aus gutbürgerlicher Familie mit nagelneuem Fotoapparat in der Schule und brüstete sich mit seiner "Erwerbung".
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Mord in Gaiganz

Am 26. Mai 1933 wurde in Gaiganz (Fränkische Schweiz) ein 24jähriger Nationalsozialist ermordet. Unter Verdacht der Täter- oder Mittäterschaft kamen aus dem Dorf rund zwanzig Angehörige der ehemaligen Bayernwacht/Bayerische Volkspartei in Haft. Als Mörder entlarvte man ziemlich rasch einen Gaiganzer Dienstknecht. Der Fall erhielt seine politische Brisanz dadurch, dass die Bevölkerung von Gaiganz durchweg der vom Verbot bedrohten Bayerischen Volkspartei anhing, während der Ermordete sich als SA-Mann innerhalb der Dorfgemeinschaft völlig isoliert hatte. Es lag also nahe, die Tat als politischen Mord zu werten. Obwohl bei dem geistig unbeweglichen, gemütsarmen Täter Eifersuchtsmotive und Wahnvorstellungen nicht auszuschließen waren, verurteilte ihn ein Bamberger Gericht wegen politischer Mordtat zum Tode und ließ ihn im Hof des Ebracher Zuchthauses hinrichten.

Erlangen Nationalsozialisten versetzte die vermutete politische Komponente bei dem Verbrechen sofort in Aufregung und Marschbereitschaft. So erließ der Erlanger SA-Sturmbann I/21 den Aufruf: "Die SA der gesamten Umgebung von Gaiganz marschiert auf, um versteckten Feinden zu zeigen, dass weitere Mordtaten unterbunden werden können [...] Die Zeit für rot-schwarze Mörderbanden ist endgültig vorbei." Am Tage der Beerdigung des Opfers überfluteten allein aus Erlangen 1300 Mitglieder der "braunen Kolonnen", der NS-Frauenschaft und des BDM den kleinen Ort. Effeltrich, drei Kilometer entfernt, wurde zum Mammut-Parkplatz. Eine vieltausenköpfige Menge aus dem Umland war erschienen. Der 2. Bürgermeister von Bamberg, Standartenführer Zahneisen, enthüllte den Zweck der Massendemonstration: "Und ihr von Gaiganz, die ihr vielleicht heute erkennt, was Nationalsozialismus ist [...], vielleicht ist der große Sinn dieses ungeheuren Geschicks, dass auch eure geblendete Gemeinde überzeugt werde von der tiefen Religiosität und der tiefen Vaterlandsliebe, die in uns allen wohnt." So verstanden es auch die Erlanger, von deren Gruppen einzelne Vertreter Ansprachen hielten und Kränze niederlegten. Dass sie als fortschrittliche Städter ein rückständiges Dorf Mores zu lehren hätten.

Die gemeinsame Übermacht am Tage der Beerdigung mochte auf die Gaiganzer einschüchternd wirken, aber zur "Bekehrung" reichte es nicht. Über Gebühr nahm das kleine Dorf die Aufmerksamkeit Erlangens weiter in Anspruch. Als getreu der nationalsozialistischen Maxime, sich gerade in feindselig eingestellten Kreisen trotzig zu behaupten, in Gaiganz zum Gedächtnis an die Mordtat ein Denkmal und ein Grabstein durch Kultusminister Schemm und SA-Stabschef Röhm eingeweiht wurden - eineinhalb Monate später ermordeten SS-Leute auf Hitlers Befehl den Stabschef Röhm -, da dauerte es nur wenige Tage, bis Unbekannte beide Gedenkstätten beschädigten und damit bewiesen, wie geringen Eindruck der nachbarliche Erlanger Kraftakt hinterlassen hatte.
 
 
   
 
Prinz Ludwigbrücke  

Album-Nr. er19 (geschrieben 1913)

Prinz Ludwigbrücke

Die Ludwigsbrücke entstand 1906/07 zeitgleich mit der Palmsanlage. Errichtet wurde sie zu Ehren von Prinz Ludwig, dem späteren König Ludwig III. Südlich der Brücke schloss sich eine Denkmalanlage an. Zum neobarocken Ensemble gehörten ein Bronzerelief des Prinzen und eine Brunnenschale mit bronzenen, wasserspeienden Löwenköpfen. Die Metallteile wurden 1940 während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen. 1954 erfuhr die Anlage eine grundlegende Umgestaltung, und der Brunnen wurde entfernt. Die letzten Überreste wurden 1996 abgebrochen.
 
   
 
  Erlangen Ludwigsbrücke, Palmsanlage, Burgberg  
     
  Album-Nr. er101 (um 1915) Ludwigsbrücke, Palmsanlage, Burgberg  
   
  Erlangen, Prinz-Ludwig-Brücke  
     
  Album-Nr. er144  
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Nürnberger Parteitage

An den Reichsparteitagen geriet Erlangen jeweils ganz in den Bann des sonst so beargwöhnten Nürnberg. Erlangen wurde Quartiergeber. Am 5. Reichsparteitag, vom 30. August bis zum 3. September 1933, der erste seit der Machtergreifung und deswegen "Parteitag des Sieges" genannt, beherbergte Erlangen mindestens 6000 Parteitagsbesucher. Für 1934 plante man die Unterbringung von 15000 Parteigenossen, darunter das Reichssymphonieorchester. Das bedeutete über fünf Tage eine Zunahme der Schlafstellen von fast 50 %. Zu bieten hatte Erlangen sonst nicht viel: Das Museum über die Freimaurerei, für das sich einzelne Prominente schon einmal herüber bemühten, und dieses oder jenes Lokal mit studentischem Kolorit (z.B. die Oppelei), wo Ministerpräsident Göring, Reichsbauernführer Darré, Admiral Raeder oder der Führer der Arbeuitsfront Ley speisten. Die alte Erlanger Freimaurerloge "Libanon zu den drei Zedern" war am 4. Juli 1933 durch SA und SS besetzt worden. Nach der Besetzung veranstaltete die Presse- und Propagandastelle der NSDAP Führungen durch das Gebäude, bis der Erlanger Heimatforscher Dr. Dennerlein es auf Anregung der NSDAP als Museum zur Aufklärung gegen die Freimaurerei einrichtete. Damit wurde es eine "Attraktion" für die Besucher der Reichsparteitage. Im Krieg wurde die Lebensmittelkartenstelle dort untergebracht.

Erlangens Einwohnerschaft spielte die Rolle des Zaungastes, verfolgte von der marloffsteiner Höhe oder auf der Nürnberger Zeppelinwiese "das größte Feuerwerk der Welt" und die geschäftsleute freuten sich über den gesteigerten Umsatz. Um den in Hotels und Privatunterkünften einquartierten Amtswaltern und den in Massenquartieren der Erlanger Schulgebäude untergebrachten sonstigen Parteitagsbesuchern Gelegenheit zu abendlich-näxchtlicher Bewirtung zu verschaffen, war die polizeistunde bis drei Uhr morgens verlängert. Für die Nazis waren die Parteitage nicht nur eine Zeit der "festlichen Aufmärsche", der Stunden "voll tiefer Feierlichkeit und hehrer Begeisterung". Die reichsparteitage dienten auch, ähnlich wie die Urlaubsaktionen "Kraft durch Freude", als Härtetest bei der Verschiebung großer Menschenmassen. 1933 hatte der Erlanger Bahnhof innerhalb einer Woche 85 Sonderzüge zu verkraften, 41 davon wurden in Wartepositionen zurückgeschleust, die bis Bamberg und Haßfurt reichten. Einbußen erlitt dabei der Güterzugslaufplan, während alle 32 planmäßigen Reisezüge abgefertigt werden konnten. Nur sechs Jahre später lieferten solche Erfahrungen die Voraussetzungen für den Einsatz und die Verschiebung großer Truppenverbände und danach für die Massendeportationen von Juden. Die neugesetzte Tradition "der Versammlung eines ganzen Volkes", die "nicht wieder abreißen" sollte, fand in der Kriegszeit als nutzlose Heerschau keine Fortsetzung.
 
 
   
 
Album-Nr. er23

Villen am Eichenwald

Die Villa im Vordergrund ist Rathsberger Straße 22. Die Villen kann man sich bei Google anschauen.

geschrieben 1902

  Villen am Eichenwald
 
   
  Erlangen, Villen beim Eichenwald 1910  
  Album-Nr. er166 (1910)  
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Kirche (I)

Die Kirchen in Erlangen und anderswo hatten 1933 in ihren deutschnationalen Überzeugungen der Pfarrer und Theologen noch keinen Blick für die Andersartigkeit, Neuartigkeit, Gefährlichkeit des Nationalsozialismus in sseiner deutschnationalen Verkleidung. Die Erlanger Kirchgänger haben ihren Augen nicht getraut als die SA "im braunen Ehrenkleid", die SS, die HJ und der "Stahlhelm" am 1. Mai 1933 mit Sturmbanner und unter klingendem Spiel vor der Altstädter Kirche und vor St. Bonifaz zum Kirchgang antraten. Hitlers Werben um die christlichen Konfessionen begann.

Die Nationalsozialisten hatten den 1. Mai , den Tag der Arbeit, zu einem allgemeinen Feiertag gemacht. Staftpfarrer Dorn würdigte dann auch im Gottesdienst den Ehrentag der Arbeit gebührend. Die arbeitslosigkeit deutete er als Folge der Vergötzung von Maschine und Arbeitsfleiß. Dem religiösen Erretter Luther stellte er den nationalen Erretter Hitler an die Seite. Dann weihte er die fahnen der neuen nationalsozialistischen Betriebszellen- Organisationen. Kaplan Lang würdigte die große Tat einer neuen Regierung, die den sittlichen Imperativ zur Arbeit gesetzt habe. Die Abkehr vom Marxismus habe die Gesichter der Menschen freundlich gemacht. Nicht der Schwindel von Internationale und Völkerfrieden helfe, sondern nur die eigene Kraft. Das Schicksal des Vaterlandes gehe vor, selbst wenn das eigene dabei zerbrechen sollte. Darum müsse die Jugend Zucht und Disziplin lernen. Die Angst vor "Bolschwismus" und "Leninismus" war Ende 1932 und Anfang 1933 sowohl im Katholischen als auch im Evangelischen Arbeiterverein Erlangens durch zwei Pfarrer bestärkt worden. Differenzen zwischen Staat und Kirche brachen im Jahr 1933 noch nicht auf. Bei der Kirchenvisitation im Mai beschrieb Oberkirchenrat Rüdel mit den Worten: "Unser Volk unter der Leitung eines ihm von Gott gesendeten Führers," nicht nur das innige Verhältnis von Kirche und Staat, sondern auch Heilsgeschichte.

Im Zuge der Gleichschaltung bemächtigte sich die NSDAP der Kirchenvorstände, indem sie verlangte, zwei Drittel der Kandidaten müssten nationalsozialisten sein. Die Reformierte Gemeinde Erlangens blieb, da noch nicht in die Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche eingegliedert, von dieser bestimmung verschont. Die Vorschlagslisten gingen durch, die NS-Kirchenvorstände zogen in der braunen Uniform in die Gotteshäuser ein.



Anmerkung:
Im Jahr 1932 gründeten protestantische Nazis die Glaubensbewegung "Deutsche Christen". Geführt wurde die Bewegung von Ludwig Müller, Kaplan im ostpreußischen Militärdienst und ein Günstling Hitlers. Die "Deutschen Christen" unterstützten die Vorstellungen der Nationalsozialisten von Rasse und Führerschaft. Ziel der "Deutschen Christen" war eine einheitliche "Reichskirche". Im Reich gab es 29 unabhängige Lutherische und Reformierte Kirchen, hinzukamen verschiedene Freie Kirchen wie Methodisten und Baptisten. Immer mehr von ihnen schlossen sich den "Deutschen Christen" an. Im Juli 1933 entwarfen die "Deutschen Christen" eine Verfassung für die "Reichskirche", die am 14. Juli 1933 vom Reichstag gebilligt wurde. Damit war die Reichskirche gegründet und die Grundlage für die Gleichschaltung der Lutherischen, Reformierten und Freien Kirchen schien gelegt. Erster Reichsbischof wurde Ludwig Müller.

 
 
   
 
Erlangen Rathsbergerstr. 30 Villa Kübler  

Album-Nr. er119 (1913)

Villa Kübler
Rathsbergerstr. 30


Diese Karte schrieb am 26. Dezember 1913 Prof. Dr. Bernhard Kübler an seinen "Verehrten Kollegen" Prof. Dr. Zaiac in Lemberg (Lwiw), damals Polen, heute Ukraine.

Bernhard Kübler (* 4. Juli 1859 in Krotoschin; † 12. Mai 1940 in Erlangen) war ein deutscher Klassischer Philologe und Rechtshistoriker.

 
     
 
aus Wikipedia:

Bernhard Kübler war der Sohn des Gymnasiallehrers Otto Kübler (1827–1912), der ab 1860 als Rektor des Wilhelms-Gymnasiums nach Berlin ging.

Nach der Reifeprüfung (1876) studierte Kübler an der Berliner Universität Klassische Philologie. 1881 wurde er mit der Dissertation De M. Valerii Probi Berytii commentariis Vergilianis zum Dr. phil. promoviert. Anschließend unternahm er eine längere Bildungsreise und war einige Zeit Hauslehrer auf Sizilien.

 
 
     
 
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er ab 1884 als Gymnasiallehrer in Berlin. 1889 wurde er Hauslehrer des Söhne des Prinzen Albrecht von Preußen. Ab 1895 war er Lehrer am Askanischen Gymnasium. Daneben verfolgte er weiterhin seine akademische Laufbahn. Nach seiner Habilitation für Klassische Philologie (1891) hielt er als Privatdozent an der Universität philologische Lehrveranstaltungen ab.

Ab 1887 war Kübler an der Preußischen Akademie der Wissenschaften beschäftigt. Im Auftrag von Theodor Mommsen gab er das von der Savigny-Stiftung in Auftrag gegebene Vocabularium Iurisprudentiae Romanae heraus, das sein Lebenswerk wurde. Den ersten Band (1903) bearbeiteten neben Kübler auch Otto Gradenwitz und Ernst Theodor Schulze, die weiteren bearbeitete Kübler allein.

Im Verlauf der Arbeit am Vocabularium entwickelte sich Kübler zum Spezialisten für römisches Recht und erhielt auf Mommsens Initiative die juristische Ehrendoktorwürde der Universität Greifswald. So kam es auch, dass er schließlich den Schuldienst verlassen konnte.
 

1900 wurde er an der Universität Berlin zum außerordentlichen Professor für römisches Recht ernannt. Im folgenden Jahr erhielt er einen ordentlichen Lehrstuhl dieses Faches und war damit nicht mehr von seinem Gehalt als Gymnasiallehrer abhängig.

1912 verließ Kübler Berlin und ging als Professor für römisches und bürgerliches Recht an die Universität Erlangen. Von 1914 bis 1916 nahm er am Ersten Weltkrieg teil. In den akademischen Jahren 1916/1917 und 1917/1918 fungierte er als Prorektor der Universität. Seine Lehrtätigkeit führte er bis nach seiner Emeritierung (1934) weiter.

Kübler war als Philologe und Rechtshistoriker international anerkannt. Er war juristischer Ehrendoktor der Universitäten von Greifswald, Athen und Thessaloniki und korrespondierendes Mitglied verschiedener gelehrter Gesellschaften, so der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen (seit 1931), der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (seit 1934) und der Preußischen Akademie der Wissenschaften (seit dem 21. November 1935).
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Kirche (II)

Über die "braunen" Kirchenvorstände suchte die NSDAP auch die evangelischen und katolischen Kirchen in die Pflicht propagandistischen Dienstes für den NS-Führerstaat zu nehmen. So ordnete die Reichskirchenleitung, fest in der Hand der "Deutschen Christen", an am 13. November 1933 alle. Glocken "zum Zeichen des Dankes für das einigende Ergebnis der Volksabstimmung für Ehre und Sicherheit des vaterlandes" zu läuten. So sehr die Kirchen nach der Machtergreifung der als nationale Erneuerung missverstandenen Entwicklung zustimmten, so klar gingenselbst nationalkonservative Theologen wie Prof. Althaus aus Erlangen auf Distanz, sobald mit dem "deutschen Christentum" und dem geplanten Zusammenschluss der evangelischen Landeskirchen zur Reichskirche der weltanschauliche und organisatorische Würgegriff des totalitären Staates spürbar wurde, Im Mai sprach als Vertreter der "Deutschen Christen" Pfarrer Kessel aus Berlin-Spandau im Redoutensaal vor Studenten und Theologen über das "Deutsche Christentum". Es sei eine vordergründige, verwaltungsmäßige Angegelegenheit; 29 Landeskirchen seien unter zentraler Leitung zu vereinigen. Er machte klar, dass das Glaubensleben massive Eingriffe werde hinnehmen müssen. Unter dem unklaren Begriff dfes "positiven Christentums" sollte jedem einzelnen in Verantwortung vor Gott überlassen sein, was er glauben wolle. Andere Wissenschaften neben der Theologie hätten Größeres im Dienste des Schöpfers zu lösen. Für die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche sei insofern eine neue Regelung zu treffen, als die Konversion von Juden in die äußere Mission gehöre und getaufte Juden nicht unter die Gemeinschaft christlicher Deutscher zu rechnen sei. Sie sollten eigene juden-christliche Gemeinden bilden. Es war dieser ant-intellektuelle Aspekt gegenüber den Theologen, der selbst so entschiedene Befürworter von Nationalismus und Nationalsozialismus wie Kreisdekan Oberkirchenrat Dr. Rüdel oder Vikar Putz, "Bubenreuther" Burschenschafter, vom ""Deutschen Christentum" vorsichtig abrücken ließen.

Prof. Dr. Ulmer bezeichnete das Streben nach Macht, das Bevorzugen der Rasse vor dem Gewissen als Gefahr aus "Deutschem Christentum". Entschiedener äußerte sich der nationalkonservative Prof. Althaus, der den Begriff "Volk" als Werte-Begriff "erfunden" hatte: "Wenn die Kirche in Judendingen nur nachspreche, was die nationale Bewegung sagt, dann werde die nationale Regierung den letzten Respekt vor der Kirche verlieren [...] Eines müsse gesagt werden: Es gehe unter gar keinen Umständen an, dass man Glieder ausstoße, mit denen man 40 oder 50 Jahre am Abendmahltisch gesessen habe." Vier Monate später im Juli stellt Althaus in einem Gutachten zum "Arierparagraphen" im Beamtenrecht fest, dass er "Zurückhaltung der Judenchristen von den Ämtern" für nötig erachte. Die evangelischen Pfarrer waren dienstrechtlich Staatsbeamte, deswegen galt für sie der "Arierparagraph", der besagte, das Beamte "jüdischer Rasse" aus dem Dienst zu entfernen seien. War das eine Bejahung des Nationalsozialismus oder entsprang diese Stellungnahme der Verantwortlichkeit in gehobenen Amt?

Noch 1933 äußerte sich Althaus öffentlich zur Frage der Rassenpflege, der Eugenik. In Vorträgen, etwa vor dem Ärztlichen Bezirksverein Erlangen, war die Rede von der Ausrottung der Nachkommenschaft Minderwertiger durch Sterilisation und durch Eheverbot zwischen Juden und Deutschen. Da wurde über die Vernichtung Geisteskranker räsoniert und über die Unterhaltskosten, wenn sie am Leben blieben. Althaus lehnte diese Sichtweise des Lebens strikt ab. Die Verantwortlichkeit gegenüber dem Schöpfer lasse es nicht zu, die Frage nach dem Sinn des Lebens wegzuschieben. Nicht vom Wert, sondern von der Würde des Lebens sei zu sprechen, gerade da, wo Krankheit und Schwachheit vorherrschten. Christliches Denken glaube an den Sinn der Krankheit und des verfallenden Lebens; auch aus dem Leiden erwachse Lebenstüchtigkeit. "Wir verletzen die Majestät Gottes, wenn wir das Leben absolut fassen." Hier liege der entscheidende Grund für die Ablehnung der Vernichtung "unwerten" Lebens.
 
 
   
 
Prinzregent Luitpold Schulhaus  

Album-Nr. er15 (geschrieben 1911)

Prinzregent-Luitpold-Schulhaus
(Christian-Ernst-Gymnasium CEG)

Sowohl das CEG als auch das MTG gehen zurück auf das 1873 gegründete Vömel’sche Privattöchterinstitut (ab 1887 unter dem Namen Städtische höhere Töchterschule) und die 1904 gegründete Lehrerinnenbildungsanstalt, die an die Töchterschule angegliedert war. Beide Schulen waren unter dem Titel Städtische höhere weibliche Bildungsanstalt zusammengefasst. Das Luitpold-Schulhaus wurde 1902 erbaut und beherbergte zunächst eine Volksschule.

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Der Nationsozialismus in Erlangen - Kirche (III)

Bei grundsätzlicher Zustimmung zum Nationalsozialismus hatten die Erlanger Theologen, wie die meisten deutschen Theologen, Vorbehalte gegen die "Deutschen Christen". Am 13. November 1933 gab es eine Veranstaltung der "Deutschen Christen" im Sportpalast in Berlin. In seiner Rede schlug der Führer der "Deutschen Christen" in Berlin Dr. Reinhold Krause vor, das Alte Testament als "jüdisch" zu verwerfen und aufzugeben. Außerdem forderte er, die Kirche solle die Prinzipien der NSDAP einschließlich des Eides auf Adolf Hitler übernehmen und konvertierte Juden aus der Kirche ausschließen. Unter den Protestanten brach ein Proteststurm ohnegleichen los, so dass reichsbischof Müller gezwungen war Dr. Krause zu suspendieren.

Eine Minderheit in der evangelischen Pastorenschaft fing an sich Ende 1933 von der Reichskirche zu distanzieren. Anfang 1934 gründete Pastor Martin Niemöller aus Berlin, im Ersten Weltkrieg U-Boot-Kommandant und anfänglich optimistisch was Hitler anbelangte, die "Bekennende Kirche". Im Mai 1934 erklärte sich die "Bekennende Kirche" zur einzigen legitimen Protestantischen Kirche in Deutschland. Die Reaktion des Nazi-Regimes war brutal. Überall in Deutschland wurden Kopien der Erklärung beschlagnahmt und jene, die sie besaßen, wanderten in die Konzentrationslager. Bis Ende 1935 saßen hunderte Pastoren der evangelischen Kirche im KZ. Niemöller selbst kam 1937 dorthin und kam erst am Kriegsende wieder frei. Die Mehrheit der evangelischen Pastoren unterstützte aber den Terror und schwor den Eid auf Adolf Hitler.

In Erlangen hatte sich 1934 der Tenor der Predigten grundlegend geändert. Die Geistlichkeit hier scherte aus den Reihen der Ja-Sager aus. Die Reformationsfeier 1934 im überfüllten Redoutensaal galt der "Stärkung und Vertiefung des evangelischen Gemeindelebens", was Pfarrer Dorfmüller mit den Worten "Möge sich das deutsche Volk von niemand die Bibel aus der Hand schlagen lassen" unterstrich. Mit den Gemeindliedern "Das Wort sie sollen lassen stahn" und "Erhalt uns, Herr bei deinem Wort" bekannten sich die Versammelten zur Einheit von Altem (jüdischem) und Neuem Testament. Ab 1934 standen die Erlanger Pastoren und auch immer wieder Gottesdienste unter polizeilicher Beobachtung, da sie vorsichtige Anhänger der "Bekennenden Kirche" waren. Erlangen war aber keine Keimzelle kirchlichen Widerstands, obwohl es dem Niveau und Ansehen seiner Theologen nach die Voraussetzungen dazu gehabt hätte. Oppostion aus kirchlicher Sicht war in Erlangen eine Frage des Freihaltens geistlicher Inhalte. Man verteidigte sich aus einer Trotzhaltung und mit einem Nicht-ganz-dafür- und einem Nicht-ganz-dagegen-Sein. Doch zum Märtyrer wollte sich keiner der Erlanger Pastoren oder Theologen machen.
 
 
   
 

Album-Nr. er17 (geschrieben 1917)

Städtische Höhere Töchterschule
(Marie-Theres-Gymnasium MTG)

Die Höhere Töchterschule hatte ihr Schulhaus in der Friedrichstr. 35 (heute die Städtische Sing- und Musikschule). 1904 wurde die neugegründete Lehrerinnenbildungsanstalt an die Höhere Töchterschule angegliedert und bis 1914 unter dem Titel 'Städtische höhere weibliche Bildungsanstalt' zusammengefasst. Im Jahr 1909 konnte die Höhere Töchterschule in das neue Gebäude in der Schillerstraße umziehen. Die Lehrerinnenbildungsanstalt blieb in den Räumen des Luitpold-Schulhauses

  Städtische Höhere Töchterschule (Marie Therese Gymnasium)
 
   
 
Marie-Therese-Gymnasium (früher Höhere Töchterschule) Erlangen 1910  
Album-Nr. er102 (1910)

und in der heutigen Musikschule in der Friedrichstraße, welches noch bis nach dem 2. Weltkrieg als Nebengebäude genutzt wurde. 1914 wurde das nunmehrige Mädchenlyzeum anlässlich eines angekündigten Besuchs des bayrischen Königspaares in Marie-Therese-Schule zu Ehren von Marie Therese von Österreich-Este, der Gemahlin von König Ludwig III. von Bayern, umbenannt. 1935/36 wurde die Lehrerinnenbildungsanstalt in eine deutsche Aufbauschule umgewandelt, deren Ziel nicht mehr in der Lehrerausbildung lag, sondern die Hochschulreife vermitteln sollte, die
 
     
 
fortan Voraussetzung zum Besuch von neu geschaffenen Hochschulen für Lehrerbildung war.

1945/46 wurde die deutsche Aufbauschule wieder in eine Lehrerinnenbildungsanstalt alter Prägung zurückverwandelt, der Not der Zeit gehorchend wurden nun aber auch Jungen aufgenommen. Gleichzeitig machte man die Oberschule für Mädchen (das ehemalige Mädchenlyzeum) zu einer Oberrealschule, 1949 zu einem Realgymnasium. Die Lehrerbildungsanstalt wurde schon 1949 wieder zu einer höheren Schule. Ab 1950 war auch das Realgymnasium für Schüler beiderlei Geschlechts erlaubt. Die Lehrerbildungsanstalt wurde 1954 in das Staatliche Deutsche Gymnasium und Institut für Lehrerbildung erweitert und umbenannt. 1955 vergrößerte man das Schulhaus nach Osten um einen zweiflügeligen Erweiterungsbau. Zum 1. September 1956 zog das Lehrerbildungsinstitut, vereint mit der Lehrerbildungsanstalt Schwabach, nach Nürnberg um; übrig blieb neben dem städtischen Realgymnasium (MTG) das nur ein Viertel so große staatliche Deutsche Gymnasium. 1963 wurden die beiden Schulen getrennt, das Deutsche Gymnasium zog als musisches Gymnasium in den Ostflügel des ehemaligen Prinzregentenschulhaus am Langemarckplatz (heute Christian-Ernst-Gymnasium; benannt zu Ehren des Markgrafen Christian Ernst von Bayreuth, Gründer der Erlanger Neustadt), das Realgymnasium blieb allein im Schulhaus in der Schillerstraße.
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Vorbereitungen zum Krieg

Am 21. Juli 1934 wurde Erlangen längs der Nürnberger, der Adolf-Hitler- (Haupt-) und der Bayreuther Straße in zwei Teile gerissen. Die genannten Straßen waren für den querenden Verkehr gesperrt; nur eine Notbrücke an der Nordseite des Nürnberger Tores erlaubte eine Verbindung für Fußgänger zwischen Ost und West. Das Recht der Querung genoss nur die Sekundärbahn nach Gräfenberg. Die ganze Unternehmung diente der Dauerprüfungsfahrt "2000 km durch Deutschland". Start und Ziel für Kraftwagen war Baden-Baden, für Motorräder Leipzig. Die Strecken mussten mit 84 Studenkilometern im Durchschnitt bewältigt werden. Das scheinbar sportliche Ereignis hatte unübersehbar eine militärische Komponente, da es nicht auf einer eng begrenzten Rennstrecke, sondern reichsweit stattfand und wichtige Daten über die Straßenverbindungen des Deutschen Reiches lieferte.

"Achtung! Feindliche Flieger über Erlangen!" mit dieser Schlagzeile erschreckte das Erlanger Tagblatt am 19. September 1933 die Erlanger Bevölkerung. Der Begleittext hob Deutschlands Wehrlosigkeit gegenüber Angriffen feindlicher Flugzeuge hervor. Im August hatte die Kampagne der NSDAP in Erlangen für den Luftschutz begoonen. Der "automobile" Mannschaftswagen der Erlanger Freiwilligen Feuerwehr fuhr durch die Straßen mit Pappwänden verkleidet, auf der Rückwand die Abbildung eines Bombenabwurfs und dazu die Parole "Fliegerangriff darum Luftschutz". Von 1933 ab bis zum Krieg fanden in den einzelnen Stadtteilen Jahr für Jahr immer wieder Verdunkelungs- und Luftschutzübungen statt.

Erlangen Luftschutz-lehrgang 1933

Oben und unten Amateurfotos vom ersten Luftschutz-Lehrgang in Erlangen 1933

Erlangen Luftschutz-Lehrgang 1933

Auf Sirenensignale hin waren die Straßen von Personen und Fahrzeugen zu räumen, die Straßenbeleuchtung abzuschalten, die Gebäude zu verdunkeln und Bereitschaftsfahrzeuge abzublenden.

Das Sturmbann-Sportfest im Oktober 1933 enthielte die Wettkampfdisziplinen, Erklettern einer Bretterwand, Kriechen, Keulenweit- und -zielwurf. Das waren kaum verhüllte Ersatzübungen für Häusersturm, Robben und Handgranatenwurf. Nach dem Tod des Reichspräsidenten Hindenburg wurden, wie im übrigen Reich, die Truppen des Standorts Erlangen neu vereidigt. Im Beisein zweier Geistlicher hörten viele Tausende die Aufforderung: "So erheben Sie Ihre Herzen zu Gott und Ihre Rechte zum Himmel und sprechen: 'Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, mein Leben einzusetzen.'"

 
 
   
  Erlangen, Volksschule und Feuerwehrübung 1904  
     
 
Album-Nr. er122 Volksschule
 
     
 
Wo ist das ?

Wenn Sie ein aufmerksamer Spaziergänger durch Erlangen sind, werden Sie das Eckhaus links erkennen. Es ist das Eckhaus Universitätsstraße - Halbmondstraße. Die Volksschule und das Denkmal von Jakob Herz davor stehen nicht mehr. Dort befindet sich die Hauptstelle der Sparkasse. Die Feuerwehrübung findet am Hugenottenplatz statt.

Im Jahr 1815 erwarb die Stadt das ehemals Buirettsche Palais am Holzmarkt (später Luitpoldplatz, heute Hugenottenplatz) und baute es zum Schulhaus um.

- 1690 erhielt Buirette v. Oehlefeld die Erlaubnis, ein Brauhaus in der Neustadt zu errichten. So entstand auf einem der besten Bauplätze der Neustadt, östlich angrenzend an das Buirettsche Palais am Hugenottenplatz ein mächtiger Brauereikomplex. Auf dem Gelände der Brauerei (später Reifbräu) steht heute der Altbau der Universitätsbibliothek. -

Die Stadt richtete dort die französisch-reformierte Werktagsschule ein. Diese wurde am 30. April 1817 aufgehoben, und die 16 Schüler und Schülerinnen wurden den protestantischen Klassen der seit dem 1. Mai 1817 neu errichteten städtischen Volksschule zugeteilt. Hier unterrichtete nicht mehr ein Lehrer (vielleicht mit einem gehilfen) alle Schüler eines Kirchsprengels mit- oder nacheinander. Die 6- bis 12jährigen wurden jetzt vielmehr in Mädchen und Knabenklassen und diese wiederum in Elementarklassen, Mittel- und Oberklassen eingeteilt. Die katholische Schule blieb als einklassige Konfessionsschule bestehen. Sie wurde ebenfalls im Haus am Holzmarkt untergebracht. Die zwei Klassen der Altstädter Kinder gingen in ihr altes Schulhaus zurück.

Die 24 Wochenstunden waren wie folgt aufgeteilt: 6 Stunden Lesen, 4 Stunden "Dictando", 4 Stunden Tafelrechnen, 4 Stunden Schönschreiben, 2 Stunden Kopfrechnen, je 1 Stunde Geschichte und Geographie sowie 2 Stunden Religionslehre, wozu für Mädchen noch Nähen und Stricken kam.

Die Klassenstärken im 19. Jahrhundert lagen in Erlangen zwischen 70 und 100 SchülerInnen. Mit dem Übertritt der Dreizehnjährigen ins berufsleben erfolgte der Übertritt in die Sonntagsschule. Ihr besuch war bis zum 18. Lebensjahr ebenfalls Pflicht. Sie fand an Sonn- und feiertagen von 14 bis 16 Uhr statt und sollte neben einer Fortführung der Christenlehre eine Art Wiederholung der Lehrstoffe bieten. Ohne den Entlassschein der Sonntagsschule konnte man kein Grundstück übernehmen und auch nicht heiraten.

 
Wer oder was ist das Steiger-Corps?

Die Ansichtskarte wurde am 6. August 1904 anläßlich des Feuerwehrfestes versendet.

"Vom Feuerwehrfest sendet Gruß / Gut Heil! C. Köber" und weitere Unterschriften. C. Köber dürfte Carl Köber heißen. Er war 1912 Adjutant der 2. Feuerwehr-Kompagnie in Erlangen. Auch die weiteren Unterschriften sind wahrscheinlich von Mitgliedern der Erlanger Freiwilligen Feuerwehr.

Sie war 1912 wie folgt organisiert (Zitat feuerwehr-erlangen.de):

"Die Freiwillige Feuerwehr setzt sich aus 2 Kompagien zusammen. Die erste Kompagnie bildet das Steigerkorps, das aus sechs Zügen und einem Radfahrerzug besteht. Die zweite Kompagnie besteht aus dem Dampfspritzenzug, Spritze Nr. 2 und Spritze Nr. 3, bedient von Mitgliedern des Turnvereins, Spritze Nr. 4, bedient von Mitgliedern des Turnerbundes, 4 Schlauchhaspelabteilungen von denen Nr. 3 vom Turnverein und Nr. 4 vom Turnerbund bedient wird.
...

Das Wachlokal befindet sich im Redoutengebäude. Regelmäßige Wachen finden an den Sonntagen in den Monaten Mai bis inkl. September von nachmittags 3 Uhr bis abends 10 Uhr statt. Diese Wachen sind mit einem Zugführer und 4 Mann besetzt. Ebenso zieht bei Sturm in der Nacht eine Wache in derselben Stärke auf...."

Die Freiwillige Feuerwehr Erlangen wurde 1868 gegründet. Ein Vorläufer war das Turnersteiger-Korps des Turnvereins 1848. Der Turnverein wurde am 13. Juli 1848 gegründet. Neben Leibesübungen hatte er auch politische Ziele. Er war Teil der allgemeinen deutschen Turnbewegung. Nach der niedergeschlagenen Revolution 1848 wurde der Verein am 30. April 1850 verboten. Als alle Eingaben zur Aufhebung des Verbotes erfolglos blieben, organisierten sich die Mitglieder 1856 in der "Steigerrotte" im "Verein zur Rettung von Menschenleben". Der Turnverein konnte sich schließlich 1860 neu gründen, doch die "Steigerrotte" blieb bestehen und wurde zum Traditionskern der Freiwilligen Feuerwehr Erlangen. Nicht ganz zu Unrecht gibt die Feuerwehr Erlangen daher ihr Gründungsjahr als 1856 an.

Frage zum Nachdenken: Von jedem Sandsteinquader in Erlangen gibt es Ansichtskarten. Eine Karte, die nur dem Jakob-Herz-Denkmal gewidmet ist, habe ich bisher nicht gefunden. Warum?
 
   
  Erlangen, Volksschule und Universitätsbibliothek  
     
  Album-Nr. er148 (1926)  
 

Links sehen Sie das Buirettsche Palais d.h. die Volksschule und rechts die Universitätsbibliothek sowie rechts hinten das Kollegienhaus.
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Der Krieg (I)

Die Politik der Nazis zielte auf den Krieg. Sechs Jahre nach den Vorzeichen von 1933/34 wurde es Ernst. Soldaten der Erlanger Garnison kämpften an der Front, und selbst Erlanger Polizeibeamte wurden 1940/41 zur Verwaltung der besetzten Ostgebiete mit herangezogen: Sie taten Dienst in den Städten Zdunska Wola, Lodz-"Litzmannstadt", Kalisch, Nowy Sacz, Dombrowa. Andererseits kamen Kriegsgefangene aus dem Osten - Polen, Russen - als billige Arbeitskräfte nach Erlangen. Fuhrunternehmer, Kohlenhändler, einige Bauern, das Baugewerbe und größere Erlanger Firmen nutzten sie in einer Zeit, da die Verhältnisse von einst in ihr Gegenteil verkehrt waren. Nun gab es keine Arbeitslosen mehr; die Leistungsfähigen kämpften an der Front, die heimische Wirtschaft suchte oft verzweifelt nach Arbeitskräften und hatte keine Skrupel Kriegsgefangenen in Zwangsarbeit zu nehmen. Im Jahr 1941 lebten, meist in Baracken hausend, 311 Kriegsgefangene in Erlangen, beaufsichtigt von 22 Wachmannschaften. Noch im Februar 1945 waren mindesten 170 bis 180 Russen als Zwangsarbeiter beim Bauprojekt ERNA eingesetzt, einem Vorhaben, durch das die Burgberg-Keller für Zwecke der Rüstungsindustrie - dazu zählte ein Teil der Produktion der Firmen Siemens-Reiniger und Gossen - ausgebaut werden sollten. Hier waren umfangreiche Aushubarbeiten zu verrichten, bis - ausgehend vom Henninger Keller - eine Produktions- und Lagerfläche von 10000 Quadratmetern gewonnen war. Die Interessen prallten aufeinander, weil mehrere Stellen ihr Recht auf das Höhlendasein anmeldeten: die Befehlsstelle im Altstädter Rathaus, eine alteingesessene Sauerkrautfabrik aus Gründen der Lebensmittelversorgung, das Rüstungsministerium in Berlin mit Blick auf Munitionslager, eine Bürstenfabrick wegen Brandgefahr des Zelluloidmaterials, die Stadtverwaltung aus ihrer Verpflichtung zur Bereitstellung von Luftschutzräumen.

Über die sechs Jahre des Krieges verteilt lebten in Erlangen ungefähr 3700 Zwangsarbeiter, teils Kriegsgefangene teils Verschleppte, darunter waren auch Frauen. Einige von den Zwangsarbeiterinnen hatten Beziehungen zu deutschen Männern, sicher manchmal nicht immer ganz freiwillig. Wurden sie schwanger, wurde eine Zwangsabtreibung vorgenommen. In der Frauenklinik sind wenigstens 136 solcher erzwungener Abtreibungen bei osteuropäischen Frauen belegt. Mindestens sechs Frauen sind an der Abtreibung gestorben. Wurden Zwangsarbeiter exekutiert, meist aus geringfügigem Anlass, brachte man ihre Leichen als Studienobjekte ins Anatomische Institut Erlangen. In einem Fall brachte man die Leichen polnischer Kriegsgefangener, die in Nürnberg exekutiert worden waren, erst nach einigen Tagen zu Dr. Johannes Hett in die Histologische Abteilung des Anatomischen Instituts. Dieser beschwerte sich bitter darüber, dass bei den Leichen schon der Zersetzungprozess der inneren Organe begonnen hatte. Daraufhin bot man ihm an, als wieder eine Exekution auszuführen war, den Verurteilten im Keller des Instituts zu erschießen damit der Arzt "ganz frische Organe" erhielt. Das war dem Dr. Hett denn doch zuviel und er protestierte gegen die Exekution im Keller seines Instituts. So brachte man den Verurteilten zum Exerzierplatz und erschoss ihn dort. Die Leiche "lieferte" man zurück ins Institut.
 
 
   
 

Album-Nr. er36 (1912)

Burgberggarten

Professoren und Honoratioren der Stadt errichteten im 19. Jahrhundert in ihren teilweise mit Brunnen und Treppenanlagen gestalteten Gärten am Burgberg kleine Gartenhäuschen. Ende des 19. Jahrhundert wurden am Burgberg die ersten Villen gebaut. Auch heute noch gilt der Burgberg als erste Adresse der Stadt.

  Burgberggarten
 
   
  Burgberg 1902  
     
 
  Album-Nr. er47  
 
   
 
  Wohnhäuswer ca. 1915 Burgberg Erlangen  
     
  Album-Nr. er71  
 
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Der Krieg (II)

"Feindliche Flieger über Erlangen" war die Schlagzeile des Erlanger Tagblattes als die Nazis 1933 mit ihren Luftschutzübungen begannen. In der nacht vom 28. zum 29. August 1942 wurde Erlangen zum ersten Mal Ziel eines Luftangriffs. Fünf britische Sprengbomben von 250 bis 300 Kilogramm, eine Minenbombe sowie einige hundert Brandbomben zerstörten oder beschädigten in der Büchenbacher Stadtrandsiedlung 37 Häuser und richteten an 250 weiteren Gebäuden erhebliche Schaden an (siehe Foto unten).

Erlangen, die Bombadierung der Stadtrandsiedlung 1942

In der Nacht vom 25. zum 26. Februar 1943 fielen Bomben auf die Buckenhofer Siedlung. Bei beiden Angriffen kamen insgesamt 22 Personen ums Leben.
 
 
   
  Schlachthof  
     
 
Erlangen, Schlachthof 1892
 
 
 
 
Federzeichnung des Erlanger Schlachthofes von 1892
 
     
 
Der Erlanger Stadtrat fasste am 17. Januar 1882 den Beschluss zur Errichtung eines Schlachthofes. Der Schlachthof musste, um seine Abwässer in die Regnitz leiten zu können, vor der Stadt liegen. Nach ausführlichen Informationsreisen projektierte man den Erlanger Schlachthof nach dem Modell der Schlachthöfe in Ansbach, Bayreuth und Regensburg als offenes Hofsystem. In fast symmetrischer regelmäßiger Weise wurden auf einem quadratischen Geviert von 85,5 x 81,5 Meter die sieben Einzelgebäude um ein mittleres Rasenrechteck in lockerem Verbund gruppiert. Das ca. 7000 qm große Areal musste wegen der Überschwemmungsgefahr etwa 3 m hoch mit Quarzsand aufgefüllt werden, alle Fundamente wurden in Beton bis auf den gewachsenen Boden geführt. Eröffnet wurde der Schlachthof am 9. Juni 1890.
 
Der Blick auf der Zeichnung geht von Süden nach Norden. Im Hintergrund sehen Sie den Burgberg mit dem Burgbergtunnel. Am Eingang an der Dechsendorfer Straße stand das zweigeschossige Verwaltungsgebäude. In ihm befanden sich die Wohnungen für die Bediensteten. Im Erdgeschoß gab es neben zwei Verwaltungszimmern eine Hausmeisterwohnung und im besseren ersten Geschoß die Wohnung des Verwalters, in der Mansarde wohnte der Maschinist. Hinter dem Verwaltungsgebäude lagen links (westlich) die Stallungen und rechts (östlich) die größte Schlachthalle für das Großvieh. Ganz im Norden schlossen sich von links nach rechts die Stallungen für die Schweine, Schweineschlachthalle, Kühlhaus mit Eismaschine und Maschinenhaus an.
 
     
 
Erlangen, Schlachthof 1906
 
  Album- Nr. er156 (1906)  
     
 
Auch auf der Ansichtskarte von 1906 oben ist der Erlanger Schlachthof zu sehen, doch die Blickrichtung ist genau umgekehrt zur Federzeichnung oben. Der Fotograf hat sein Stativ im Schunk'schen Garten oberhalb des Burgbergtunnels aufgestellt. Am linken Bildrand sehen sie noch die Bahngleise, die nach links zum Bahnhof und nach rechts in den Tunnel führen.
 
Am rechten Bildrand sehen Sie die Brücke über die Regnitz, die im April 1945 gesprengt wurde, weil man glaubte damit die Amerikaner aufhalten zu können. Dem Schlachthof gegenüber dem Verwaltungsgebäude stehen 1906 bereits zwei Wohnblocks. Das Dorf in der oberen Bildhälfte ist Alterlangen und am Horizont der Kirchturm dürfte St. Xystus in Büchenbach sein.
 
   
 
Elangen, Wasserturm auf dem Burgberg  

Album-Nr. er124 (1908)

Wasserturm

Die Wasserversorgung Erlangen erfolgte bis 1891 durch Brunnen, entweder eigene Brunnen im Haus oder öffentliche brunnen auf den Straßen und Plätzen. Erst am 30. November 1891 wurde im Stadtwesten an der Straße nach Möhrendorf, das Wasserwerk samt Wasserleitung mit einer Gesamtlänge von 15 km eröffnet. Zwei Dampfmaschinen sorgten für den Umlauf des über Filterbrunnen aus einem Grundwasserstrom unter dem Seebachtal gewonnenen Wassers (täglich 3 Millionen Liter).Der Überschuß wurde in einem 6000 Liter fassenden Reservoir am Burgberg, 40 m über dem Niveau des Marktplatzes, gespeichert.

Erst 1904/05 wurde der Wasserturm auf dem Burgberg errichtet. Hinter dem Holzerkern liegt der 100 Kubikmeter fassende Wasserbehälter. Der Turm sollte die Versorgung des entstehenden Villenviertels auf dem Burgbeg mit Trinkwasser sichern.

Der 36 m hohe Wasserturm lehnt sich an die Form mittelalterlicher Wachtürme an. Vermutlich hat man mehr an die Nähe des mittelalterlichen Nürnberg oder den Namen "Burgberg" gedacht und weniger an die barocke Bautradition Erlangens.

 
   
 
Erlangen, Wasserreservoir am Burgberg 1898
 
  Album-Nr. er133                          Wasserreservoir am Burgberg 1898  
     
 
 
Der Nationsozialismus in Erlangen - Der Krieg (III)

Den Bewohnern am Stadtrand nützte es wenig, wenn in der Innenstadt elf öffentliche Luftschutzräume zur Verfügung standen, etwa unter den Brauereien von Henniger, Kitzmann und Niklas, unter dem Schloss und der Universititätsbibliothek. Die elf öffentlichen Luftschutzräume reichten nicht einmal für die Innenstadt aus. Die Zahl der unterkellerten Häuser in Erlangen war gering, daher gab es auch nur wenige private Luftschutzräume. Zur Bevölkerung kamen die Insassen der Kliniken und Lazarette. Wie schon im Ersten Weltkrieg war Erlangen auch im Zweiten Weltkrieg eine Lazarettstadt. Wieder waren das Kollegienhaus, die Häuser der Studentenverbindungen und Schulgebäude Reserve-Lazarette. Alles in allem gab es in den letzten Monaten des Krieges in Erlangen etwa 6000 verwundete oder kranke Soldaten bzw. Zivilpersonen. Außerdem war Erlangen immer wieder Zufluchtsort für die luftkriegsbedrohte Bevölkerung Nord- und Westdeutschlands, z.B. beherbergte es 1941 776 Kinder, die mit 10 Lehrkräften und 20 HJ-Führern und-Führerinnen aus der unmittelbaren gefahrenzone herausgenommen waren. gegen Ende des krieges fluteten noch Flüchtlinge aus dem Osten nach Erlangen. Zum Glück blieb es aber bei den zwei Luftangriffen, die wohl eher Irrtümer der britischen Piloten waren.

Anläßlich des Heldengedenktages 1934 hielt auch der Universitätsrektor Reinmöller eine markige Rede. Seine Worte "Wer fällt, der Kann's verschmerzen, er hat das Himmelreich" war mit zunehmender Kriegsdauer für immer zahlreichere Erlanger Familien ein vergifteter Trost. Die Erlanger Zeitungen füllten sich zunehmend mit Traueranzeigen: "Nach Gottes hl. Willen hat unser herzensguter, sonniger und frommer Sohn und Bruder Leutnant Heinrich D., Ordonnanzoffizier und Inhaber des EK II., im Alter von 24 Jahren in den heißen Kämpfen um die Halbinsel Krim am 27. Oktober sein junges, hoffnungsvolles Leben dem Vaterlande zum Opfer gebracht. Er hatte den Einmarsch in die Ostmark, in das Sudetenland und die Tschechei mitgemacht, sowie die Feldzüge in Polen, Frankreich, Serbien und Griechenland und wäre in diesen Tagen zum Beginn seines Studiums aus der Wehemacht entlassen worden. Er war unser Stolz und unsere Freude." Am selben Tag als diese Traueranzeige im Erlanger Tagblatt erschien - 22.11.1941 -, teilte die Schutzpolizei den Erlanger Geistlichen mit "dass am Sonntag, den 23.11.1941, in den Kirchen nicht die Namen der Gefallenen bekannt gegeben werden dürfen. Dies sei auch zahlenmäßig nicht gestattet."



Wird fortgesetzt mit dem Schicksal Erlanger Juden. Hierzu gibt es eine hervorragende Arbeit von Ilse Sponsel. Bevor ich davon berichte möchte ich aber meine eigenen Recherchen abschließen. Das wird, so hoffe ich, im Dezember 2015 der Fall sein.
 
 
   
 

Album-Nr. er109 (um 1900)

Die Werker

Wissen Sie wo dies einst war? Erlangens erstes industrielles Zentrum? Das Ensemble existiert heute so nicht mehr. Es musste dem Frankenschnellweg weichen. Sie blicken auf den Zusammenfluss von Schwabach und Regnitz in Richtung Kanaldenkmal. Was wir sehen ist ein Teil der "Werker". Unten gibt es noch einen Detail-Scan. Doch lassen Sie mich zunächst noch etwas über die Erlanger Mühlen plaudern.


  Erlangen Werker um 1900
 
     
 

Erlangen liegt an den zwei Flüsssen Schwabach und Regnitz. Diese Lage war ein großer Standortvorteil für die Entwicklung Erlangens von einem Ackerbürger-Städtchen zu einer Fabrikstadt. Bis zur Gründung der Neustadt Christian Erlang waren die beiden Getreidemühlen, die Essenbacher Mühle (etwa dort gelegen, wo heute die Kunststoff- und Metallwarenfabrik KUM steht) und die Wöhrmühle an der Regnitz, für den Bedarf Erlangens und der umliegenden Dörfer völlig ausreichend.

Als im Jahr 1704 das Schloß gebaut wurde, ließ der Markgraf zur Versorgung der Wasserspiele im Schloßgarten die Sophien- oder Thalermühle erbauen. 1715 wurde die Lohmühle an der Schwabach erbaut. Ursprünglich war sie eine Schleifmühle (daher der heutige Name). Hier wurde Gerberlohe (zum Gerben verwendete Baumrinde) gemahlen. Später wurden noch einige Gänge zum Getreidemahlen eingerichtet. Nach der vollstänsigen Renovierung im Jahr 2002 ist die Schleifmühle heute ein privates kleines Wasserkraftwerk.

Die Anlage der später so genannten "Werker" an der Regnitz begann schon 1688 und steht in engen Zusammenhang mit der Anlage Christian Erlangs. Auf Wunsch des Markgrafen Christian Ernst sollte dort zur Unterstützung der Woll- und Fellverarbeitung, der Gewerbe der ersten Hugenotten, eine Walk- und Lohmühle errichtet werden. Obwohl die Stelle wohlüberlegt gewählt worden war, die Regnitz war hier am breitesten und wildesten, musste der Fluss noch mit einem Wehr gestaut werden, um so die Kraft des strömenden Wassers zum Antrieb der schweren Wasserräder zu verstärken.

 

Die Bedeutung dieses Wehrs erkennt man daran, dass der Markgraf dafür 32000 Gulden ausgab. Das sind 2000 Gulden mehr als ihn die Hugenottenkirche gekostet hat.

Hochwasser und Eisstöße beschädigten das Wehr immer wieder. Die Unterhaltskosten waren enorm. 1747 trat die Katastrophe ein. Als Folge des jährlichen Hochwassers hatte die Regnitz sich ein neues Flussbett gesucht. Die Investitionen in die Anlagen an den Werkern schienen verloren. In einer für die damalige Zeit beispiellosen Gemeinschaftsleistung halfen tausende Erlanger Bürger freiwillig mit die Regnitz wieder in ihr altes Flussbett zu zwingen. Der Chronist schreibt "auch die vornehmsten Männer schämten sich nicht, dieses zu thun". Man wusste, wie eng die werker mit dem Gedeihen der Stadt zusammenhingen.

Im Laufe der Jahre entstanden an den Werkern weitere Mühlen: Papiermühlen, Walkmühlen, Hammerwerke zur Eisenverarbeitung, Getreidemühlen. Aus den Hammerwerken entwickelten sich Polier- und Schleifmühlen, eine Spiegelfabrik mit einem Ausstoß von 800 Spiegeln pro Woche, Folienhämmer für Stanniol (für die Rückseite der Spiegel und zur Herstellung von Galanteriewaren wie z.B. Knöpfe). Es entstand auch eine Arbeitersiedlung.

Die Eisenbahn ermöglichte den billigen Transport von Kohle aus dem Zwickauer Bergbaugebiet um die Dampfkraft neben der Wasserkraft zu nutzen. Mit dem Aufkommen der Elektrizität verloren die Werker endgültig ihre Bedeutung. Heute kann man sie nur noch auf alten Ansichtskarten bewundern.

 
     
  Erlangen Werker ca. 1900  
     
   
  Rötelheimbad Erlangen Einweihung 1927  
  Album-Nr. er189 (1927)  
  Wenn ich dieses Luftbild richtig interpretiere, dann handelt es sich hier um die Einweihung des Rötelheimbades im Jahre 1927.  
     
  Kasernen in Erlangen  
     
 
Neue Infantrie-Kaserne  

Album-Nr. er52 (geschrieben 1911)

Neue Infanterie Kaserne
Drausnickstraße

Die alte Infanterie Kaserne stand in der Bismarckstraße, dort wo heute die Phil-Fak steht. 1890 wurde mit dem Bau der neuen Kaserne an der Drausnickstraße (früher Buckenhofer Landstraße, dann Luitpoldstraße) begonnen. 1893 wurden die ersten fertigen Kasernengebäude bezogen. Die 4 Bataillone des 19. Infanterie-Regiments waren dann in Erlangen stationiert. Die Schienen gehören zur alten "Seekuh" (Sekundärbahn, so etwas wie die kommende STUB).

 
   
 
Album-Nr. er123 (1912)

Alte Infanteriekaserne
Bismarckstraße


Die Dame in dem schönen langem Kleid steht an der Ecke Bismarckstraße - Hindenburgstraße.
  Erlangen, alte Infantriekaserne
 
 
   
  Alte und neue Infantriekaserne Erlangen um 1910  
     
  Album-Nr. er92 (um 1910)  
   
  Speisesaal Offizierskasino des 19. bayer. Infanterie-Regiments Erlangen  
     
  Album-Nr. 187 (1904)  
     
 
Wenn Sie diese Räume heute in Erlangen suchen, werden Sie sie nicht mehr finden. Zu sehen ist der Speisesaal und das Unterhaltungszimmer im Stabsgebäude des 19. bayer. Infanterie-Regiments "König Victor Emanuel III. von Italien". In diesem Stabsgebäude befindet sich heute die Technikerschule Erlangen in der Drausnickstr. 1 B.

Das Gebäude, in dem die Fachschule für Techniker der Stadt Erlangen heute untergebracht ist, hat eine bewegte Geschichte: Es wurde vom 31. August 1891 bis 28. April 1893 vom königlichen Garnisonsbauinspektor Winter ausgeführt als "Stabsgebäude mit Unterhaltungszimmer, Burschenzimmer, Bibliothek und Speisesaal", wie es im Baugesuch heißt. Bereits 1890 wurde mit dem Bau von Nebengebäuden begonnen, bis dann schließlich auch das "Stabsgebäude" fertiggestellt wurde. Wie die gesamten Kasernengebäude unterstand es der Militärverwaltung bis in den 2. Weltkrieg und wurde nach dessen Ende von der Militärregierung beschlagnahmt. Schließlich gelang es Oberbürgermeister Michael Poeschke, dass dieses Gebäude für Schulzwecke freigegeben wurde. Es bedurfte großer Anstrengungen des Oberbürgermeisters.

 
 
     
 
  Luftbild neue Infantriekaserne in Erlangen1927  
 
     
 

oben: Auf dieser Fliegeraufnahme (um 1927) wird der ausgedehnte Kasernenhof der neuen Infanteriekaserne an der Drausnickstraße sichtbar. Links davor an der Artilleriestraße eines der ehemaligen "Barackenkasernements", das wie die Flachbauten zum Garnisonslazarett (später Hautklinik) gehörte. Unter "Baracken" darf man sich hier keine Provisorien vorstellen. Die "Baracken" waren durchweg gemauerte Gebäude, allerdings ohne Keller. Östlich der Von-der-Tann-Straße, die zum östlichen Bildrand führt, stehen die Gebäude des Proviantamtes. Das Gelände zwischen Drausnick- und Artilleriestraße ist noch kaum bebaut.


rechts: Übersichtsplan zu den Erlanger Kasernenanlagen

Mit den beiden Kasernenkomplexen und dem riesigen Areal des Exerzierplatzes war die Garnison weit über ihre ursprüngliche Funktion als militärische Ausbildungsstätte für die Studenten der Universität hinausgewachsen. Der Antrag auf zusätzliche Verlegung eines Artillerieregiments nach Erlangen, für die der Magistrat 1898 und 1899 einen großzügigen finanziellen Zuschuss anbot, führte deshalb rasch zum Erfolg.

Die Artilleriekaserne wurde am nördlichen Rand des Exerzierplatzes gebaut und der Truppe im Jahr 1900 übergeben. Am 1. Oktober 1901 wurde das 10. Feldartillerieregiment in Erlangen neu aufgestellt. Bald darauf erhielt der Standort auch ein eigenes Proviantamt, das am 31. Januar 1903 in Betrieb genommen wurde.

  Kasernenanlagen in Erlangen 1948
 
   
 
  Erlangen Wach- und Arrestgebäude der Artilleriekaserne  
  Album-Nr. er115 (1917)

 
  Wach- und Arrestgebäude der Artilleriekaserne  
 
   
 

Album-Nr. 88 (um 1914)

Artilleriekaserne(Einzelbild Zweifachkarte, Manschaftsgebäude von Südosten)

Die Planungen für die Kaserne stammen vom Garnisons-Baubeamten Haase und wurden von Regierungsbaumeister Dinser bearbeitet. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1900 und schon am 1. Oktober 1900 konnte die Artilleriekaserne mit 2 Mannschaftshäusern und den notwendigen Nebengebäuden auf dem nördlichen Exerzierplatz den Truppen übergeben werden.

  Artilleriekaserne Erlangen
 
     
 
Artillieriekaserne Erlangen und Offizierscasino Erlangen  
(Einzelbild Zweifachkarte von der Artilleriestraße aus, westliches Gebäude für die Mannschaften, und die Offiziersspeiseanstalt)

Bis 1903 wurden dann westlich davon das Proviantamt mit Dienstgebäude, Waage, Militärbäckerei, Hafer-, Heu- und Strohmagazin erbaut. Zur Kaserne gehörte auch das schon 1897 westlich in der Ecke Artillerie-/Hartmannstraße eingerichtete Lazarett, wo seit 1923 die Hautklinik untergebracht ist. 1912/13 wurde die Offiziersspeiseanstalt gebaut.
 
   
 
  "Offizierscasino" Artilleriekaserne Errlangen mi Zehner-Denkmal  
 
     
 
Vor der Eingangsseite der Offiziersspeiseanstalt oder, wie es im täglichen Sprachgebrauch bezeichnet wurde, dem "Kasino" wurde am 1. Oktober 1922 das Gefallenendenkmal des 10. Feldartillierieregiments enthüllt (Zehner-Denkmal an der Westseite des Kasinos). Das Denkmal, das von der Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Regiments gestiftet wurde, sollte einen Kanonier im Dienst am Geschütz darstellen. gegen den Willen eines Teils der Auftraggeber wurde die Figur des Soldaten "unmilitärisch" gestaltet: mit geöffneter Feldbluse und Stahlhelm ohne Sturmband, die ganze Haltung nach damaligem Empfinden nicht kriegerisch, sondern Ausdruck "persönlicher Tapferkeit und Mutes".
 
Der Standort für das Denkmal bildete 1922 den Gegenstand einer mitunter heftigen öffentlichen Diskussion, nachdem die von den ehemaligen Regimentsangehörigen gewünschte Aufstellung auf dem Bohlenplatz oder dem Theaterplatz von der Stadtverwaltung nicht genehmigt worden war. An den Totenehrungen, die alljährlich zum Barbaratag (die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Artillerie) stattfanden, beteiligten sich seit 1982 auch Abordnungen der amerikanischen Garnisonstruppe.

Der Jugendstilbau gehört heute der Universität, die ihn an das Restaurant "Unicum" verpachtet hat.
 
   
  Erlangen, Reichswehr am Zollhausplatz um 1925  
  Album-Nr. er150-er154  
     
 
Ausbildungsbatterie des Artillerie-Regiments 7 der Reichswehr auf dem Erlanger Zollhaus-Platz
 
     
 
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und nach der formellen Auflösung der bayerischen Armee am 30.September 1919 war die Zukunft Erlangens als Garnisonsstandort zunächst ungewiß. Letztendlich war es auf die Unwägbarkeit der politischen Verhältnisse zurückzuführen, dass Truppenteile der im Aufbau befindlichen Reichswehr in Erlangen stationiert wurden. Für den Fall, dass es in Nürnberg zu Unruhen kam, wollten die Militärbehörden eine "verläßliche", weil ideologischer Beeinflussung von Seiten der Linken weniger ausgesetzte Truppe zur Verfügung zu haben.

Natürlich hatten die Bestimmungen des Versailler Vertrags auch für die Erlanger garnison eine starke zahlenmäßige Verminderung zur Folge. Es waren keine vollständigen Regimenter, sondern einzelne kleinere Einheiten, die vorläufig in der neuen Infanteriekaserne und in der Artilleriekaserne untergebracht wurden: Das I. Bataillon des Infanterie-Regiments 47, die II. Abteilung des Feldartillerie-Regiments 24 und die 4. leichte Minenwerfer-Batterie 24.
 
Die alte Infanteriekaserne in der Bismarckstraße, die sich in baufälligem Zustand befand, wurde nicht mehr militärisch genutzt. Das gesamte Areal fiel an die Stadt zurück, die dort Notwohnungen einrichtete. Nach der endgültigen Formierung der Reichswehr im März 1921 wurden die in Erlangen stationierten Abteilungen durch ein Ausbildungsbataillon des Infanterie-Regiments 21, eine Ausbildungsbatterie des Artillerie-Regiments 7 und die 3. Eskadron der Fahrabteilung 7 ersetzt.

Um die durch das nationalsozialistische Regime ab 1933 betriebene Aufrüstung und Vergrößerung der Wehrmacht zu verschleiern, wurden unter anderem ständig Umbenennungen, Umorganisationen und Neuformierungen vorgenommen. Allein das Infanterie-Nataillon änderte zwischen 1933 und 1938 fünfmal seine Regimentsziffer.

Die Ansichtskarten mit Bildern der Ausbildungsbatterie des Artillierie-Regiments 7 stammen aus den 20iger-Jahren.
 
   
  Erlangen, Hof der Artilleriekaserne um 1925  
     
 
angetreten auf dem Hof der Artilleriekaserne
 
   
  Erlangen, Aufstellung Ausbildiungsbatterie des Artillerie-Regiments 7 der Reichswehr  
     
 
Aufstellung zum Abmarsch auf das Übungsgelände (Exerzierplatz)
 
   
  Erlangen, Aufstellung der Ausbildungsbatterie des Artillerie-Regiments 7 der reichswehr um 1925  
     
 
Aufstellung der Batterie, Übung mit Publikum (Exerzierplatz)
 
   
  Erlangen, die gulaschkanone der Ausbildungsbatterie  
     
 
beim Essenfassen an der nützlichsten Kanone der Ausbildungsbatterie
 
     
 
Rheinlandkaserne Erlangen  

Rheinlandkaserne

Die zweite Artilleriekaserne wurde 1935 errichtet und am 1. Oktober 1935 von zwei Abteilungen des Artillerieregiments 17 der Wehrmacht bezogen.

     
Rheinlandkaserne Erlangen  
Der Name "Rheinlandkaserne" für die neue Artilleriekaserne sollte an die Wiederbesetzung des durch den Vertrag von Versailles entmilitarisierten Rheinlandes durch die Wehrmacht im März 1936 erinnern.
 
     
 

Panzerkaserne
(Villers-Bretonneux-Kaserne)

1938 wurde südlich des ehemaligen Lazaretts, das der Universität seit 1923 als Hautklinik diente, ein weiterer Kasernenkomplex fertiggestellt: die Villers-Bretonneux-Kaserne. In den Gebäuden, unter denen sich auch ein neues Lazarett befand, wurde das Panzerregiment 25 untergebracht. Die französische Ortschaft an der Somme, nach der die Kaserne benannt wurde, war 1918 Schauplatz einer Panzerschlacht.

  Panzerkaserne Erlangen Hartmannstraße
 
   
  Erlangen Panzerregiment 25  
  Album-Nr. er105 (1942)  
  Panzer-Regiment 25  
     
 
In Erlangen wurde am 12. Oktober 1937 das Panzer-Regiment 25, Wehrkreis XIII, aufgestellt. Anfänglich bestand es aus einer Abteilung mit zwei Kompanien und war der 2. Leichten Division unterstellt. Die 4. und die 6. Kompanie vom Panzer-Regiment 3 bildeten die 1. und die 2. Kompanie vom Panzer-Regiment 25. Das Panzer-Regiment 25 gehörte ab Oktober 1939 offiziell zur 7. Panzer-Division. Am 1. November 1939 wurde die bisherige I. Abteilung vom Panzer-Regiment 23 dem Regiment als II. Abteilung unterstellt. Am 1. April 1940 wurde die unterstellte Abteilung in II. Abteilung vom Panzer-Regiment 25 umbenannt. Mit diesen beiden Abteilungen nahm das Regiment am Frankreichfeldzug teil. Bei diversen Vorstößen ins feindliche Hinterland machte sich die Division den Namen "Gespensterdivision". Am 19. Februar 1941 wurde die Panzer-Abteilung 66 als III. Abteilung eingegliedert. Im Frühsommer 1941 wurden die 3 Kolonnen der Abteilungen des Regiments an den Panzer-Divisions-Nachschubführer 58 abgegeben und bildeten dort die 13. bis 15. große Kraftwagen-Kolonne.

Bei Beginn des Russlandfeldzuges war das Regiment der Panzergruppe 3 unterstellt und kämpfte bei Wilna, schloss bei Minsk den Kessel um große russische Truppenteile und stieß über Smolensk und Wjasma bis fast nach Moskau vor. Nachdem ein Brückenkopf über den Moskwa-Wolga-Kanal gebildet werden konnte, war das Regiment am weitesten nach Osten vorgedrungen.
 
Nach dem Rückzug im Winter 1941/42 war das Regiment im Raum Rshew eingesetzt. Am 15. März 1942 wurde die III. Abteilung aufgelöst. Im Mai 1942 wurde das Regiment mit der Division zur Auffrischung nach Frankreich verlegt. Von dort kehrte das Regiment zusammen mit der Division nach Osten zurück, es folgten Einsätze bei Bjelgorod, bei Kiew und Schitomir. 1944 kämpfte das Regiment bei Tarnopol, Kamenez-Podolsk, Brody, Minsk, Lida und in Kurland. Gegen Ende des Krieges hatte sich das Regiment über die Weichsel und Narew bis auf die Halbinsel Hela zurückgezogen.

Für die Ersatzgestellung des Regiments war zuerst die Panzer-Ersatz-Abteilung 35 zuständig. Ab dem 1. April 1940 war die Panzer-Ersatz-Abteilung 25 für diese Aufgabe zuständig.

Regimentskommandeure:

Major Ilgen

Oberst Karl Rothenburg - 28. Juni 1941 (gefallen bei bei Grodeck-Ostrochichy)

Oberst Eduard Hauser (1941)

Oberst Adelbert Schulz 1943 - 26. Januar 1944 (wurde Divisionskommandeur der 7.PD)

 
     
     
 
Die "Ferries Barracks"

Nachdem sich Erlangen am 16. April 1945 den heranrückenden US-Truppen ergeben hatte, dienten die Kasernen an der Hartmann- und Artilleriestraße den amerikanischen Soldaten als Unterkunft. Die Infantriekaserne an der Drausnickstraße war mit Flüchtlingen belegt und wurde auch später nicht mehr militärisch genutzt.

Auf Weisung des Oberkommandos Europa wurde der verbliebene Kasernenkomplex 1949 nach dem in Tunesien gefallenen Leutnant Geoffrey C. Ferris in "Ferris Barracks" umbenannt. Bis Anfang der sechziger Jahre war Erlangen Stützpunkt des 40. US-Bombergeschwaders (40th Bomb Wing Air Base); 1960 waren dort etwa 2500 amerikanische Soldaten mit 1000 Familienangehörigen stationiert, die Rollbahn hatte man auf dem weiträumigen Exerzierplatz angelegt.
 
Kurz nach 1950 begann südlich der früheren Panzerkaserne der Bau der Wohngebäude in der "Housing Area" an der Hartmannstraße.

In den folgenden Jahrzehnten wurden eine Reihe von amerikanischen Infantrie-, Artillerie- und Panzereinheiten vorübergehend nach Erlangen verlegt. Als Standort der 2. US-Panzerbrigade waren die Ferris Barracks Ende der achtziger Jahre die größte amerikanische Panzerkaserne in einer bundesrepublikanischen Stadt. Neben den 3500 GIs zählten etwa 2500 Familienangehörige, 181 amerikanische und 64 deutsche Zivilangestellte zur Garnison (Zahlenangaben von 1990). 1991 begann der allmähliche Abzug der amerikanischen Truppen, der 1994 abgeschlossen war. Insgesamt waren etwa 70000 amerikanische Soldaten während ihrer Militärdienstzeit in Erlangen stationiert.
 
     
     
     
   
 
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