Plätze  
   
 

Album-Nr. er 44 (Ausschnitt)

Bohlenplatz

Etwa 1760 war im Bereich des heutigen Bohlenplatzes das Arme-Leute-Viertel Erlangens entstanden. Es war bestimmt von Häuschen und Katen armer Strumpfwirker und Leineweber. Dieses Armutsviertel wurde, entsprechend dem damals aufkommenden Schlagwort von der "polnischen Wirtschaft", "im Polen" oder "Klein-Polen" genannt. Der Platz "bey der Teutschen Reformierten Kirche" erhielt erst 1875 offiziell den Namen "Bohlenplatz".

geschrieben 1908

  Bohlenplatz
 
     
  Die Brauerei am Bohlenplatz Nr. 6  
     
 
Brauerei Erlwein & Schultheiss in Erlangen  
Die Brauerei Erlwein & Schultheiss, die spätere Hofbräu AG, am Bohlenplatz 6 wurde von Bierbrauer und Metzger Georg Ernst Vierzigmann 1729 gegründet. 1870 verkaufte der Bierbrauer Johann Mühlbacher das Brauhaus und den dazugehörigen Felsenkeller am Burgberg (Hofbräu-Keller) an den Brauer Georg Erlwein. Wurde bis dahin vornehmlich für den Bedarf der Nachbarschaft gebraut, begann jetzt ein jahrzehntelanger Aufstieg mit steten Absatzsteigerungen im Großraum Nürnberg/Fürth. Der Direktor Leonhard Wilhelm Schultheiss wurde 1895 als Teilhaber aufgenommen. Die Brauerei hieß jetzt Erlwein & Schultheiss.
     

Die Brauereigebäude dehnten sich damals fast bis zum Schlossgarten aus, die Universitätsstraße wurde erst viel später gebaut. Der Teil der Universitätsstraße, der damals schon existierte, hieß Brauhausstraße. Der wirtschaftliche Niedergang als Folge des 1. Weltkriegs brachte 1919 die Übernahme durch die Bamberger Hofbräu AG und einen neuen Firmennamen "Hofbräu AG Bamberg-Erlangen".

1921 erwarb die Hofbräu AG Bamberg-Erlangen das Gasthaus Bohlenplatz Nr. 4, oben auf der Ansichtskarte als Eckhaus zu sehen. Ab 1931 hieß das Gasthaus "Hofbräu Stübel". Heute ist es das griechische Restaurant "Delphi".

Die Erlanger Braustätte war erneut erfolgreich und bis Ende der 1920er war der Bierausstoß sogar größer als der der Erich-Bräu. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Arisierung wendete sich das Blatt. Der jüdische Großaktionär Ignatz Nacher aus Berlin wurde 1934 gezwungen seine Aktien an der Hofbräu AG Bamberg-Erlangen zu verkaufen. Der Sohn des jüdischen Firmengründers Simon Lessing der Bamberger Hofbräu, Willy Lessing, ebenfalls Großaktionär, wurde 1936 zwangsenteignet. Willy Lessing, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bamberg, wurde in der Reichskristallnacht am 9. November 1938 schwer mißhandelt und starb zwei Monate später an den Mißhandlungen.

 

In der Nacht vom 6. zum 7. Dezember 1936 brannte die Brauerei am Bohlenplatz bis auf die Grundmauern nieder. Die Braustätte wurde nicht wieder aufgebaut, es fehlte wohl an Geld. Von da an wurde der Standort Erlangen von der Hofbräu AG Bamberg-Erlangen nur noch als Bierlager und zur Eisfabrikation benutzt. 1954 wurde das große, kliniknahe Ruinengelände an der Universitäts- bzw. Krankenhausstraße geräumt und an die Friedrich-Alexander-Universität verkauft, die hier die Institute für Rechtsmedizin und Pharmakologie sowie die Klinikapotheke errichtete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Hofbräu AG den Alliierten als Armeebrauerei und setzte ihre erfolgreiche Unternehmensstrategie weiter fort. Erst in den 1970er Jahren geriet die zweitgrößte Brauerei Oberfrankens in Turbulenzen, nachdem sich der Mehrheitseigentümer von seinen Aktien getrennt hatte. 1972 Mega-Fusion mit der Brauerei Humbser-Geismann, der Grüner-Bräu AG (beide Fürth), der H. Henninger-Reifbräu AG (Erlangen), der Lederer-Bräu AG (Nürnberg), der Sternbräu Dettelbach AG und der Würzburger Bürgerbräu AG zur neugegründeten Patrizier-Bräu AG mit Sitz in Nürnberg.

 
   
 
Deutsch-Reformierte Kirche (heute Gemeindehaus) am Bohlenplatz in Erlangen um 1910  

Album-Nr. er90 (um 1910)

Bohlenplatz

Deutsch-Reformierte Kirche (heute Gemeindehaus)

 
   
 
 
Erlangen 1919

Die Wahlen vom Januar 1919

Ab Mitte November 1918 bis Mitte Dezember 1918 rüstete sich das bürgerliche Parteiensystem durch Zusammenschlüsse und Neugründungen für die Nachkriegszeit. Am 18. Dezember entschied sich die Reichsversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin für die Durchführung von Wahlen zu einer Verfassunggebenden Nationalversammlung und setzte als Termin den 19. Januar 1919 fest. In Bayern sollten, von den bürgerlichen Parteien gefordert und von dem SPD-Politiker und Innenminister Erhard Auer gegen den widerstrebenden Ministerpräsidenten Eisner im Kabinett durchgesetzt, am 12. Januar 1919 allgemeine Wahlen zu einem neuen Bayerischen Landtag stattfinden. Zwei zentrale Themen beherrschten den Erlanger Wahlkampf: zum einen die Frage nach den Ursachen der Kriegsniederlage und der wirtschaftlichen Misere, und zum anderen die Diskussion über die politische Neuordnung Deutschlands.

Die SPD machte das "verruchte Regierungssystem" der "Wilhelme und Ludwige und aller ihrer Vettern und Basen" sowie die "bürgerlichen Parteien" für "Not und Elend, Sorge und Jammer" verantwortlich. Sie wollte "der Wahrheit Bahn brechen und die Schuldigen und Verantwortlichen brandmarken, die diesen Krieg angezettelt und die kein Ende für diesen Krieg gefunden haben, die mit ihren wahnwitzigen imperilistischen und annexionistischen Bestrebungen, mit ihrem Eigendünkel und ihrer Verlogenheit die Feindschaft der Völker gegen Deutschland zur Siedehitze getrieben haben". Sie rief dazu auf, die Errungenschaften der Revolution und der Republik zu verteidigen und alle "Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Arbeiterbewegung" vorerst zu vertagen.

Die Bayerische Mittelpartei, nahm genau die entgegengesetzte Position ein. Sie gab der "politischen Linken und dem Proletariat" die Schuld am verlorenen Krieg, weil sie den "feindlichen Vernichtungswillen" unterschätzt und, statt "Volk und Staat" mit dem "letzten Herzblut" zu verteidigen, "Parteiwünsche" in den Vordergrund" gestellt hätten. Sie sprach sich "gegen den gesetzwidrigen Zustand einer revoltionären Diktatur unfähiger Anmaßlinge" und "für die Herrschaft der Befähigten, Erprobten und Berufenen" aus. Hilfe versprach sie sich nur von "großen Führern deutschen Blutes, die die Flamme nationalen Lebens lebendig" erhielte. Das "Prinzip der Mehrheitsherrschaft" diffamierte sie als "Tyrannei des Parlaments, als Prateiherrschaft, als nicht wahrhaft demokratisch".

 
 
   
 
  Bohlenplatz in Erlangen 1909  
     
  Album-Nr. er95 (1909)  
 
   
 
  Bohlenplatz mit Hals-, Nasen- und Ohrenklinik in Erlangen  
     
 

Album-Nr. er72 (um 1925)

Bohlenplatz (1933-1945 Dietrich-Eckart-Platz)

Der Blick geht vom Bohlenplatz in die Luitpoldstraße. Rechts steht die Hals-, Nasen- und Ohrenklinik. Damals hieß sie Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkranke. An Stelle des Gebäudes links steht heute das Universitätsbauamt. In der Nazi-Zeit hieß der Bohlenplatz Dietrich-Eckart-Platz (siehe unten). Die Nazis planten auf dem "Dietrich-Eckart-Platz" ein gigantisches Kriegerdenkmal zu errichten. Doch dieser Plan wurde nie verwirklicht, genausowenig wie der Plan den Dechsendorfer Weiher in Adolf-Hitler-Weiher umzubenennen.

 
 
     
 

Dietrich Eckart (* 23. März 1868 in Neumarkt in der Oberpfalz; † 26. Dezember 1923 in Berchtesgaden) war ein Publizist, Verleger, früher Anhänger des Nationalsozialismus und Ideengeber Adolf Hitlers. Obwohl Eckart zu den frühesten Gestalten der Deutschen Arbeiterpartei bzw. Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei gehörte, war er nie formales Parteimitglied.

Dietrich Eckart, der katholische Sohn eines evangelischen Notars, wuchs seit 1878 ohne Mutter auf und besuchte, vom Vater vernachlässigt, sieben verschiedene Gymnasien. 1891 brach er sein Medizinstudium in Erlangen ab. Eckart war alles andere als ein ernsthafter Student gewesen. Er war, wie sein Vater, Mitglied der Studentenverbindung Corps Onoldia. Die meiste Zeit seines Studentenlebens verbrachte Eckart bei den Veranstaltungen und Kneipabenden des Corps. Zu dieser Zeit war sas Stammlokal für die Saufabende der Onolden der Goldene Mond.

Nach einer Entziehungskur wegen Morphiumsucht nahm er eine Tätigkeit als Journalist, Literatur- und Theaterkritiker auf. Durch den Tod des Vaters 1895 kam er als Erbe zu einem ansehnlichen Vermögen. Seine nächsten Stationen waren Leipzig, Berlin und schließlich Regensburg. 1899 war er fast mittellos und ging nach Berlin, wo er – obwohl von dem Schauspielhaus-Generalintendanten Georg von Hülsen-Haeseler unterstützt – als Dichter und Dramatiker, dann auch als Werbetexter, weitgehend scheiterte. Einen größeren finanziellen Erfolg brachte ihm lediglich eine „arisch-christliche“ Nachdichtung von Henrik Ibsens Drama Peer Gynt ein, die im Februar 1914 ihre Premiere erlebte. 1915 zog Eckart nach München und gründete dort die rechtsextreme und antisemitische Wochenzeitung "Auf gut Deutsch".

 

Der 21 Jahre ältere Eckart, der Hitler vermutlich im Herbst 1919 kennengelernt hatte, war zeitweise dessen Mentor, Ideengeber und mit ihm befreundet. Er „widmete sich in einer Art Lehrer-Schüler-Verhältnis der Propagierung Hitlers als des kommenden Retters, wofür er diesem wohl als erster charismatische Fähigkeiten zuschrieb“ und ihn im Dezember 1921 erstmals als „Führer“ bezeichnete. Er prägte 1919 als Mitbegründer der NSDAP den nationalsozialistischen Kampfbegriff „Drittes Reich“ und verfasste das Sturmlied der SA und machte die im Refrain verwendete Formulierung „Deutschland erwache!“ zum NS-Schlachtruf. Als „Parteidichter“ der NSDAP genoss er zeitweilig Popularität unter deren Anhängern. Adolf Hitler widmete u. a. Eckart sein 1925 erschienenes Buch Mein Kampf, in dem er ihn als Märtyrer der nationalsozialistischen Bewegung feierte. Im August 1921 wurde Eckart Chefredakteur des Völkischen Beobachters, nachdem er das Geld für dessen Übernahme im Dezember 1920 beschafft und Hitler gegen innerparteiliche Kritiker in Schutz genommen hatte. Eckart war es, der Hitler mit nach Berchtesgaden nahm und ihm den Obersalzberg zeigte.

Eine Woche nach dem Hitlerputsch in München verhaftet, wurde er nach schweren Herzanfällen am 20. Dezember 1923 aus dem Gefängnis entlassen und erlag am 26. Dezember in Berchtesgaden im Alter von 55 Jahren einer weiteren Herzattacke.

Quellen:

(1) Wikipedia
(2) An American's History of a German Town, by Gary C. Fouse, University Press of America 2005

 
     
 
 
Die Nationalliberalen sammelten sich in der Deutschen Volkspartei DVP. Im "Erlanger Tagblatt" hatte die DVP ihr bevorzugtes Sprachrohr. Der Chefredakteur stand im Wahlkampf mit großen Sympathien auf ihrer Seite, die anderen hatten sowohl quantitativ als auch tendenziell in der Berichterstattung weniger Gewicht. DER DVP kam es darauf an ihren Kampf gegen den "Bolschewismus", die "Kommunisten" und jegliche "Klassenherrschaft" zu betonen, die Bedrohung aller sozialer Schichten durch ein "schmachvolles, unsagbares Unglück" hervorzuheben - ohne allerdings näher auf die Ursachen einzugehen - und sehr allgemein an die "Starken", "Guten", "Freien", "Treuen", "Gerechten", "Stolzen" - kurz an die "Deutschen" zu appellieren, die sich in der Deutschen Volkspartei zur Rettung von "Land und Volk" zusammenfinden sollten.

Die Neugründung der bürgerlichen Parteien, die sich in ihrer Namensgebung ausschließlich als "Volksparteien" deklarierten und in den einzelnen Teilen Deutschlands mit unterschiedlichen Namen auftraten, war damals verwirrend und ist es auch noch heute. So war die Bayerische Mittelpartei, deren Gründung des Erlanger Ortsvereins ausschließlich auf die Initiative von Universitätsprofessoren beruhte, der bayerische Arm der anti-semitischen und nationalistischen Deutschen Nationalen Volkspartei, die in Württemberg unter dem Namen Württembergische Bürgerpartei auftrat. Die nationalliberale Deutsche Volkspartei firmierte im restlichen Deutschland als Deutsche Demokratische Partei.

Betrachten wir die Wahlergebnisse des Jahres 1919 in Erlangen.

Wahlergebnisse in Erlangen 1919

Auf Reichsebene hatte die SPD bei der Wahl zur Nationalversammlung 37,9 % der Stimmen erhalten und schloss nun mit dem Zentrum (19,7 %) und der Deutschen Demokratischen Partei (18,5 %) ein Regierungsbündnis, die sogenannte "Weimarer Koalition". Zusammen mit den beiden bürgerlichen Parteien trug die SPD jetzt die Verantwortung für die zu erarbeitende Verfassung der Weimarer Republik und den Abschluss eines Friedensvertrages mit den alliierten Siegermächten.
 
 
   
 
Kaiser-Wilhelm-Platz (Lorlebergplatz)  

Album-Nr. er05

Kaiser Wilhelmplatz (Lorlebergplatz)

Vermutlich ist die Gestaltung des Schnittpunktes von Frauenklinikstraße (heute Universitätsstraße) und Kasernstraße (heute Bismarckstraße) die erste eigenständige Entscheidung in der Erlanger Städtebauplanung. Die Mietshäuser im Stil der Neurenaissance um den Platz herum entstanden in den Jahren von 1890 bis 1895. Bis zur Einweihung des Denkmals zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. am 25. Juli 1897 hieß der Platz nur "Rondell" und von da ab Kaiser Wilhelmplatz.

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  Erlangen, Lorlebergplatz 1898  
  Album-Nr. er149 (1898)  
     
 
 
Erlangen und die Bayerische Räterepublik

In Bayern hatte Kurt Eisner (USPD) den "Freien Volksstaat Bayern) ausgerufen, sich aber mit seiner widerspruchsvollen Politik bei den konservativen und liberalen wie bei den sozialdemokratischen und radikalsozialistischen Kräften in Misskredit gebracht. In der Landtagswahl vom 12. Januar 1919 (in der bayerischen Pfalz wurde erst am 2. Februar gewählt) erhielt Eisner für seine Partei lediglich drei von insgesamt 180 Mandaten. Auf dem Weg zur konstituierenden Sitzung des neuen Landtages am 21. Februar 1919 wurde Eisner von Anton Graf von Arco auf Valley, einem Studenten aus dem Umfeld der gegen die Revolution agierenden deutsch-völkischen und antisemitischen Thule-Gesellschaft, ermordet.

In Erlangen setzten sowohl das Rathaus als auch die Kasernen ihre Flaggen auf halbmast. Die Universität wurde aufgefordert dasselbe zu tun. Nach Rücksprache mit seinen Kollegen kam Prorektor Busch dieser Aufforderung am 25. Februar nach. Obwohl der Landtag den (Mehrheits)-Sozialdemokraten Johannes Hoffmann als neuen Ministerpräsidenten gewählt hatte, sahen die Kommunisten den geeigneten Zeitpunkt gekommen um ihre Revolution zu machen. In der Folge wurde inmitten des Durcheinanders auf den Straßen in München eine Sowjet-Republik ausgerufen. Die Regierung Hoffmann war gezwungen zusammen mit ihren Anhängern nach Bamberg auszuweichen. Von dort aus führte sie dann den Kampf gegen die Linksradikalen, die München unter Kontrolle hatten. Erlangen unterstützte die Regierung Hoffmann. Als Reaktion auf die Ereignisse in München wurde in Erlangen eine Einwohnerwehr aufgestellt. Sie sollte die Straßen und die Eingänge der Stadt kontrollieren und die Stadt gegen einen Spartakistenüberfall von auswärts sichern.
 
 
   
 

Album-Nr. er22

Kaiser Wilhelmplatz (Lorlebergplatz)

...Fortsetzung

Der 11 m hohe Obelisk war das erste Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Bayern. Ein Grund dürfte in der hohenzollerischen Vergangenheit Erlangens liegen. Die vor 1886 konzipierte und 1889/95 verwirklichte Anlage des Platzes in ihrer beabsichtigt großstädtischen Wirkung verdanken wir dem Stadtbaurat Söldner und dem damaligen Bürgermeister Dr. Schuh.

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  Kaiser Wilhelmplatz (Lorlebergplatz)
 
     
 
 
Am 27. März 1919 fand im Redoutensaal eine Versammlung zur Anwerbung für das sogenannte Freikorps Epp statt, das von General Franz Xavier Ritter von Epp geführt wurde. Etwa 1000 Studenten nahmen an dieser Versammlung teil. Etwa 350 Erlanger Studenten traten in das Freikorps ein. Hauptsächlich waren es Studenten der Studentenverbindungen Bubenruthia, Germania, Uttenruthia, Wingolf und Fridericiana. Aufgestellt wurde das Freikorps in Ohrdruf in Thüringen. Nachdem Ministerpräsident Hoffmann die Zentralregierung in Berlin um Hilfe bei der Niederschlagung des kommunistischen Aufstandes in München gebeten hatte, griffen am 30. April Bayerische Freikorps (einschließlich vieler Erlanger Studenten), Preussische Freikorps und reguläre Truppen der Reichswehr unter Führung von Reichswehrminister Gustav Noske München an, beseitigten das Regime und töteten mehrere hundert Kommunisten (und Nicht-Kombattanten) als Vergeltung für die Erschießung von zehn Geiseln durch den Sowjet. Der Kampf um die Rückeroberung Münchens kostete einen Erlanger Studenten, Bruno Donandt, das Leben. Die Regierung Hoffmann konnte von Bamberg nach München zurückkehren.

Trotz eines gemäßigten sozialdemokratischen Ministerpräsidenten kam Bayern mit der Niederschlagung der kommunistischen Revolte in München unter die Kontrolle der politischen Rechten. Dies waren die reguläre Armee, die die Rückkehr der Monarchie favorisierte, Konservative, die gegen die Republik in Berlin waren, und nach und nach die große Masse der Ex-Soldaten, entwurzelt, unfähig Arbeit zu finden und desillusioniert. Für Letztere, viele von ihnen sind an die Univesitäten zurückgekehrt, die Jahre in den Schützegräben das Giftgas und das Schlachten erlebt hatten, war die umstrittene Kapitulation eine radikalisierende Erfahrung, eng verbunden mit dem wirtschaftlichen Niedergang. Diejenigen, die den Krieg überlebt hatten und zum Studium zurückgekehrt waren, hatten sich verändert. Die Stereotype des sorgenfreien und verwöhnten Studenten in seiner farbenprächtigen Verbindungsuniform gab es nicht mehr. Auch die gesellschaftlich herausgehobene Stellung des Studenten war Vergangenheit. Es gab einen neuen Sinn für die Gleichheit der Klassen, die zusammen im Krieg gekämpft hatten und nun gemeinsam unter der Verarmung der Nachkriegsjahre litten. Hinzu kam ein Misstrauen gegenüber Autoritäten, geboren aus der Desillusionierung des Kriegsendes, welches sich in der Folge auf die Regierung der Weimarer Republik übertrug. Was blieb und was verstärkt war, das war ihr Sinn für Loyalität dem „Vaterland“ gegenüber.
 
 
   
 
Kaiser Wilhelmplatz (LorlebergPlatz)  

Album-Nr. er42 (1910)

Kaiser Wilhelmplatz (Lorlebergplatz)

...Fortsetzung

Der Platz heißt seit 1949 Lorlebergplatz. Geehrt wird damit der Oberstleutnant Werner Lorleberg, der die Stadt im April 1945 kampflos den Amerikanern gegen seinen Befehl übergeben hat. Damit hat er den Untergang Erlangens, einer Stadt voller Kriegsflüchtlinge und Verwundeter, verhindert. Ein fanatischer Anhänger des Nazi-Regimes hat ihn erschossen. Ich habe die Geschichte in einem Gedicht erzählt (siehe unten).

 
     
 
  Der Kommandant
(von Wolfgang Appell)
 
     
  Feind-Flieger über dem Bahnhof kreisen,
drohen der Stadt mit Schrecken und Tod.
Menschen hasten zwischen den Gleisen,
plündern Büchsen mit Fleisch und Brot.
Keiner von ihnen wird heute mehr reisen.
Sterben verkündet das Abendrot.
Fünfzigtausend füllen die Stadt,
die der Kommandant zu halten hat.

Panzergranaten lärmen greller,
schlagen mit schrillem Pfeifen ein.
Nachbarn sitzen gedrängt im Keller,
wachen die Nacht bei Kerzenschein.
Ruhe dämmert und es wird heller,
am Burgberg sollen schon Schwarze sein.
Feuerpause! Die Stadt liegt still,
die der Kommandant verteidigen will.

Hundert Mann in ihrem Wahne,
kämpfen wollen sie in der Stadt.
Eidesbruch sei die weiße Fahne!
Jedermann größte Ängste hat:
“Lassen sie ab von diesem Plane,
sonst findet eine Katastrophe statt.
Alle Kliniken sind überfüllt.“
Der Kommandant sich in sein Schweigen hüllt.

Soll er Eid und Vaterland verneinen?
Schon im zweiten Krieg ist er Soldat.
Doch eine tote Stadt wär’ zu beweinen,
beginge er nicht ehrenvoll Verrat.
Bomber würden über der Stadt erscheinen,
drum muss er tun, was nie zuvor er tat.
Kampflos will er übergeben.
Der Kommandant befiehlt das Leben.

Achtzig flohen, zwanzig blieben,
fanatisch in ihrem Widerstand.
Wollen den Befehl geschrieben,
so unterschreibt der Kommandant.
Durch einen Schuss von Hass getrieben,
stürzt der Oberstleutnant in den Sand.
Langsam färbt die Uniform sich rot.
Der Leutnant schließlich schießt ihn tot.
 
 
   
  Erlangen, Luitpoldplatz, heute Hugenottenplatz (Hugo)  
     
  Album-Nr. er162 (1910)                    Hugenottenplatz - früher Luitpoldplatz  
     
 
Erlangen, Luitpoldplatz 1910
 
   
  Luitpoldplatz (Hugenottenplatz)  
     
  Album-Nr. er53 (um 1910)  
   
 
Luitpoldplatz (Hugenottenplatz)   Luitpoldplatz Detail
     
Album-Nr. er03 (geschrieben 1920)   Detail
 
   
  Erlangen, Bubenruthia, 105. Stiftungsfest 1922  
 

Album-Nr. er167
 

Die Burschenschaft Bubenruthia feiert am 22. Juli 1922 ihr 105. Stiftungsfest. Der Festzug kommt, heute würde man sagen aus Richtung Arkaden, 1922 hätte man gesagt, sie kommen aus Richtung Nürnberger Tor, also aus Süden. Die Spitze des Festzuges befindet sich auf dem Hugenottenplatz, damals Luitpoldplatz, vor dem Kaufhaus Alfred Otto (heute Thalia-Buchhandlung).
 
   
  Erlangen, Luftbild Hugenottenplatz  
  Album-Nr. er143  
     
 
 
Der Vertrag von Versailles

Am 7. Mai 1919 wurden die Bedingungen des Versailler Vertrages in Berlin veröffentlicht. Deutschland wurde gezwungen Gebiete an Frankreich, Belgien, Dänemark und Polen abzutreten. Die Streitkräfte wurden auf 100 000 Mann begrenzt. Harte Reparationszahlungen wurden verlangt und hinzukam die Anerkennung der alleinigen Kriegsschuld. Bei einer möglichen Zustimmung zu dem Vertrag, würde die Weimarer Republik als verantwortlich für einen schändlichen Ausverkauf aller Prinzipien, mit den Deutschlands Kriegsveteranen aufgewachsen waren, wahrgenommen werden. Am 15. Mai gab es auf dem Schlossplatz eine große Demonstration gegen die Bedingungen des Versailler Vertrages. In ganz Deutschland wurde die Regierung durch solche Demonstrationen gedrängt den Versailler Vertrag nicht zu unterschreiben. Nach vielem Hinauszögern und Gesprächen mit dem Militär akzeptierte die Weimarer Regierung schließlich die Bedingungen am 24. Juni 1924. Vier Tage später wurde der Vertrag in Versailles unterzeichnet. Das Ergebnis war eine gespaltene deutsche Nation. Weder die konservativen Kräfte in Deutschland noch das Militär würden den Versailler Vertrag jemals akzeptieren. Diejenigen in der Regierung, die nach endlosen Debatten widerstrebend unterschrieben hatten, wurden von ihren Gegnern als Verräter gebrandmarkt.

Schon während der Pariser Verhandlungen über einen Friedensvertrag gab es in Erlangen gemeinsame Protestkundgebungen der Erlanger Parteien. Nach Bekanntwerden der Bedingungen des Friedensvertrages veranstalteten die Erlanger Parteien spontan eine weitere Aktion.

Kundgebung zum Versailler Vertrag in Erlangen
 
 
   
 

Album-Nr. er04 (geschrieben 1932)

Luitpoldplatz (Hugenottenplatz)

Zur Erinnerung an die am 17.5.1686 erfolgte Einwanderung der ersten Hugenotten in Erlangen wurde der bisherige Luitpoldplatz (1887-1936) bzw. der vorige Holzmarkt 1936 in Hugenottenplatz umbenannt. 1887 wurde der Holzmarkt nach dem Prinzregenten Luitpold von Bayern benannt. Im 18. Jahrhundert hieß der Platz 'Französischer Markt' oder 'Place devant le Temple et la Douane'.

  Luitpoldplatz (Hugenottenplatz)
 
     
 
 


Fünf Redner sprachen zu der auf dem Marktplatz versammelten Menge: Obersekretär Vogel (SPD) vom Rathaus aus (Palais Stutterheim), Reallehrer Vogel (DDP) vom 1. Stock des Bezirksamtes aus, Geheimrat Prof. Dr. Karl Müller (Mittelpartei) vom Balkon über der Buchhandlung Krische aus, Sekretär Götz (BVP) aus einem Fenster über Heß & Petersen aus und der Weber Schneider (USPD) vom Schloss aus.
 
 
   
 
Marktplatz  

Album-Nr. er24 (geschrieben 1912)

Marktplatz

 

 
   
  Erlangen, Marktplatz 1904  
     
  Album-Nr. er127 (1904)  
   
 
Album-Nr. er25
  Markplatz
   

Album-Nr. er43

geschrieben 1907

  K.B. 19. Infantrie-regiment am Marktplatz in Erlangen
 
     
 

Erlangens Geschichte als Garnisonsstadt begann 1868. Die 400 Soldaten des Königlich Bayerischen 6. Jäger-Bataillons, die zunächst in städtischen Quartieren untergebracht waren, bezogen 1877 die neu erbaute Kaserne an der Bismarckstraße (damals Kasernstraße). Seit 1920 wurde dieses Kasernengebäude für Notwohnungen und Obdachlosenunterkunft verwendet, und von den Erlangern daher als "Wanz'nburg" bezeichnet. 1955 wurde es für die Neubauten der Universität (Phil-Fak) abgerissen. Bereits am 19. August 1879 musste das 6. Jäger-Bataillon Erlangen verlassen.

An seiner Stelle wurde das III. Bataillon des Kgl. Bayer. 5. Infantrie-Regiments "Grossherzog von Hessen" aus Bamberg nach Erlangen verlegt. Es blieb hier in Erlangen bis zur Errichtung des 19. Infantrie-Regiments in Erlangen.

1890 wurde mit dem Bau der neuen Kaserne an der Drausnickstraße (früher Buckenhofer Landstraße, dann Luitpoldstraße) begonnen. 1893 wurden die ersten fertigen Kasernengebäude bezogen. Die 4 Bataillone des 19. Infantrie-Regiments waren dann in Erlangen stationiert.
 

1900 begannen die Arbeiten für die Artillerie-Kaserne an der Artilleriestraße für 10. Kgl. Bayer. Feldarteillerie-Regiment. Am 1. Oktober 1901 befand sich dann das gesamte Kgl. Bayer. 10. Feldartillerie-Regiment in Erlangen.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Garnison in Erlangen stark reduziert. Bis zum 23. März 1921 blieben in Erlangen neben der Abwicklungsstelle des 19. Infantrie-Regiments und des 10. Feldartillerie-Regiments sowie dem Garnisonslazarett (heute Hautklinik) und dem Gefangenenlager nur das I. Bataillon des Reichswehr-Infantrie-Regiments Nr. 45, die II. Abteilung des leichten Feldartillerie-Regiments Nr. 24 und die 4. Leichte Minenwerfer-Batterie Nr. 24. Ab Mitte 1921 waren in Erlangen nur noch ein Ausbildungs-Bataillon des Reichswehr-Infantrie-Regiments 21, eine Ausbildungs-Batterie des (bayer.) Artillerie-Regiments 7 und eine Eskadron der Fahrabteilung 7 stationiert.

Während des 3. Reiches wurden die militärischen Anlagen östlich der Artilleriekaserne 1935 durch den Bau der "Rheinlandkaserne" an der Artilleriestraße und 1938 südwestlich durch den der "Panzerkaserne" an der Hartmannstraße erweitert.
 
     
 
 
Während der SPD-Redner, Obersekretär an der Erlanger Ortskrankenkasse Michael Vogel, die Unzumutbarkeit der materiellen Belastungen und die Deutschland verweigerte Gleichberechtigung in den Vordergrund seiner Kritik stellte, betonten die Sprecher der bürgerlichen Parteien, dass die von den Siegermächten geforderte Verurteilung des deutschen Kaisers und die Brandmarkung Deutschlands als alleinigen Kriegsschuldigen "geradezu gemein" seien, "Schmach und Schande, roheste Entehrung und raffinierteste Demütigung" bedeuteten. Zu einer andern Möglichkeit als diesen "Gewaltfrieden" einen "flammenden Protest" entgegenzusetzen oder die Unterschrift unter diesen Vertrag kategorisch zu verweigern, sah man sich allerdings außerstande. Zwar hoffte der Vertreter der USPD, der Weber Georg Schneider, auf eine "Revidierung des Versailler Irrenhausvertrages durch das internationale Proletariat", und der BVP-Redner Georg Götz appellierte sogar, "zum Härtesten bereit" zu sein, doch die einmütig angenommene Entschließung zeigte deutlich, dass man sich bewusst war, über einen verbalen Protest hinaus nichts unternehmen zu können:

"Die Gewalthaber der Entente wollen uns einen barbarischen Gewaltfrieden aufzwingen. Ihre Bedingungen sind ein Hohn auf Recht und Gerechtigkeit. Sie bedeuten die roheste Entehrung und dauernde Verelendung des deutschen Volkes. Wir aber verlangen einen Frieden des Rechts. Wir fordern ihn um unseretwillen und der Menschheit willen. Ein Frieden der Gewalt und des Unrechts schafft immer wieder neue Gewalt und neues Unrecht; er kann nicht dauern und muss wie eine bösartige Krankheit überwunden werden. Ein Völkerfriede des Rechts bringt allen Völkern Segen. An alle Völker geht deshalb der Ruf: Helft zusammen zu einem dauernden Frieden des Rechts, der der ganzen Menschheit nützt."

Alle Proteste gegen den "Gewaltfrieden" sowie die schriftlichen Einwände der deutschen Delegation in Paris änderten die Grundeinstellung der Siegermächte gegenüber dem besiegeten Deutschland nicht. Ultimativ zwangen sie am 16. Juni die deutsche Regierung, den Vertrag in seiner nur leicht geänderten Form innerhalb von sechs Tagen anzunehmen oder abzulehnen. Nachdem sich die Nationalversammlung mit einfacher Mehrheit für die Annahme des Vertrages ausgesprochen hatte und die Regierung Scheidemann aus Protest zurückgetreten war, unterschrieben die Beauftragten der neuen Koaltionsregierung von MSPD und Zentrum unter Gustav Bauer, Außenminister Hermann Müller und Verkehrsminister Johannes Bell, am 28. Juni in Versailles das Dokument.
 
 
   
 
Erlangen, Martin-Luther-Platz um 1910  

Album-Nr. er136 (~1910)

Martin-Luther-Platz

Anlässlich der 400- Jahrfeier der Einführung der Reformation in Erlangen 1928 wurde der "Altstädter Holzmarkt" nach dem Reformator Dr. Martin Luther (1483-1546) umbenannt. Im 18. Jahrhundert hieß der Platz "Altstädter Marktplatz" bzw. "Altstädter Rathausplatz". Das repräsentative dreistöckige Gebäude rechts ist das ehemalige Altstädter Rathaus und heutige Stadtmuseum.

 
     
 
Links der zweigeschossige Eckbau mit zwei Flügeln - Hauptstr. 103, erbaut 1706 - ist der Brauereigasthof "Niclasbräu". Heute findet man dort "Papa Joe's". Wer in den 70igern in Erlangen studiert hat, der ging dort in die Wienerwald-Filiale. Knusprige Hähnchen waren damals angesagt. Der zweigeschossige Eckbau gegenüber, ebenfalls zweiflügelig - Hauptstr. 100, erbaut 1706 - ist der Gasthof "Silberner Panzer", der 1983 zum "Pleitegeier" mutierte. Das Bürgerhaus rechts neben dem Stadtmuseum - erbaut 1716 - beherbergt heute zwei Gaststätten, die "Creperie" und das "Lennox". Das Bürgerhaus links vom Stadtmuseum wurde um 1720 erbaut.
 
   
  Martin-Luther-Platz Erlangen Luftbild  
  Album-Nr. er190  
   
  Erlangen, Martin-Luther-Platz um 1905  
  Album-Nr. er178 (um 1905)                     Martin-Luther-Platz  
   
 

Album-Nr. 100 (1914)

Maximiliansplatz

Im Jahr 1891 wurde die Irrenhausstraße in Maximiliansplatz umbenannt (nach Maximilian II., 1848-1865 König von Bayern). Rechts sieht man den Brunnen mit dem Brunnen-Buberl und das Gebäude ist der Verwaltungstrakt der früheren Heil- und Plegeanstalt (Hupfla).

  Erlangen Maximiliansplatz 1914
 
   
 
Brunnenbuberl am Maximiliansplatz   Detail Brunnenbuberl
 
     
 

Album-Nr. er11 (ca. 1920)

Brunnenbuberl am Maximiliansplatz

Auf der Bayerischen Landesausstellung 1906 in Nürnberg erwarb der Erlanger Kaufmann und Kommerzienrat Hans Lehner eine Brunnenfigur. Es war die Nachbildung des Brunnenbuberls, dessen Original am Stachus in München stand. Die Figur wurde in einer Brunnenanlage in der Schenkstraße aufgestellt. Manch prüder Erlanger Bürger störte sich an der Nacktheit des Knaben, und so musste die Polizei des öfteren Badehöschen entfernen. 1946 wurde dieses Ensemble mutwillig zerstört. Seit 1963 ist die unversehrt gebliebene Knabenfigur auf dem Maximiliansplatz aufgestellt. 2001 wurde sie in eine neue Brunnenanlage einbezogen.
 
     
 
 
Das Ende der "Revolution": die Stadtratswahlen vom Juni 1919

So einig sich die bürgerlichen Parteien und die SPD im Frühjahr 1919 sowohl in der Abwehr revolutionärer Gefahren von links als auch in der Ablehnung des Versailler Friedensvertrages gezeigt hatten, so abrupt fielen sie politisch auseinander, als es im Juni 1919 darum ging eine neues Stadtparlament zu wählen. DVP/DDP, BVP und Mittelpartei schlossen sich in gemeinsamer Frontstellung gegen die Sozialdemokratie zusammen: "Wer keine sozialdemokratische Mehrheit im Stadtrat will, wer die Nase voll hat von den Experimenten der Radikalen, der tue morgen seine Pflicht und wähle die Kandidaten der bürgerlichen Listen", konnten die wahlberechtigten Bürger vor dem Wahlsonntag im "Erlanger Tagblatt" vom 14. Juni lesen. Die SPD musste zudem durch das Auftreten der USPD mit einer eigenen Liste eine Spaltung ihrer Stammwähler befürchten. Auf der anderen Seite sahen die Liberalen DVP/DDP ihre bisherige absolute Mehrheit im Magistrat und im Gemeindekollegium in Gefahr. Durch die kommunale Neuordnung war diese Zweiteilung aufgegeben und die Wahl eines einheitlichen Vertretungsorgans ausgeschrieben worden, das als "Stadtrat" in Erlangen 30 Mitglieder umfasste. Die Liberalen rechneten sich nun aus, dass nach den Ergebnissen der Landtagswahl vom Januar die SPD 16 Mandate und somit die absolute Mehrheit erreichen könnte. Sie beschworen daher in Aufrufen die "Opferfreudigkeit" und das "staatsbürgerliche Pflichtgefühl" ihrer Mitglieder, in der "Wahlarbeit" nicht hinter der "musterhaft" organisierten Sozialdemokratie zurückzustehen.

Untersucht man, welche Gesellschaftsschichten die Parteien in ihrer Wahlwerbung ansprachen, so erkennt man deutlich folgende Gruppierungen: Die SPD wandte sich an die "erwerbstätige Bevölkerung" und die "besitzlosen Massen", Die DVP (Liberalen) an die Selbstständigen im gehobenen Mittelstand, die BVP und die Mittelpartei wandten sich in erster Linie an das Bürgertum im handwerklichen und kaufmännischen Gewerbe sowie an die Bauernschaft. Als einzige Partei ging die Mittelpartei auf "Offiziere und Studenten", nicht aber auf die Arbeiterschaft ein.
 
 
   
 
Puchtaplatz (Langemarckplatz)  

Album-Nr. er13 (geschrieben 1917)

Puchtaplatz (Langemarckplatz)

1896 wurde eine damals noch weitest unbebaute Fläche südlich der Henkestraße nach dem Juristen Georg Friedrich Puchta (1798-1846) benannt. Das Prinzregent-Luitpold-Schulhaus, heute Christian-Ernst-Gymnasium wurde 1902 in neobarockem Stil erbaut. 1937 benannten die Nazis den Platz in Langemarckplatz um. Sie deuteten den rechts-konservativen, nationalistischen 'Langemarck-Mythos' im Sinne der Nazi-Ideologie um.

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Verglichen mit den vorangegangenen Landtags- und Reichtagswahlen war die Wahlbeteiligung bei den Stadtratswahlen niedriger. Den Wählerrückgang bekam vor allem die SPD zu spüren. Sie fiel von rund 50 % der Stimmen auf 36,9 % zurück und erhielt nur elf Mandate. Selbst wenn man die drei Sitze für die USPD hinzurechnet, bleibt dennoch als Ergebnis, dass sich das politische Schwergewicht zugunsten des bürgerlichen Lagers mit 16 Sitzen verschoben hatte. Anzumerken bleibt, dass erstmals mit der Weberin Margarete Dressel (SPD) und der Volksschullehrerin Elise Spaeth (DDP) auch zwei Frauen ins Stadtparlament einzogen.

Sieben Wochen nach der Stadtratswahl löste sich der Arbeiterrat auf. Der Soldatenrat war nach der Verhaftung von Soldatenrat Weigl wegen Befehlsverweigerung nicht mehr zusammengetreten und verfiel ab Mai 1919 organisatorisch vollständig. Paul Ritzer, der Vorsitzende des Arbeiterrates, erklärte in der letzten Sitzung des Vollzugsrates am 5. August, dass die Arbeiterräte ihre Funktion als Übergangsorgan voll erfüllt hätten: "Durch die unterdessen stattgefundenen Wahlen zu Parlament, Gemeinde sowie Betriebsräten ist die Vertretung der politischen sowie gewerkschaftlichen Interessen ausschließlich durch die Wahl des Volkes selbst auf diese Körperschaften übergegangen. Es liegt kein Grund vor, in Anbetracht dieser vollzogenen Tatsachen die Existenz des Arbeiterrates weiter beizubehalten." Der revolutionäre Umbruch in Erlangen hatte damit auch formell sein Ende gefunden.
 
 
   
 

Album-Nr. er16 (geschrieben 1911)

Puchtaplatz (Langemarckplatz)

Der 'Langemarck-Mythos', den man besser als 'Langemarck-Lüge' bezeichnen sollte, wurde von den Nazis reichsweit normiert und umgeformt, bis hin zum „Langemarck-Studium“, das Arbeiter, Handwerker und Bauern ohne Abitur binnen drei Semestern auf ein Universitätsstudium vorbereiten sollte, sofern sie den ideologischen Kriterien „rassischer Reinheit“ und nationalsozialistischem Engagement entsprachen. Dass der Platz noch heute Langemarckplatz heißt, ist eine Schande für Erlangen.

  Puchtaplatz (Langemarckplatz)
 
   
  Langemarckplatz Erlangen  
  Album-Nr. er191  
   
 
Theaterplatz   Restaurant zur Harfe
 
     
 

Album-Nr. er40 (um 1905)

Theaterplatz

  Detail: Restaurant zur Harfe
 
   
 

Album-Nr. er26

Theaterplatz (um 1916)

Bis 1848 hieß der Platz 'Geismarkt'. Hier feierte man Feste und nutzte den Platz für Jahrmärkte. Ab 1884 verströmte ein Palmengarten südliches Flair. Seit ca. 1970 Jahre wird der Theaterplatz als Parkfläche genutzt.

„O quam cito transit gloria mundi!“

  Theaterplatz
 
   
  Erlangen, Theaterplatz, Altstädter Kirchenplatz  
     
  Album-Nr. er155 (1913)  
     
  wird fortgesetzt  
   
 
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