Straßen  
     
  Luftbild Erlangen um 1929  
     
 
Album-Nr. er93

Die Karte wurde am 3. Januar 1930 abgestempelt. Demnach stammt das Luftbild vermutlich aus den Jahren 1928/29. Mit Mausklick auf das Bild können Sie sich eine größere Version anschauen.
 
     
   
     
 
Die Stadtpläne stammen aus den Jahren 1910 und 1929. Was hat sich geändert?
 
     
 
Bayreuther Straße  

Album-Nr. er35

Bayreuther Straße 1913

Der Blick geht nach Norden zum Burgberg mit dem Wasserturm. Der Pferdewagen wird nach wenigen hundert Metern den beschränkten Bahnübergang vor dem Burgbergtunnel erreichen (siehe oben). Eine Brücke über die Bahngleise gab es damals noch nicht.

Der Schornstein auf dem Burgberg gehört zur Bürstenfabrik Kränzlein. Überhaupt ist das Panorama der Stadt im frühen 20. Jahrhundert durch zahlreiche Fabrik-Schornsteine geprägt (siehe unten).

 
   
  Erlangen, Partie an der bayreuther Straße um 1900  
  Album-Nr. er172 (um 1900)  
   
 
 
Erlangen 1910 - 1914

Erlangen schien um 1910 der Inbegriff einer kleinen, friedlichen Universitätsstadt zu sein, in der Professoren unaufgeregt ihren Lehrauftrag erfüllten und Studenten ihren Studien nachgingen und Trinkgelage feierten. Der Straßenverkehr beschränkte sich auf Fahrräder, Pferdefuhrwerke und Ochsenkarren, während die Fußgänger ungefährdet in der Straßenmitte lustwandeln konnten (sogar auf der Hauptstraße). In den Jahren vor dem 1. Weltkrieg wurde das gesellschaftliche Leben der Universität hauptsächlich von den studentischen Organisationen der Corps und Burschenschaften geprägt, obwohl ihre Anzahl bei nur etwa 300 Mitgliedern lag. Manche beschrieben die Corps-Studenten als biersaufende Tyrannen, die keinerlei Respekt vor den Rechten anderer hätten, allgemein aber genossen sie in Stadt ein beträchtliches gesellschaftliches Prestige. Erlangen hatte 1910 etwa 25000 Einwohner. Die Anzahl der Studenten lag bei 1160 und es waren noch etwa 2200 Soldaten in der Stadt. Der Anteil der Katholiken war im 19. Jahrhundert dramatisch von 3 % 1812 auf 33 % um 1910 gestiegen.

 
 
   
 

Album-Nr. er30

Bayreuther Straße 1910

Der Blick vom Burgberg aus folgt dem Verlauf der Bayreuther Straße von der Essenbacher Brücke bis zum Martin-Luther-Platz (früher Rathausplatz). Die hohen Schornsteine in der Innenstadt gehören meist Brauereien, gegen den Stadtrand zu den Mälzereien von Erich- und Reifbräu, zu zwei Dampfziegeleien in Essenbach, zur Elektromedizinischen Fabrik von "Reiniger, Gebbert & Schall", zur Stauchschen Eisengießerei, zur Buntweberei "Weber & Ott" und zur Mechanischen Baumwollspinnerei, ferner zu Gas- und Elektrizitätswerk, zu Schlachthof und Wasserwerk.

  Blick in die Bayreutherstraße
 
     
 
 
Die Jüdische Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts entstand erst, nachdem der bayerische Landtag 1861 die allgemeine Freizügigkeit für Juden in Bayern beschlossen hatte. Im Jahr zuvor (1860) hatte der Magistrat der Stadt Erlangen bereits einstimmig der Aufnahme eines jüdischen Tuch- und Schnittwarenhändlers zur Niederlassung in Erlangen zugestimmt. Schnell zogen aus der Umgebung jüdische Familien zu. 1873 wurde ein Betsaal im Haus des Kaufmanns Josef Levin in der Friedrichstraße 6 eingerichtet. 1878 wurden die oberen Räume im Haus Dreikönigstraße 1 gemietet, um dort eine Synagoge (Beträume je für Männer und Frauen) und einen Versammlungsraum für die Gemeinde einzurichten. Dieser Betsaal der jüdischen Gemeinde war bereits 1880 von dem damals in der Stadt aufkeimenden Antisemitismus betroffen. Im Sommer 1880 hielt der Berliner Theologe und Antisemit Adolf Stöcker vor Studierenden der Theologie einen seiner Vorträge, was dazu führte, dass am 1., 2. und 3. August in dem jüdischen Haus, in dem sich auch der Betsaal befand, die Fenster eingeworfen wurden. Die weitere Geschichte zeigt, dass die Universität eine stetige Eiterpustel des Antisemitismus war. Dennoch muss man die Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg als eine positive Periode für die Erlanger Juden beschreiben. Sie wurden mehr und mehr in das wirtschaftliche und politische Leben der Stadt integriert. Einzelne gewannen großes öffentliches Ansehen z.B. der Arzt Prof. Dr. Jakob Herz, dessen Denkmal einst auf dem Luitpoldplatz (Hugenottenplatz) stand. Seine Beerdigung 1871 fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt.
 
 
   
 
Erlangen Panorama  

Album-Nr. er29

Blick zur Bayreuther Straße 1916

Die junge Dame sinnt vermutlich auf einer Bank im Schunck'schen Garten am Burgberg oberhalb des Burgbergtunnels. Sie schaut hinunter zur Bahn, zum Kanal, zum Martinsbühler Kirchlein und dem Altstädter Friedhof. "Wie vergänglich doch alles ist", denkt sie, "in hundert Jahren werden die Felder vor der Stadtmauer und mein geliebter See dort unten wohl bebaut sein".



Unten: Ein ähnlicher Blick auf Erlangen um 1840

 
     
  Erlangen, Blick vom Burgberg um 1840  
     
 
 
Am 7. Juli 1914 wurde ein Besuch des neuen Königs in Erlangen geplant. Zu seinem Empfang traf die Stadt umfangreiche Vorbereitungen. Das 19. Infantrie-Regiment wurde ausgewählt (zusammen mit Vertretern der Stadt) den König und seine Gesellschaft am Bahnhof zu empfangen, worauf eine Parade folgen sollte. Die eigentliche offizielle Begrüßung sollte im Schlossgarten an der Orangerie stattfinden. Die Ankunft des Königs war für 10.30 morgens und seine Abreise für 17.00 Uhr nachmittags geplant. Doch dieser Besuch kam nie zustande. Am 28. Juni 1914 wurden der österreichische Thronfolger Prinz Franz Ferdinand und seine Ehefrau in Sarajewo erschossen. An diesem Tag befand sich Ludwig und seine Familie zu einem Besuch in Würzburg. Nach Eintreffen der Nachricht eilte die königliche Reisegesellschaft nach München zurück. Bekanntlicherweise war dieses Attentat der Auslöser für den 1. Weltkrieg. Anfänglich wurde der Erlangenbesuch weiter geplant, doch die jetzt folgenden Ereignisse brachten das Land näher und näher an einen Krieg. Am 26. Juli, einen Tag vor dem geplanten Besuch, kam die Absage der Bayerischen Regierung per Telegramm. In Erlangen war die Enttäuschung groß. Am darauffolgenden Tag begann mit der Kriegserklärung gegenüber Russland für Deutschland der 1. Weltkrieg und die Mobilisierung wurde ausgerufen. War vortags die Enttäuschung über die Absage des königlichen Besuchs noch groß gewesen, führte die Ankündigung der Mobilisierung zu einer Welle der patriotischen Begeisterung in der ganzen Stadt. Es gab Demonstrationen zur Unterstützung der Regierung, wobei patriotische Lieder wie „Deutschland, Deutschland über Alles“ und die „Wacht am Rhein“ gesungen wurden. Studenten marschierten durch das Nürnberger Tor zum Martin-Luther-Platz und bekräftigten dort am Kriegerdenkmal ihre Unterstützung. Der Kommandant des 19. Infantrie-Regiments, Oberst Maximilian Drausnick, hielt eine aufrüttelnde Rede. Am Abend wurde im Pratergarten zu Ehren derjenigen eine Abschiedsfeier veranstaltet, die Erlangen verlassen würden um für Deutschland zu kämpfen [der Prater, seit 1826 ein Biergarten, lag im Geviert von Südlicher Stadtmauerstraße, Nürnbergerstraße, Henkestraße, Fahrstraße auf dem Gelände des früheren Botanischen Gartens der Universität (1770-1826)]. Der Krieg mit Frankreich begann am 3. August.

Auszug des 10. Feldartillerie-Regiments 1914 in den Krieg

Auszug des 10. Feldartillerie-Regiments 1914 in den Krieg

Ausmarsch des 19. Infantrie-Regiments 1914, Erlangen Luitpoldstraße - Zollhausplatz

Ausmarsch des 19. Infanterie-Regiments am 8. August 1914 über Luitpoldstraße und Zollhausplatz

 
 
   
 
Bayreuther Straße   Erlangen Panorama
     
Bayreuther Straße 1908 (Detail)   Album-Nr. er31
 
     
  Erlangen, Blick zur Bayreuther Strasse mit dem Bayreuther Tor um 1860  
     
 
Bayreuther Straße um 1860

Hier blicken sie rechts direkt in die Bayreuther Straße. Sehr schön zu erkennen ist das Bayreuther Tor. Es wurde leider 1865 als Verkehrshindernis abgerissen. Wie wäre wohl heute die Verkehrsführung durch die Stadt, wenn es noch stehen würde. In der Mitte oben ist auch gut der Wasserturm für den Schlossgarten zu erkennen.
 
   
 
 
Erlangen 1914- 1917

Die in Erlangen stationierten militärischen Einheiten, das 19. Infantrie-Regiment und das 10. Feld-Artillerie-Regiment, verließen Erlangen am 8. August 1914. Um die militärischen und zivilen Einrichtungen als auch die Munitionsdepots zu schützen und um Kriegsgefangene zu bewachen wurde eine neue Einheit aufgestellt, das 2. Bataillon des Bayerischen Landwehr Infantrie-Regiments.

Zug des 19. Infantrieregiments in Erlangen um 1914

Zug des 19. Infanterie-Regiments in Erlangen

Die Zahl der Studenten, die im Sommersemester 1914 lag etwas über 1300. Von diesen hatten sich 1214 für das folgende Wintersemester eingeschrieben, 900 zogen in Krieg. Die meisten der Studenten, die blieben, waren entweder Frauen oder verwundete Soldaten, die nach Hause zurückgekehrt waren. Im folgenden Jahr lag die Zahl bei ungefähr 1000.
 
 
   
 
Erlangen, Viertel Cedernstrasse-Vierzigmannstrasse 1915
 
     
  Album-Nr. er158 (1915)  
     
 
Viertel Cedernstraße-Vierzigmannstraße

Auch für mich eine völlig ungewohnte Perspektive Erlangens. Dank des Stadtarchivs weiß ich, dass das Gebäude im Vordergrund - Mitte links - die Cedernstr. 6 ist. Sie blicken demnach auf das Viertel Cedernstraße-Vierzigmannstraße. Gehen Sie am Gebäude entlang in Richtung Schwabachgrund, kommen Sie heute zur Brauerei Steinbach. Die Schornstein links gehören zum Steinbachbräu von 1915.
 
   
  Erlangen, Blick zur Essenbacher Strasse 1900  
     
  Album-Nr. er163 (1900)                                  Essenbach  
     
  Der Blick geht nach Essenbach und zur Essenbacher Straße, die links am Bildrand in die Bayreuther Straße mündet.  
   
 
Erlangen, Kreuzung Bayreuther Strasse mit Essenbacher Strasse um 1940  

Album-Nr. er130 (1940)

Essenbacher Straße

Sie blicken Einmündung der Essenbacher Straße in die Bayreuther Straße. Im Vordergrund die Essenbacher Brücke. Die Häuser gehören zum Erlanger Ortsteil Essenbach. Gut zu erkennen auch der Anfang der Bergstraße und unter den Bäumen die zwei Kellertürme.

Unten: Sie werfen um 1750 vom Burgberg aus ein Blick hinunter nach Essenbach und die Bergstraße.

 
     
 
  Erlangen, Ortsteil Essenbach um 1750  
 
   
 
Erlangen, Bergstraße
 
  Album-Nr. er131                                    Bergstraße 1898  
   
 
Nördlicher Teil der Bismarckstraße  

Album-Nr. er45

Bismarckstraße

Man blickt in den nördlichen Teil der Bismarckstraße. Hinten rechts der große Block ist die alte Infantriekaserne. Heute steht da die Phil-Fak (noch). Dem Stil der Karte kann man entnehmen, dass sie 1931/32 gedruckt wurde. Was noch auffällt, sind die Bäume zu beiden Seiten der Bismarckstraße. Vermutlich war der südliche Teil ebenso mit Bäumen bepflanzt. Der Siegerentwurf zur Neugestaltung der Bismarckstraße sieht ja ebenfalls eine Bepflanzung mit Bäumen vor. Die Kritiker dieses Entwurfs sollten noch einmal nachdenken.

 

 
     
  Bismarckstraße mit Infantriekaserne  
     
 
 
Auch der Lehrkörper der Universität war betroffen. Einundzwanzig von ihnen wurden in den ersten Kriegstagen eingezogen. Einer, ein Chemieprofessor namens Eduard Jordis, ein Major und Bataillonskommandeur, fiel in Frankreich am 31. Oktober 1917. Von den Studenten fielen 347 (davon über 300 an der Westfront) und 31 blieben vermisst. Diese Zahl repräsentiert ein Drittel der Erlanger Studentenschaft zu Beginn des Krieges. (Im Gegensatz dazu fiel im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nur ein Erlanger Student.) Mehr als 600 Erlanger, nicht gezählt die nur in Erlangen stationierten Soldaten, sind gefallen. Von den in Erlangen stationierten Soldaten verloren 3000 ihr Leben. Darunter war auch der populäre Kommandeur des 19. Infantrie-Regiments, Oberst Maximilian Drausnick. Er fiel am 28. Februar 1916 in Frankreich. Unter den gefallenen Erlangern war ebenfalls drei Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Am 28. August 1914 kamen die ersten verwundeten Soldaten nach Erlangen zur Behandlung. Bald reichten die Kapazitäten der Erlanger Kliniken nicht mehr aus. So wurden das Schloss, das Kollegienhaus, Hotels und Häuser von Corps und Burschenschaften zu Lazaretten umgewidmet. Da die jungen Männer abwesend waren, mussten die Frauen ihre Aufgaben übernehmen.

Reservelazarett im Haus der Studentenverbindung Bubenruthia 1915

Reservelazarett im Haus der Studentenverbindung Bubenruthia 1915

Erlangen Reserve Garnisonslazarett Station A Zimmer 20

Erlangen Reserve Garnisonslazarett Station A Zimmer 20
Die Karte wurde am 7.11.1918 in Erlangen versendet.

Erlangen, Buterverkauf am Marktplatz 1916

Butterverkauf am Marktplatz 1916

Erlangen war auch Internierungsort für Kriegsgefangene. Um 1915 lag die Zahl der auf dem Gelände der Artilleriekaserne (Exerzierplatz) internierten Kriegsgefangenen (Russen, Franzosen und Italiener) bei 3600. Diejenigen, die in Gefangenschaft starben, wurden auf dem Zentralfriedhof an der Äußeren Brucker Straße bestattet. Im Juli 1919 erichteten russische Kriegsgefangene für ihre Toten ein zwei Meter hohes Granit-Denkmal mit russischer Inschrift. 1929 wurden die Gebeine der russischen Toten (271) exhumiert und in zwei Sarkophagen auf beiden Seiten des Denkmals bestattet. Die Körper der französischen und italienischen Toten wurden 1926 in ihre Heimatländer überführt.

Gefangenenlage am Exerzierplatz in Erlangen 1915

Gefangenlager am Exerzierplatz 1915

 
 
   
 

Album-Nr. er61 (1910)

Glückstraße Physikalisches Institut

Vor 1877 hieß die Straße Sandstraße. Ab 1884 wurde sie nach Christian Friedrich Glück, 1755-1831, benannt. Er war Universitätsprofessor der Rechte, bekannter Pandektist (= Zivilrechtler für römisches Recht).

  Glückstraße in Erlangen ca. 1910
 
     
 
 
Zur selben Zeit waren die Soldaten mehr und mehr desillusioniert. Obwohl die Russen, der Zar war gestürzt worden, gezwungen gewesen waren um Frieden zu bitten, konnte der Krieg im Westen nicht gewonnen werden und verursachte nur schwere Verluste an Menschenleben. Es gab Unruhen und die Arbeiter streikten. Im Mai 1918 glaubte ein Kontingent von Soldaten in Erlangen, dass sie Urlaub bekämen, stattdessen aber sollten sie an die Westfront transportiert werden. Wütend verweigerten viele Soldaten den Abtransport; andere wieder feuerten auf ihrem Weg zum Bahnhof Schüsse in die Luft und warfen Steine auf Regierungsvertreter in ihrer Begleitung. Im Zug setzte sich der Aufruhr fort. Während sie Nürnberg passierten brüllten und pfiffen sie und warfen Scheiben ein. Bei einem Aufenthalt in Ingolstadt plünderten sie Geschäfte und verwüsteten das Rathausinnere. Dieses Verhalten stand in starkem Kontrast zu dem Enthusiasmus vier Jahre zuvor. Am 3. November 1918 gab es am Eichenwald eine öffentliche Versammlung an der 2000 Personen teilnahmen. Sozialdemokratische Redner forderten für Deutschland und auch für Bayern ein Ende der Monarchie. Währenddessen meuterten in Kiel die Matrosen, die mit der Flotte zu einem letzten Gefecht mit der Englische Flotte auslaufen sollten. Die Revolution in Deutschland hatte begonnen.

Die Einwohnerzahl Erlangens betrug 1910 um die 25 000 Personen, 224 davon waren Juden. Im Gegensatz zu den antisemitischen Lügenparolen nach dem Krieg, die Juden in Deutschland hätten sich vor der Pflicht fürs Vaterland gedrückt, kämpften die Juden, wie die anderen Deutschen, in den Frontlinien. Aus Erlangen dienten 31 jüdische Männer in den deutschen Streitkräften. Diejenigen Juden, die in Erlangen geblieben waren, unterstützten Deutschland moralisch. Das jüdisch-religiöse Zentrum (Dreikönigstr. 1 – 3) veranstaltete zusammen mit der protestantischen und katholischen Kirche Fürbitt-Gottesdienste für die kämpfende Truppe an der Front. Anna Rosenthal, die Witwe des angesehenen Physiologieprofessors Isidor Rosenthal, gründete 1879 den „Frauenverein vom Roten Kreuz“. Sie leitete die Organisation bis zum Ende des Krieges 1918. Ihr Einsatz während des Krieges für die verwundeten Soldaten war in der Militärlazarett-Stadt Erlangen substantiell. Am Ende des Krieges musste die jüdische Gemeinde in Erlangen drei Gefallene beklagen. Sie waren: Lothar Hopfenmaier, Dr. phil. Josef Gutmann und Willy Weglein. Am 30. Oktober 1921 wurde am jüdischen Bethaus in der Dreikönigstraße für die drei gefallenen jüdischen Soldaten eine Gedenktafel angebracht. Zusätzlich wurde für Hopfenmaier ein Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof aufgestellt.
 
 
   
 
Nürnberger Tor
 
Album-Nr. er32
Album-Nr. er21
Nuernbergertor
 
Album-Nr. er58
  Hauptstraße mit Nürnberger Tor

Hauptstraße mit Nürberger Tor um 1935/40

Im April 1945 bildete das Nürnbergertor für die amerikanischen Panzer ein Verkehrshindernis und wurde deshalb abgerissen.

Auch wenn in den offiziellen Geschichtsseiten der Stadt Erlangen der Nationalsozialismus nur in wenigen Alibisätzen vorkommt, fasste er hier ebenfalls tatsächlich ausgiebigst Fuß.

 
   
 
 
Erlangen, Blick durchs Nürnberger Tor in die Nördliche Hauptstraße
 
     
  Album-Nr. er140 (ca. 1910)  
 
     
 

Hier ein Zitat mit den Straßenumbenennungen in Erlangen im März 1933 aus dem Buch Erlangen: An American's History of a German Town von Gary C. Fouse, Verlag: University Press Of America (7. April 2005), ISBN-10: 0761830243 bzw. ISBN-13: 978-0761830245

"Also in March, the city's main street, Hauptstrasse, was renamed Adolf-Hitler-Strasse. In addition, Bohlenplatz was renamed Dietrich-Eckart-Platz (a planned giant war memorial on the site was never brought to fruition), and Ohm-Platz was renamed Leo-Schlageter-Platz after a German Saboteur who was executed by the french during the occupation of the Ruhr. Rathenaustrasse was renamed Horst-Wessel-Strasse. Other streets were named after Nazi Martyrs such as Herbert Norkus (Liebigstrasse) and Wilhelm Gustloff (Theodor-Klippel-Strasse)."

 
   
 
 
Erlangen 1918

Der provisorische Arbeiter- und Soldatenrat

Mit dem Waffenstillstand am 11. November 1918 hatte Deutschland 15 Tage Zeit seine Truppen aus Frankreich, Belgien, Luxemburg, Elsaß-Lothringen abzuziehen. Diese gewaltige Operation bedeutete den Rückmarsch von 2 Millionen Mann einschließlich ihrer Ausrüstung. Das 10. Bayerische Feld-Artillerie-Regiment begann ihren langen Marsch in Frankreich. Die ersten Soldaten des Regiments trafen am 17. Dezember und die letzten am 20. Dezember in Erlangen ein. Das 19. Bayerische Infantrie-Regiment stand in Belgien. Sie wurden am 14. Dezember in Erlangen von der Bevölkerung begrüßt. Nach ihrer Ankunft wurden sie in das Privatleben entlassen.

Mit dem Ende der Kampfhandlungen wurde der Kaiser zum Abdanken gezwungen und musste in den Niederlanden Asyl suchen. In Berlin trat der Kanzler Max von Baden zurück und am 9. November 1918 rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Republik aus. In München dankte der Wittelsbacher König Ludwig III. ab und floh aus der Stadt. Bayern wurde ein „Volksstaat“ d.h. Republik unter der Führung von Kurt Eisner, einem jüdischen Schriftsteller und Unabhängigen Sozialdemokraten. Die Unabhängigen Sozialdemokraten waren eine linke Abspaltung der Sozialdemokratie. Am 7. November 1918 besetzten Eisner und wenige hundert Anhänger den bayerischen Regierungssitz ohne einen Schuss abzufeuern und riefen die Republik aus. Eisner, ein Berliner, war in Erlangen kein Fremder. Ein Jahrzehnt vorher, als er in Nürnberg der Herausgeber einer sozialistischen Zeitung war, hatte er oft auf Arbeiterkundgebungen in Erlangen gesprochen.

Im Gegensatz zu Nürnberg und Fürth besaß die USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei) in Erlangen noch kaum Anhängerschaft. Hier stand die Arbeiterschaft fest zur Mehrheits SPD. So war der Erlanger Arbeiter- und Soldatenrat nicht das Ergebnis eines revolutionären Aktes wie in München und Nürnberg, sondern eines Treffens von Vertretern der Erlanger SPD und Gewerkschaften am Abend des 8. November. Am frühen Morgen des 9. November übernahm ein provisorischer Arbeiter- und Soldatenrat unter der Leitung von Magistratsrat Andreas Ruppenstein und Oberleutnant Wagner die öffentliche Gewalt in Erlangen.
 
 
   
 
  Erlangen Hauptstraße um 1900  
     
  Album-Nr. er113 (1900)  
 
   
 

Album-Nr. er39 (ca. 1910)

Hauptstraße

 

  Hauptstraße
 
   
 
Erlangen, südliche Hauptstraße 1908  

Album-Nr. er126 (1908)

Links das erste Haus ist die Hauptstr. 62. Oben am Haus steht "Georg Reinhold Buchbinderei". Das Haus daneben, Hauptstr. 60, gehört damals dem jüdischen Tabakwarenhändler Georg Rotenstein. Auf dem Schild über dem Geschäft steht "Orientalische Tabake & Rotenstein-Cigaretten". Der Blick geht nach Süden bis zum Nürnberger Tor.

 
   
 

Album-Nr. er128 (um1908)

Fotographiert ist hier die selbe Ladenzeile wie oben, nur diesmal mit Blickrichtung Norden.

  Erlangen, Hauptstraße
 
     
 
 
Um 6 Uhr morgens hatte Oberleutnant Wagner von der Fliegerschule Fürth mit 30 Mann die Soldaten in der neuen Infantrie- und der Alten Kaserne aufgefordert, sich ihnen zur Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrates wie in Nürnberg und Fürth anzuschließen. Offiziere waren zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend. Mit etwa 150 Soldaten besetzten daraufhin Oberleutnant Wagner und Magistratsrat Ruppenstein um 7.30 Uhr das Rathaus. Von einem Fenster aus verlas Wagner folgenden Aufruf:

"Gleich den Städten Nürnberg und Fürth hat sich heute Nacht auch Erlangen der Republik angeschlossen. Es konstituierte sich ein provisorischer Arbeiter- und Soldaten-Rat im Sitzungssaale des Rathauses. Sämtliche Stadt- und Polizeibehörden haben sich der Sache willig angeschlossen. Die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ist unbedingte Notwendigkeit. Die geschäfte, Fabriken und amtlichen Dienststellen arbeiten unverändert weiter.
Der provisorische Arbeiter- und Soldaten-Rat.
Wagner          Ruppenstein"

Um 10 Uhr versammelten sich die Offiziere im Rathaussaal und erklärten, dass sie sich im Interesse der Ruhe und Ordnung und um Blutvergießen zu vermeiden dem Arbeiter- und Soldaten-Rat unterstellen. Im Erlanger Tagblatt erschien am selben Tag folgender Aufruf:


 
 
   
 
  Erlangen Hauptstraße mit Brunnen 1898  
     
 

Album-Nr. er111 (1898)

Hauptstraße (nördlicher Teil)

Sie blicken in den nördlichen Teil der Hauptstraße vor dem Martin-Luther-Platz. Am Bildrand rechts steht einer der 50 öffentlichen Pumpbrunnen Erlangens. Bis zum Bau des Wasserwerkes, eröffnet am 30. November 1891, musste sich die Stadtbevölkerung aus privaten und öffentlichen Brunnen mit Wasser versorgen. Zunächst war auch nur der Stadtwesten an die Wasserleitung angeschlossen. Erst mit der Fertigstellung des Wasserturmes auf dem Burgberg 1904/05 konnte schließlich die ganze Stadt an die Wasserleitung angeschlossen werden. Diese Pumpbrunnen in der Stadt standen in Holzgehäusen an Straßenecken und waren ein beliebter Treffpunkt für die Erlanger Hausfrauen und Dienstboten, die hier miteinander klatschten.

Unten sehen Sie nahezu den gleichen Teil der Hauptstraße auf eine Karte von 1906. Es haben einige Umbauten stattgefunden.

 
   
  Erlangen, Hauptstraße vor dem Martin-Luther-Platz 1906  
     
  Album-Nr. er171  
 
   
 
  Hauptstraße vor Martin-Luther-Platz Erlangen  
     
  Album-Nr. er79 (um 1910)  
 
     
 
 
Um 10.30 Uhr des 9. November 1918 fand vor dem Markgrafendenkmal auf dem Schlossplatz eine Kundgebung statt, über die das Erlanger Tagblatt berichtet:

"Auf dem Marktplatze hatte sich eine dichtgedrängte Volksmenge eingefunden. Von den Fabriken 'Progreß' in Bruck und 'Reiniger, Gebbert und Schall' erschien die Arbeiterschaft unter Vorantragen roter Fahnen mit der Aufschrift 'Es lebe die internationale Sozialdemokratie!'. Ebenso wurde auf dem Markgrafendenkmal selbst durch einen Soldaten die rote Fahne gehißt. Der Vorstand des Metallarbeiter-Verbandes, Mag.-Rat Ritzer, hielt vom Mittelfenster des Schloß-Lazaretts eine Ansprache an die Menge. Er führte darin in etwa aus: Die Revolution hat sich auch auf Erlangen ausgedehnt. Die Republik in Bayern ist ausgerufen. Es hat sich hier ein Soldaten- und Arbeiterrat gebildet und dieser hat die Gewalt übernommen. Die Militärmacht ist gebrochen. (Bravorufe.) Das Volk hat seine Freiheit. (Lebhaftes Bravo.) Es ist notwendig, da der gebildete Rat die Gewalt übernommen hat, möglichst Ruhe zu bewahren. Der Arbeiter- und Soldatenrat hat die Aufsicht über sämtliche Betriebe und die Gemeindeordnung übernommen. Unter der Regierung Kaiser Wilhelm seinen große Fehler gemacht worden. Ein großer Fehler sei auch jetzt, daß er nicht abdankte. Der neuen Gründung der Republik solle die gesamte Arbeiterschaft ihr ganzes Vertrauen entgegenbringen, um den weiteren Ausbau der neu geschaffenen Verhältnisse zu fördern, sodaß sie sich glatt abwickeln. Redner mahnt nochmals zur Ruhe und Ordnung und fordert die Arbeiter auf, ihre Arbeit in den hiesigen Betrieben weiterhin ungestört fortzusetzen. Er verlaß hierauf noch eine Entschließung:

'Die Arbeiter und Arbeiterinnen Erlangens fühlen sich solidarisch verbunden mit den Soldaten und Bauern. Ein provisorischer Arbeiter- und Soldatenrat hat sich in Erlangen gebildet, welcher die öffentliche Gewalt übernommen hat. Der Arbeiter- und Soldatenrat wird die Interessen des gesamten Volkes vertreten, die Arbeiter werden für strengste Ordnung sorgen, die Lebensmittelzuführung soll nicht gestört werden, alle Arbeiter und Beamte haben ihren Dienst wie bisher weiter zu versehen.

Alle Arbeiter und Soldaten haben alles daran zu setzen, daß die Umgestaltung unserer staatlichen und politischen Zustände rasch und friedlich vor sich geht. Wir verabscheuen jedes Morden und unnütze Blutvergießen. Jedes Menschenleben sei heilig.
Es lebe die Republik! Es lebe der Friede!
Der provisorische Ausschuß für den Arbeiter- und Soldatenrat Erlangen.
A. Ruppenstein, 1. Vorsitzender.        Leutnant Wagner."
 
 
   
 
  Erlangen, Sieglitzhofer Straße  
     
  Sieglitzhofer Straße  
   
  Erlangen; Sieglitzhoferstrasse um 1910  
     
  Hindenburgstraße in Erlangen ca. 1918  
     
 
Album-Nr. er62 (ca. 1916)

Hindenburgstraße Im Jahre 1915 wurde die Sieglitzhoferstraße in Hindenburgstraße umbenannt. Geehrt wurde damit der damalige Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber Ost (und späterer Reichspräsident) Paul von Hindenburg, Sieger in der Schlacht bei Tannenberg Aug/Sep 1914 und der Winterschlacht in den Masuren 1915.
 
 
   
  Erlangen, Kochstraße um 1905  
  Album-Nr. er174 (um 1905)  
 
Die Kochstraße wurde 1888 nach Wilhelm Daniel Joseph Koch benannt. Wilhelm Daniel Joseph Koch (* 5. März 1771 in Kusel; † 14. November 1849 in Erlangen) war ein deutscher Botaniker und Mediziner.

Koch studierte in Jena und Marburg Medizin und erhielt 1795 das Physikat zu Trarbach und 1798 das von Kaiserslautern. Bereits zu dieser Zeit war er jedoch auch botanisch aktiv. Zunächst gab er zwar „Entomologische Hefte“ (Frankfurt 1803, 2 Lfgn.) heraus, dann aber schrieb er mit Zitz eine Flora der Pfalz: Catalogus plantarum florae palatinae (1814), und besorgte die neue Bearbeitung von Röhlings „Deutschlands Flora“. 1824 wurde er als Professor der Medizin und Botanik nach Erlangen berufen, wo er bis zu seinem Tode auch Direktor des Botanischen Gartens Erlangen war. Koch amtierte von 1833 bis 1843 als Präsident des Landrathes von Mittelfranken.

 

Koch, Wilhelm Daniel Joseph

Wilhelm Daniel Joseph Koch

 
     
   
 
Erlangen, Sieglitzhofers Straße (Hindenburgstraße)  

Album-Nr. er139 (1910)

Sieglitzhofer Straße-
Hindenburgstraße

Sie blicken auf die Kreuzung Bismarckstraße / Hindenburgstraße (vormals Sieglitzhofer Straße). Nach rechts geht es in Richtung Lorlebergplatz und links führt heute die Straße hinunter zur Palmsanlage. Das Eckhaus ist das Gasthaus "Biegelei". Hier wurde am 31. Mai 1922 der Erlanger Ortsverein der NSDAP gegründet.

 
   
  Erlangen, Neue Straße mit Bubebreuther Haus  
  Album-Nr. er173  
  Bubenreuther Haus an der Ecke Hindenburgstraße (früher Sieglitzhofer Straße) / Östliche Stadtmauerstraße um 1910. Im Hintergrund sieht man einen Teil der alten Infanterie-Kaserne.  
     
 
 
Doris Ruppenstein
(* 17.7.1870 Erlangen, † 13.3.1939 Erlangen)


Andreas Ruppenstein, seit 1912 für die SPD Magistratsrat in Erlangen und 1. Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates (1918), kennen nur noch wenige heimatgeschichtlich Interessierte in Erlangen. Nach seiner Ehefrau Doris (Dore) Ruppenstein aber ist seit 1998 im Rötelheimpark eine Straße benannt. Ihre Pflegeeltern, die leiblichen Eltern waren früh gestorben, ermöglichten ihr nach der Schule eine Schneiderlehre. Mit ihrem ersten Mann Johann Schnapp führte sie nacheinander die Arbeiterwirtschaften König Otto (Henkestr. 56) und Deutscher Hof (Waldstr. 23), letztere bald als Eigentümer. Bis zu ihrer 2. Ehe mit Andreas Ruppenstein ca. 1902 führte die junge Witwe den Deutschen Hof in der Waldstraße alleine weiter.

  Doris Ruppenstein

Das Gasthaus war das örtliche Zentrum der Arbeiterbewegung, aber auch Treffpunkt und Nähstube der 1906 von Doris Ruppenstein mitgegründeten Sozialdemokratischen Frauengruppe. 1909 gab das Ehepaar Ruppenstein den Deutschen Hof auf, da Andreas Ruppenstein als Leiter des Arbeitersekretariats (Gewerkschaften) sein Auskommen fand.

Andreas und Doris Ruppenstein mit Kindern um 1917

Andreas und Doris Ruppenstein mit ihren Kindern um 1917

1909 wurde Doris Ruppenstein zur Hilfsarmenpflegerin berufen und erhielt in der Bezirksversammlung der öffentlichen Armenpflege beratende Stimme. Mit Verkündigung des Frauenwahlrechts (1918) warb Ruppenstein für politische Gleichberechtigung und die Sozialdemokratie. Als Motor der Erlanger sozialdemokratischen Frauenbewegung hielt sie am 5. Januar 1919 im Gasthaus „Goldener Hecht“ in der Glockenstraße ein Referat zu dem Thema „Die neuen Rechte der Hausangestellten (Dienstboten) durch die Aufhebung der Gesindeordnung“.

Die Mutter von sieben Kindern (zwei starben früh) galt als weibliche Vertrauensperson der SPD für die Arbeiterfrauen. In Erlangen war sie als "Genossin Schnapp" oder "Frau des Parteisekretärs" bekannt. Einen tiefen Einschnitt in ihr Leben bedeuteten die Verhaftung (1933) und die Zwangspensionierung ihres Mannes durch die Nazis mit gekürzten Pensionsbezügen. Die älteste Tochter Leni Ruppenstein aus zweiter Ehe wurde erste Ehefrau des Erlanger Oberbürgermeisters Michael Poeschke.
 
 
   
 
Krankenhausstrasse Pathologie  

Album-Nr. er59 (1911)

Krankenhausstraße mit Pathologischem Institut

Die Krankenhausstraße führt vom Bohlenplatz zur Neuen Straße. Das Teilstück vom Bohlenplatz bis zur Universitätsstraße hieß vor 1745 Rosenwirtsgasse, benannt nach dem Gasthaus Drei Rosen, heute das griechische Restaurant Delphi, Ecke Bohlenplatz/Krankenhausstraße. Das Krankenhausgelände, und damit auch die Krankenhausstraße am Schlossgarten entlang, gehörte im 18. Jahrhundert noch zum Schlossgarten.

 
   
 

Album-Nr. er60 (1911)

Krankenhausstraße mit Operationssaal

1822 hieß die Krankenhausstraße noch Husarengasse, ab 1841 Neue Spitalstrasse und ab 1866 Neue Spitalgasse. Erst 1932 wurde daraus die heutige Krankenhausstrasse, als das Universitätskrankenhaus nach 20jähriger, durch Besetzung und Kriege unterbrochener Bauzeit am 1.11.1932 mit 25 Betten eröffnet wurde.

Ob man wohl durch die hohen Fenster die Operationen beobachten konnte?

  Krankenhausstrasse Operationssaal
 
     
 
 
Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern

Nach der Massenveranstaltung auf dem Marktplatz, es ist immer noch 9. November 1918, trafen sich jetzt erst die Vertrauensleute von SPD und Gewerkschaft zu der konstituierenden Sitzung eines Arbeiterrates. Aus diesem Blickwinkel stellt sich der "Provisorische Arbeiter- Und Soldatenrat" als Ergebnis einer zunächst eigenmächtigen Vereinbarung zwischen der Erlanger SPD-Führung und dem Fürther Soldatenrat dar, die in der Nacht vom 8. auf den 9. November getroffen worden war. Das hat offenbar zu einer internen Auseinandersetzung geführt. Die beiden Initiatoren Ruppenstein und Wagner des Provisorischen AuS-Rats verloren innerhalb der nächsten zwei Wochen ihre Führungsposition.

in der konstituierenden Sitzung am Mittag des 9. November wählten die Vertrauensleute aus SPD und Gewerkschaft "nach reiflicher Aussprache" einen engeren Arbeiterrat zum repräsentativen Gesamtorgan. In den "erweiterten Arbeiterrat" entsandten 16 Einzelgewerkschaften entsprechend ihrer Mitgliederstärke 40 Delegierte und die SPD drei Vertreter. Eine Verzahnung von Partei und Gewerkschaft war insoweit gegeben, als alle vier Mitglieder des Exekutivausschusses der SPD angehörten und auch dreizehn von 40 Mitgliedern des erweiterten Ausschusses in hervorgehobener Position für die Partei tätig waren. Im Arbeiterrat hatten also letztlich die Gewerkschaften das Sagen. Im engeren Auschuss saßen ausschließlich Arbeiterräte, die sich durch ihre Gewerkschaftsarbeit einen Namen gemacht hatten: Paul Ritzer, Otto Braun, Georg Strauß, Anton Hammerbacher.
 
 
   
 

Loewenichstraße
Album-Nr. er38

 

Loewenichstraße um 1910

Im Jahr 1894 benannt nach Gottschalk v. Loewenich (1816-1892) und dessen Ehefrau Adelgunde geb. Hirschfeld, die den wohltätigen Einrichtungen der Stadt reiche Stiftungen zukommen ließen.

Die Loewenichstraße ist eine der ersten wirklich geplanten Straßen, die vor allem im Stadtosten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Erlangen entstanden. Geplant als Parallelstraße zur Bismarckstraße und als Verbindung der Villen auf der hochwasserfreien, unverbaubaren Schwabachterasse im Bereich der Flurstücke "in der Grube" (östliche Hindenburgstraße) mit dem Gebiet der Kreuzung von Luitpold- und Ringstraße (heute Werner-von-Siemens-Straße) beim Zollhaus-Bahnhof.

 
   
 
Erlangen, Löwenichstraße 1910
 
  Album-Nr. er132                                  Löwenichstraße um 1910  
     
 
 
Paul Ritzer (* 14.10.1870 Möhrendorf, † 6.9.1951 Erlangen)
Der Bauernsohn und gelernte Metalldreher Ritzer gehörte zu den Erlangen Gründervätern des Dt. Metallarbeiter-Verbandes 1892 (Industriegewerkschaft Metall). Seit 1909 hatte er den Vorsitz des Arbeiterausschusses bei Reiniger, Gebbert & Schall inne. 1915-31 gehörte er dem Magistrat bzw. dem Stadtrat an. 1918 war er Vorsitzender des Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrats. Besondere Verdienste erwarb sich Ritzer bei den Eingemeindungen nach dem l. Weltkrieg, bei der Unterstützung der Kriegsopfer und mit seinem lebenslangen sozialen und kulturellen Engagement für Arbeiter. Die Nationalsozialisten enthoben Ritzer 1933 aller seiner Ämter. 1950 wurde zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. 1952 erhielt eine Straße in Sieglitzhof seinen Namen.

Großonkel von Helmut Ritzer, fünf Legislaturperioden SPD-Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Nürnberg Land, ehemaliger Landtagsvizepräsident 1998-2003 (Nachfolger von Karl-Heinz Hiersemann).


Anton Marian August Hammerbacher
(* 22. Juli 1871 in München; † 22. Oktober 1956 in Erlangen)


Anton Hammerbacher absolvierte eine Lehre als Handschuhmacher. 1890 trat er dem Verband der Lederarbeiter bei, der ihn zum Erlanger Gewerkschaftskartell abordnete, dessen Vorsitzender er später wurde. 1901 gründete Hammerbacher die Erlanger Konsumgenossenschaft, in deren Vorstand er bis 1933 blieb. Ab 1919 war er auch Vorsitzender des Verbandes der bayerischen Konsumvereine. 1910 war Hammerbacher an der Gründung der Erlanger Baugenossenschaft beteiligt, die ab 1913 Wohnungen für Arbeiter im Umfeld der Nürnberger Straße südlich der Erlanger Innenstadt errichtete. Ab 1909 gehörte Hammerbacher dem Kollegium der Gemeindebevollmächtigten (einem Vorläufer des Stadtrates) an, ab 1911 dem Magistrat (der "Stadtregierung"), 1918 im Arbeiterrat.

  Anton Hammerbacher Erlangen

Von 1919 bis 1933 Mitglied des Erlanger Stadtrats und des mittelfränkischen Kreistages, dem Vorläufer des heutigen Bezirkstags. 1918/19 gehörte er dem Provisorischen Nationalrat des Freistaates Bayern an. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Hammerbacher aller Ämter enthoben, verhaftet und für sechs Wochen im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Danach lebte er während der NS-Herrschaft zurückgezogen.

Am 28. April 1945 wurde Hammerbacher durch die Militärverwaltung zum Erlanger Bürgermeister, kurz darauf am 22. Juli 1945 als Nachfolger des abgesetzten Herbert Ohly zum Oberbürgermeister ernannt. Mit Wirkung zum 30. September 1946 trat er von seinem Amt zurück; zu seinem Nachfolger wählte der Erlanger Stadtrat am 4. September Michael Poeschke. Hammerbacher war an der Wiedergründung der Erlanger Konsumgenossenschaft am 17. Oktober 1946 maßgeblich beteiligt.

Otto Braun war von Beruf Schlosser und Georg Strauß Einkassierer.
 
 
   
 

Album-Nr. er06

Luitpoldstraße 1913

Benannt 1896 nach Prinzregent Luitpold von Bayern 1821-1912.

Die Luitpold- und Drausnickstraße hieß vor der Stadterweiterung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Osten Buckenhofer Landstraße. Der Teil, den Sie rechts sehen, hieß bis ca. 1863 'Vor dem Puckenhofer Thore'. Die Stadtgrenze war hinter dem Bohlenplatz die östliche Stadtmauerstraße. Das Ensemble mit den spitzen Türmen wurde um 1904 im Stil der Neu-Renaissance erbaut.

  Luitpoldstraße
 
   
 
  Luitpoldstraße vom Zollhaus aus nach Osten  
     
 
Album-Nr. er94 (um 1910)

Luitpoldstraße (vom Zollhausplatz nach Osten fotografiert)

Der Universitätsmechaniker Erwin Moritz Reiniger hatte Ende Mai 1877 eine kleine Werkstatt zur "Ausführung feinmechanischer Arbeiten und Reaparaturen" gegründet und verband seinen schon bald vergrößerten betrieb am 1.1.1886 mit dem Unternehmen von zwei Stuttgarter Kollegen zu den "Vereinigten physikalisch-medizinischen Werkstätten von Reiniger, Gebbert & Schall". Der Sitz der Firma blieb Erlangen. Das Unternehmen erwies sich jedoch bald als zu klein, um drei Inhaber-Familien zu ernähren. Deshalb schied Karl Schall im Jahre 1887 aus dem Betrieb aus, um mit eigenem Kapital in London ein Geschäft zu gründen, das mit großem Erfolg die Generalvertretung von RGS für Großbritannien und die Kolonien übernahm.

1890 beschäftigte das Unternehmen bereits 80 Personen, 1893 waren es 100. Ein Umzug vom 1880 gekauften Haus Schlossplatz 3 in den 1893 vollendeten Neubau an der Luitpoldstraße, am damaligen südöstlichen Stadtrand, wurde notwendig. Bis 1897 verdreifachte sich die Belegschaft, und am Ende des Jahrhunderts war "RGS", seit dem Ausscheiden Reinigers 1895 unter der alleinigen Leitung Max Gebberts, zu einem der bedeutendsten Großbetriebe des Deutschen Reiches auf dem Sektor des elektromedizinischen Apparatebaus herangewachsen. Im Jahr 1925 kam der Zusammenschluss, des 1906 in eine AG umgewandelten Unternehmens, mit der medizintechnischen Abteilung der Firma Siemens & Halske.
 
 
     
 
 
Der gut organisierte Metallarbeiterverband war im besonderen die tragende Stütze des Arbeiter-Rates. Mit 20 Delegierten stellte er nicht nur die Hälfte der Mitglieder im erweiterten Arbeiterrates, sondern präsentierte zudem mit dem Schlossergehilfen Christian Hellerich und Paul Ritzer auch die jeweiligen Vorsitzenden der beiden Räte-Gremien. Während der erweiterte A-Rat "allabends um 6 Uhr im Rathaussaal" zusammentreten sollte, wurde der Vollzugsausschuss - der "engere" A-Rat - beauftragt, "in Verbindung mit dem Soldatenrat seine Tätigkeit" sofort aufzunehmen. Dazu musste aber der "Provisorische Soldatenrat" erst noch seine Legitimation erhalten. Dies geschah am Nachmittag. Im Rathaus wählten "27 Soldatenvertreter der hiesigen Garnison" die vier Mitglieder ihres "engeren Soldaten-Rates". Im Gegensatz zu Andreas Ruppenstein schaffte es hier Oberleutnant Wagner, auch im Exekutivausschuss die führende Rolle zu übernehmen: Er wurde zum Vorsitzenden des S-Rates gewählt. Der engere A-Rat und der engere S-Rat bildeten zusammen den "Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern", obwohl zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Landwirt im Ausschuss vertreten war.

Die Gründung des Bauernrates wurde erst in der Vormittagssitzung des 11. November beschlossen. Hauptsächliches Motiv dafür war, die Lebensmittelversorgung für die Stadt sicherzustellen. Für den 16. November wurden die Bürgermeister von 31 Ortschaften zu einer Besprechung eingeladen. Ihnen schlug Ritzer vor, "je nach Größe des Ortes 1 bis 3 Vertreter zu wählen, die dann zusammen mit dem Arbeiter- und Soldatenrat hier den engeren Vollzugsausschuss bilden sollen". In einer weiteren Sitzung, in der aus 31 Ortschaften 41 Delegierte teilnahmen, wurde dann am 20. November der engere Bauernrat gewählt, der "an den Sitzungen des engeren Arbeiter- und Soldatenrates teilzunehmen" hatte. Doch bereits zwei Tage später wurde ein in Erlangen ansässiger Bauer nachgewählt, "weil die anderen Vertreter von auswärts kommen und nicht sofort an wichtigen Sitzungen teilnehmen können". Mit dieser Nachwahl fand formell der Prozess zur Institutionalisierung des Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrates seinen Abschluss.
 
 
   
 
Marquadsenstraße  

Album-Nr. er56 (geschrieben 1911)

Marquadsenstraße

Als Erlangen begann sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nach Osten auszudehnen mussten die Bauherrn nur eine einzige Bauvorschrift erfüllen: "die Regularität" der schachbrettartigen barocken Stadtanlage sollte erhalten bleiben. Die Gartenstraße existiert seit 1877. Davor gab es hier viele Gärten. Im Jahr 1897 wurde sie nach Heinrich Marquadsen (1826-1897), einem Politiker und Professor der Rechte, umbenannt.

 
   
  Erlangen, Saugraben oder Nördliche Stadtmauerstrasse 1904  
     
  Album-Nr. er164 (1904)  
     
 
Nördliche Stadtmauerstraße (Saugraben)

Eine Mauer war eines der wichtigsten Privilegien des Stadtrechts. Erlangen bekam seine Stadtmauer 1398. Über Erlangens Bevölkerungszahl gibt es erst 1495, also einhundert Jahre später verlässliche Zahlen. In den Listen des damals im ganzen Reich erhobenen "Gemeinen Pfennigs" wurden 92 Familien mit 212 erwachsenen Einwohnern gezählt. Nimmt man die Kinder hinzu, hat Erlangen 1495 etwa 300 Einwohner. Ein Jahrhundert zuvor dürften es nicht mehr gewesen sein. Dienstboten gab es kaum in den Erlanger Haushalten. Die Erlanger lebten vom Ackerbau, waren Ackerbürger, das konnten die Familien alleine bewältigen. Demgemäß umschloss die Erlanger Stadtmauer nur ein sehr kleines Areal. Im Saugraben kann man auch heute noch die Mauersockel der Stadtmauer besichtigen.
 
Die Mauer verlief vom Kirchentor auf Höhe der Altstädter Kirche durch den Chor des heutigen Gotteshauses, - die Kirche wie wir sie kennnen, wurde erst nach dem Stadtbrand gebaut - querte dann den hinteren Teil des heutig Stadtmuseums und -archivs und lief entlang der Cedernstraße nach Norden. Dort, wo die Cedernstraße nach Westen abknickt, stand einer der Befestigungstürme der Mauer, der sogenannte Katzenturm. Wo das Gelände zur Schwabach hin abzufallen beginnt, stand das Bayreuther Tor. Bei der Einmündung der Nördlichen Stadtmauerstraße in die Pfarrstraße lag das Martinsbühler Tor, und parallel zur Schulstraße zog sich die Mauer wieder nach Osten zum Kirchentor. Dem Martinsbühler Tor vorgelagert war eine weitere befestigte Anlage, die sogenannte Veste, Sitz eines böhmischen Amtmannes (siehe unten).
 
     
 
Erlangen, Veste vor dem Martinsbühler Tor
 
     
 
 
Die Arbeit des Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrates

Die maßgeblichen Personen im ASuB-Rat waren Paul Ritzer und Anton Hammerbacher. Aufgrund ihrer Tätigkeit im Magistrat hatten sie kommunalpolitische Erfahrungen gesammelt und konnten nicht ohne Stolz auf Erfolge verweisen, die sie in der Auseinandersetzung mit der liberalen Stadtratsmehrheit seit 1903 mühsam errungen hatten. Beide sahen keinen Sinn darin, auf lokaler Ebene in eine Konfrontation mit jenen städtischen Gremien zu treten, in denen sie selbst saßen und agierten. Stattdessen suchten sie eine Kooperation zwischen ASuB-Rat und Stadtverwaltung herbeizuführen, die dem politischen Umbruch im Reich und in Bayern Rechnung trug. Paul Ritzer bemühte sich, in der gemeinsamen "Sitzung der städtischen Kollegien zur Besprechung über die jetzige Lage" am 12. November zu versichern, dass der ASuB-Rat die Änderung zum neuen republikanischen Volksstaat "ohne Blut und Eigentumsbeschädigung" herbeiführen wolle und die "guten Arbeiterorganisationen" Gewähr böten, "die neuen Pläne ohne Bürgerkrieg nach russischem System" zu verwirklichen. Die "größte Aufgabe" sah er nicht in der Durchsetzung eines radikalen politischen und wirtschaftlichen Umsturzes, sondern in der Sicherung der "Lebensmittelversorgung durch eine geregelte Zufuhr". Anton Hammerbacher nahm deshalb sofort das Angebot von Oberbürgermeister Dr. Klippel an, während einer Übergangszeit den ASuB-Rat als ein den "städtischen Kollegien, der städtischen Verwaltung und den städtischen Beamten" gleichberechtigtes Organ zu betrachten, das die "Entwicklung vom Obrigkeitsstaat zum Volksstaat" verantwortlich mitzutragen bereit war. Zwei Tage später waren die Verhandlungen zwischen Oberbürgermeister Dr. Klippel und dem ASuB-Rat über die Abgrenzung ihrer gegenseitigen Kompetenzen abgeschlossen. Es war ein "Kompromiss zwischen politischer Rätekontrolle und fachlicher Beamtenkompetenz". Der Erlanger ASuB-Rat reihte sich in jenen Typus der "demokratischen Arbeiterräte" ein, die ihre Aufgabe darin sahen, "eine zeitlich befristete Regulativfunktion zu erfüllen, bis die Nationalversammlung zusammengetreten und die Verwaltung entsprechend der durch die Revolution bewirkten Machtgruppierung umgebildet" worden war.
 
 
   
 
Album-Nr. 116 (1913)

Obere Karlstraße
mit Gymnasium

Die Kameraposition muss auf einer Leiter gewesen sein. Hinten rechts die Bäume stehen auf dem Bohlenplatz.

Die Obere Karlstraße trägt ihren namen seit 1822. Benannt nach Markgraf Georg Friedrich Karl von Brandenburg-Bayreuth, der von 1726 bis 1735 Landesherr von Erlangen war. Unter ihm erweiterte sich die Neustadt nach Osten.
  Erlangen, Obere Karlstraße
 
     
 
Bis ca. 1745 hieß die erste Teilstrecke Französische Kirchhofgasse, danach Reformierte Kirchgass.

Das Gymnasium wurde 1745 als Gymnasium Illustre Erlangense von Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth gestiftet. Ursprünglich war es vor allem dazu gedacht, der zwei Jahre zuvor gegründeten Friedrich-Alexander-Universität Studenten zuzuführen.

Das Gymnasium befand sich zunächst in einem Gebäude der ehemaligen Ritterakademie am Erlanger Holzmarkt (heutiger Name Hugenottenplatz).

 
1828 erfolgte der Umzug in das sogenannte Lange Haus (Theaterstraße 3). 1879 bezog das Gymnasium den Schulneubau auf dem ehemaligen Reformierten Friedhof in der Oberen Karlstraße. Nach dem letzten Umzug in den 1968 fertiggestellten Neubau (Fridericianum) in der Sebaldusstraße 37 wurde das Gebäude in der Oberen Karlstraße abgerissen. Hier entstand von 1970 bis 1974 der Neubau der Universitätsbibliothek. Das Gebäude der ehemaligen Ritterakademie wurde 1958 bis auf einige erhaltene Reste der Fassade abgerissen.
 
   
 
Schuhstraße um 1910

Das Haus im Vordergrund zeigt die Schuhstr. 1. Im Hintergrund sehen Sie das Kollegienhaus. Nach rechts geht es in die Obere Karlstraße: Man sieht die Ecke des Gymnasiums (siehe oben).

Die Schuhstraße ist nach Dr. Georg Schuh benannt, 1846-1918. Zunächst erster Bürgermeister (1881-1892) in Erlangen, dann Oberbürgermeister in Nürnberg, hier geadelt (1892) mit Georg Ritter von Schuh.
Frühere Namen: vor 1745 Fuhrgässlein, vor 1778 Wildensteinsgass, vor 1822 Hamburgerstraße bzw. Waisenhausstraße.
  Erlangen, Schuhstrasse um 1910
 
   
 
Schillerstraße  

Album-Nr. er14 (um 1905)

Schillerstraße

Auf der Rückseite der Ansichtskarte ist vermerkt: Haus von Prof. Kusch.

Die Schillerstraße bekam ihren Namen 1905 anläßlich des 100. Todestages des Dichters Friedrich von Schiller (1759-1805). Im 19. Jahrhundert hieß die Straße Landwehrstraße.

 
     
 
 
Die Auseinandersetzung mit dem Bürgertum

Das Bildungsbürgertum, das im Wilhelminischen Deutschland zugunsten des nationalen Machtstaates auf seine eigene politische Emanzipation verzichtet hatte, stand auch in Erlangen in der überwiegenden Mehrheit demokratischen Ideen mit Ablehnung gegenüber. Ein großer Teil hielt die Demokratie für einen kulturellen Tiefstand und ihre Befürworter für Feinde "wahrer deutscher Größe". Man warf dem Proletariat vor, durch sein Bekenntnis zum "Weltsozialismus" und seinen egoistischen "Klassenkampf" die Niederlage Deutschlands verursacht zu haben.

Mit Argwohn und Misstrauen beobachtete der ASuB-Rat die Reaktion des Bürgertums auf den staatlichen Umsturz. Um einer Gegenrevolution vorzubeugen, wurden am 9. und 10. November die einflussreichsten Meinungsführer der städtischen Bürgerschaft vorgeladen und zur Zurückhaltung in ihren politischen Äußerungen ermahnt. Man warnte sie "die alldeutschen Professoren und die Studenten gegen den Rat aufzuhetzen". Über das Schulamt bekamen die Lehrkräfte die Weisung, die "Gegenagitation in den Schulen sofort einzustellen". Der Universitätsprorektor wurde noch am Nachmittag des 9. November ersucht, "dahin zu wirken, dass die Studenten keine unbesonnenen Handlungen unternähmen, sonst würde Blut fließen. Auch sollten die Professoren vermeiden aufreizende Reden zu halten". Obwohl Prof. Dr. Max Busch die Vorbehalte des ASuB-Rates zu zerstreuen suchte, wurde das Misstrauen nicht ausgeräumt. Anton Hammerbacher hielt die Universität für einen "Staat im Staate", in dem freiheitliche Regungen unterdrückt würden. Deswegen sei "hier viel zu ändern".

Ein Gesuch aus den Reihen Corps-Studenten, dass die "Studentenverbindungen in Form einer Delegation" zum ASuB-Rat zugelassen werden, wurde abgelehnt. Stattdessen erhielten sie eine Genehmigung, für den 10. November eine Versammlung einzuberufen, die über die Konstituierung eines "Studentenrates" entscheiden sollte. Tatsächlich stimmte eine Mehrheit von den 40 anwesenden Studenten für den Anschluss als Studentenrat an den ASuB-Rat und sprachen sich für Maßnahmen zu einer Studiereform aus. Man dachte sogar daran die Nachricht durch Presse und Telegraf zu verbreiten und Sendboten an die anderen Universitäten zu schicken, um einen Zusammenschluss auf überörtlicher Ebene herbeizuführen. Doch der Prorektor der Universität, der noch in der Nacht informiert wurde, wusste diese Aktion zu verhindern und erreichte, dass ihm selbst die Vertretung der studentischen Interessen gegenüber dem ASuB-Rat übertragen wurde. Damit war der Versuch gescheitert, über den ASuB-Rat Einfluss auf die Erlanger Universität zu nehmen und die Studentschaft politisch für die Revolution zu öffnen.
 
 
   
 

Album-Nr. er46 (geschrieben 1915)

Universitätsstraße

Die Universitätsstraße bekam ihren Namen 1886. Vor 1745 hieß sie Brauhausstraße, von 1745 bis 1865 Wächtersgasse, von 1866 bis 1886 Frauenklinikstraße.

  Universitätsstraße
 
   
 
  Universitätsstraße in Erlangen  
     
 

Album-Nr. er70 (um 1915)

Universitätsstraße ab Krankenhausstraße

Zu sehen sind folgende Gebäude: Rechts vorne die Anatomie, daninter das Mineralogische Institut und ganz hinten das Kollegienhaus; auf der linken Straßenseite steht das Haus der Burschenschaft Germania.

 
 
     
 
 
Der Putschversuch von Oberleutnant Wagner

Die Selbstbeschränkung des Arbeiterrates auf die Sicherung von Ruhe und Ordnung bei der staatlichen und politischen Neuordnung und der Verzicht auf radikale Revolutionierung widersprachen den Erwartungen der Soldaten, die in den Kasernen untätig einer ungewissen sozialen Zukunft entgegensahen. Der Vorsitzende des Soldatenrates, Oberleutnant Wagner, drängte auf ein radikaleres Vorgehen. Ab Mitte November 1918 drohte dem ASuB-Rat von den Soldaten wirkliche Gefahr. In der Sitzung vom 18. November wurde daher vom engeren A-Rat "nach reiflicher Aussprache" beschlossen, zwei Vertrauensleute in der neuen Kaserne zu stationieren, "um dort die Ruhe und Ordnung aufrecht zu halten" und über "alle Vorkommnisse zu berichten". Als sich am nächsten Tag die Situation aber derart zuspitzte, wurde "eine Versammlung sämtlicher Truppen" anberaumt", "um Ruhe und Ordnung in den Kasernen wiederherzustellen". Am 21. November verdichtete sich das gerücht, dass Oberleutnant Wagner "für die kommende Nacht einen bolschewistischen Putsch" plane. Sofort trat der erweiterte A-Rat und der Vollzugsausschuss zu einer Sitzung zusammen. In ihr gestand Wagner, dass er angestrebt habe, "in einer von ihm geheim einberufenen Vertrauensmännerversammlung unter Ausschluss des A-Rates durch Gewinnung der Vertrauensmänner die gesamte Macht in seine Hände zu bekommen, um damit die gemäßigten Mitglieder des Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrates kalt zu stellen. Auch vor Gewalt würde er nicht zurückschrecken."

Mit seinen Ansichten sah sich Wagner in der Versammlung jedoch vollständig isoliert, so dass er in der Sitzung freiwillig zurücktrat. Ein zweiter Versuch durch einen Vertrauensmann Wagners in der nächsten Nacht doch noch einen Putsch zu organisieren scheiterte im Ansatz durch die mangelnde Resonanz in den Kasernen. Der Nachfolger Wagners, Feldwebel-Leutnant Hans Weigl, schwenkte voll auf die gemäßigte Reformpolitik der Sozialdemokratie ein. Damit war in Erlangen die Rätebewegung sowohl gegen links als auch gegen rechts in ihrer Position abgesichert und auf das Reformkonzept der Mehrheitssozialdemokraten festgelegt.
 
 
     
     
  wird fortgesetzt  
     
     
   
 
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