Gasthäuser  
   
 
Bergkirchweih 1897  

Album-Nr. er01

Bergkirchweih

Im Jahr 1755 wurde der Pfingst-Jahrmarkt vom Altstädter Rathausplatz (heute Martin-Luther-Platz) an den Burgberg verlegt. Er fand jetzt außerhalb der Stadtmauern zusammen mit dem Vogelschießen an den Kellern in der Umgebung des Altstädter Schießhauses statt. Bis 1869 dauerte die Bergkirchweih nur drei Tage, jeweils von Dienstag nach Pfingsten bis Donnerstag. 1870 wurde die Bergkirchweih auf acht Tage verlängert. Bis heute ist der Pfingstdienstag der "Erlanger Bergtag" geblieben. Ab 12 Uhr mittags sind viele Betriebe und Läden Erlangens geschlossen.

 
     
 

Erich Keller

Der Bierbrauer und Bäckermeister Georg Heinrich Windisch gründete im Jahr 1718 eine Brauerei am Altstädter Kirchenplatz 6. Aus diesem Jahr stammt auch der Keller. Die Familie Erich kam im Jahre 1848 in den Besitz der Braustätte und wurden so zum Namensgeber für den Keller. Die Karte wurde 1897 geschrieben. Man sieht deutlich, dass der Erich Keller schon elektrische Beleuchtung hatte und diese hatte er seit Pfingsten 1887. Der Erich Keller war in Erlangen der erste Nutzer elektrischer Energie. Die allgemeine Nutzung elekrischer Energie begann in Erlangen erst mit der Eröffnung des städtischen Elekrizitäts-Werkes an der Fuchsenwiese am 28. Januar 1902.

  Erich Keller
 
     
 
Birkner Keller   Reif Keller
      

Birkner Keller

Namensgeber war Gastwirt Emil Birkner, der Ende des 19.Jahrhunderts eine Wirtschaft auf dem Kellerwesen der Brauerei Hertlein betrieb. Erst seit 1983 ist der Keller während der Bergkirchweih wieder bewirtschaftet.

 

Reif Keller

Seit dem Zusammenschluss der Brauereien Henninger und Reif im Jahre 1906 heißt der Keller 'Henninger Keller'.

 
     
 
Hyppodrom   Bergstraße und Altstädter Schießhaus
     
Ein Riesenrad als Wahrzeichen für die Bergkerwa gab es 1897 noch nicht. Hauptattraktion scheint das 'Hyppodrom' gewesen zu sein. Der Pinsl, mit bürgerlichem Namen Erhard Königsreuther, war als Bergkönig wohl zur Zeitreise fähig.
 
Dieses Detailbild zeigt die Bergstraße und das Altstädter Schießhaus.
 
   
  Erich-Keller Erlangen  
  Album-Nr. er192 (ca. 1950)  
   
 
 
Zwischen Krieg und Frieden

Sonntag, den 15. April 1945 – das OKW gibt bekannt:

„... In der Fränkischen Schweiz entwickelten sich heftige Begegnungsgefechte mit überlegenen amerikanischen Panzerkräften. …“

Im Schlossgarten grünt und blüht es. Es ist Sonntag und trotzdem sind die Läden geöffnet, überall stehen Schlangen, schweres Artilleriefeuer lässt Scheiben erzittern und klirren. Die Erlanger versuchen in den Läden ihre letzten Zuteilungen zu erwischen. Am Bahnhof wird ein Güterzug mit Büchsenfleisch geplündert. Über der Stadt kreisen amerikanische Flugzeuge, aber noch ist keine Bombe gefallen. Doch die Stadt liegt unter Beschuss. Es gibt Todesopfer. In Erlanger Kellern kann man sich kaum noch rühren. Jedweder Besitz und alle Vorräte werden dort gestapelt. Wer nicht mit der Vorratsbeschaffung beschäftigt ist, sucht in den Kellern Schutz und harrt dort eng zusammengepfercht auf das Ende der Naziherrschaft. Erlangen ist seit heute ohne Strom, Wasser und Gas. Mit der Sprengung der Brücken über die Regnitz sind auch die Versorgungsleitungen zerstört.

Nicht alle Erlanger Häuser hatten eigene Keller. Für viele Erlanger blieben daher nur die öffentlichen Keller in den Notlazaretten (Kollegienhaus, Schulgebäude, Korpshäuser) oder die Bierkeller am Burgberg. So beherbergte der Keller der Henninger-Reifbräu an diesem Sonntag 2000 Menschen (Alte, Frauen und Kinder) mit Sack und Pack. Doch die Stadt war voller Menschen (mindestens 50000). Zu den 4000 Verwundeten und den 1600 übrigen Patienten in den Heil- und Pflegeanstalten kamen noch etwa 4000 Flüchtlinge und 8000 Fremdarbeiter. Würde man die Stadt gemäß dem Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht bis zum äußersten verteidigen, dann gäbe es eine Katastrophe. Doch der Kampf-Kommandant der Stadt, Oberstleutnant Werner Lorleberg, war fest entschlossen genau dies zu tun. Am 9. April war Werner Lorleberg noch in einem Erlanger Lazarett in Behandlung als er vom XIII. SS-Armee-Korps den Auftrag erhielt, als Kampf-Kommandant die Stadt Erlangen zu verteidigen. Im Haus „Schillerstr. 1“ richtete er sich mit seinem kleinen Stab einen Gefechtstand ein. Von hier aus wollte er sein Bataillon aus zusammengewürfelten SS- und Wehrmachtstruppen und einer Flak-Einheit befehligen. Alles in allem hatte er sicherlich nicht mehr als 200 kampffähige Männer zur Verfügung.

 
 
   
 

Album-Nr. er142 (1905)

Birkners Keller

Da der Keller einst zur Brauerei Hertlein in der Engelstr. 15 (Gasthaus Walfisch, nicht verwechseln mit dem Oldenen Walfisch in der Calvinstraße) gehörte, schenkte der Wirt Emil Birkner vermutlich Hertlein Bier aus. Friedrich Hertlein gab 1890 das Brauwesen auf, betrieb aber das Gasthaus Walfisch weiter. Welches Bier dann auf dem Keller ausgeschenkt wurde ist mir unbekannt.

  Erlangen, Birkners Keller 1905
 
   
 
Reif Keller  

Album-Nr. er08 (um 1900)

Der Felsenkeller der Gebrüder Reif als Motiv für eine 'Mondscheinkarte'. Wo aber lag die Reif-Bräu?

Die Brauerei der Brüder Georg und Peter Reif lag hinter dem Sparkassen-Hauptgebäude am Hugenottenplatz auf dem Gelände der alten Universitätsbibliothek. Unter ihrer Leitung blühte die bereits seit 1690 bestehende Brauerei ab 1872 auf. Die Gebäude der Brauerei mussten 1910 dem Neubau der Uni-Bibliothek weichen. Sie waren auch nicht mehr notwendig. 1906 hatte die Reifbräu mit der größten Erlanger Brauerei, der Henninger-Bräu, fusioniert.

 
     
 

Rechts eine Abbildung der Brauerei "Wolfsschlucht", spätere Reif-Bräu. Der Blick geht von der Uni-Straße zum Hugenottenplatz. Vor der Brauerei am Hugo steht das Buirettsche Palais, die spätere Volksschule. Das Palais wurde zugunsten der Sparkasse abgebrochen.

Brauerei und Palais wurden 1690 vom preußischen geheimen Kriegsrat Isaac Buirette d'Oehlefeldt erbaut. Hundert Jahre später verkauften die Buirette d'Oehlefeldts 1797 die Sudstätte an Johann Georg Berthold. Dessen Witwe gab sie 1817 an ihren Schwiegersohn Zacharias Wolf weiter. Für die Brauerei bürgerte sich der Name "Wolfsschlucht" ein. Nach einigen Eigentümerwechseln übernahmen um 1872 die Brüder Reif die Brauerei.

  Erlangen; Brauerei Wolfsschlucht, spätere Reif-Bräu
 
   
 
  Erlangen, Henninger-Reifbräu-Keller  
     
  Album-Nr. er141 (um 1912)  
 
     
 

Am Anfang der Brauerei Henninger steht der Bierbrauer, Hofschlachter und Metzger Georg Vierzigmann. Er erwarb 1691 das Haus mit der heutigen Adresse Hauptstraße 55 und richtete wenig später auch eine Braustätte ein, die er bis zu seinem Tod 1748 betrieb.

Einige Generationen später gelangte die Brauerei 1816 an Johann Henninger. Nach einem steten Wert- und Bedeutungszuwachs wurde 1847 Sohn Heinrich sein Nachfolger. Dieser modernisierte und erweiterte die Brauerei u. a. mit der Einrichtung einer ersten Dampfmaschine 1853 und konzentrierte sich konsequent auf die Ausfuhr seiner Biere, ehe er sein florierendes Unternehmen 1861 an Wilhelm Helbig verkaufte. Um 1880 wurden die Grundstücke bis hin zur Bahnlinie zugekauft und bebaut, so dass sich das Firmengelände über die gesamte Fläche, die heute von Bahnlinie , E-Werk und Westlicher Stadtmauerstraße eingegrenzt wird, erstreckte. Zuvor war bereits ein Teil der Stadtmauer abgerissen und die westliche Stadtmauerstraße unterkellert worden.

Nach dem Tod von Oscar Helbig 1904 übergab dessen Witwe den Betrieb an eine Kapitalgesellschaft, die 1906 eine Fusion mit der Reifbrauerei zustande brachte. Die Produktion wurde auf dem Henningergelände zusammengezogen. Ab 1972 war die Henninger-Reifbräu Bestandteil der Patrizier-Bräu Nürnberg. Im November 1974 wurde das letzte Mal Bier abgefüllt, der Betrieb schloss auf Konzernanordnung. Ab 1975 mussten die Gebäude, mit Ausnahme der unter Denkmalschutz stehenden Fassade an der Hauptstraße, der Einkaufspassage Altstadtmarkt weichen.

 
     
 
  Erlangen, Henninger-Bräu  
     
 
Henninger-Bräu
Die Straße links ist die Kuttlerstraße und rechts die Hauptstraße.
 
     
  Erlangen; Hauptstraße mit Henninger-Bräu  
     
 
Hauptstraße mit Blick Richtung Schlossplatz. Rechts sind die Schornsteine der Henninger-Bräu zu erkennen.
 
 
     
 
  Entlaskeller
(von Wolfgang Appell)

Septembersonnenstrahlen streichen
durch die Kastanien, Linden, Eichen
und preisen Bier und Bratwurstdunst
als fast die schönste Lebenskunst.

Drum Mittel-Zwischen-Oberfranken
bis zum September, laut oder still,
dem Herrgott für die Keller danken
bei jedem Schluck sie seit April.

Sitz sinnend ich im Entlas-Keller,
hatt´ Klöß und Knöchla auf dem Teller,
schau' Schneckla an, trink Zwickelbier,

dann will ich nie mehr weg von hier.
Selig zieh' ich an der Zigar,
träum' vom April im nächsten Jahr.
 
 
     
 
 
Unterstützt werden sollte seine Truppe vom Volkssturm, der im November 1944 zur Unterstützung der Wehrmacht ins Leben gerufen worden war. Dieser unterstand den Gauleitern – in Franken Karl Holz aus Nürnberg. Holz beauftragte den Erlanger Ritterkreuzträger, Oberstleutnant Ritter Hans v. Schmidt, mit dem Aufbau. Der kampferfahrene Oberstleutnant erkannte bald, dass sein schlecht bewaffneter Volkssturm - ihre Armbinden trafen erst am 11.April ein - gegen die heranrückenden US-Truppen chancenlos war. Deshalb löste er ihn wegen Kampfunfähigkeit auf. Darauf stand die Todesstrafe. Am 13. April wurde er von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und von einem SS-Sondergericht in Nürnberg zum Tode verurteilt. Nur weil der Gauleiter sich dringlich um die Verteidigung Nürnbergs kümmern musste, kam es nicht mehr dazu.

Ritter Hans von Schmidt  
Eingesetzt im 1. Weltkrieg verdiente sich Schmidt den Militär- Max- Joseph- Orden und wurde damit in den Ritterstand erhoben.

Nach der Aufstellung der 389. Infanteriedivision im Januar 1942, übernahm Ritter von Schmidt während der Kämpfe im Vorfeld Stalingrads, die Führung des Infanterie-Regiments 546. In dieser Dienststellung erhielt von Schmidt als Major der Reserve und Führer des Regiments am 24.08.1942 das Ritterkreuz. Das Regiment ging zusammen mit der 6. Armee im Januar 1943 in Stalingrad unter. Ritter von Schmidt erlebte diesen Untergang nicht vor Ort.

Im Frühjahr 1945 wurde er "Kreisstabsführer Volkssturm" in Erlangen und setzte sich zusammen mit dem amtierenden Oberbürgermeister der Stadt Herbert Ohly für eine kampflose Übergabe der Stadt an die Amerikaner ein.

Hans Ritter von Schmidt verstarb am 21.03.1972 in Erlangen.

Im Volkssturm-Quartier „Konsum“ in der Vierzigmanstraße standen noch 45 Volkssturm-Männer zur Verfügung, um für Lorlebergs „Truppen“ Schanzarbeiten zu leisten. So ließ Lorleberg beim Vierstraßenblick auf dem Burgberg, über dem nördlichen Tunnelausgang, Schützengräben anlegen und die Zugangsstraßen ließ er mit Panzersperren versehen. Er erwartete den Angriff der Amerikaner von Möhrendorf her und über die Marloffsteiner Höhe. Der Erlanger Volkssturm stand jetzt unter dem Befehl des „größten“ NSDAP-Kreisleiters aller Zeiten Alfred Groß.

- Von 1934 bis 1944 war Alfred Groß in Personalunion auch Oberbürgermeister von Erlangen. Im Jahr 1944 wurde die Trennung der Ämter befohlen. Am 12. April hielt Alfred Groß im Kolosseums-Saal vor Erlanger Frauen noch eine flammende Durchhalterede, noch sei nichts verloren. Vier Tage später setzte er sich nach Weißenburg ab. Am 19. Mai wurde er dort von den Amerikanern verhaftet und musste die Jahre bis 1948 im Gefängnis verbringen. Kurz nach seiner Entlassung 1948 starb er im Jahr 1949.

 
 
   
 
Erlangen, Gasthof Biegelei um 1920
 
  Album-Nr. er135                               Gasthof Biegelei um 1920  
 
Die Biegelei befand sich an der Kreuzung Bismarckstraße / Hindenburgstraße (vormals Sieglitzhoferstraße). Nach rechts geht es in Richtung Lorlebergplatz und links führt heute die Straße hinunter zur Palmsanlage. Die Biegelei war für viele Vereine das Stammlokal, z.B. auch für den Fränkische-Schweiz-Verein. Hier trafen sich Sangesbrüder, Vogelfreunde und die Mitglieder der Pfarrertochter (merkwürdiger Name für eine Vereinigung von Korpsstudenten). Die Biegelei besitzt auch einen braunen Fleck. Hier wurde am 31. Mai 1922 der Erlanger Ortsverein der NSDAP gegründet. Die Biegelei war aber nicht das Stammlokal der Nazis. Das war das "Goldene Herz" am Neustädter Kirchenplatz (Weiße Herzstr. 8).
 
   
 
Erlangen, Gasthaus zur Burg, Martinsbühlerstr. 1
 
     
 
Erlangen, Gaststube des Gasthauses zur Burg, Martinsbühlerstr. 1   Album-Nr. er186

Gasthaus zur Burg

Die Ansichtskarte datiert etwa 1930. Der Pächter heißt Franz Popp. Wo die Nördliche Stadtmauerstraße in Pfarrstraße mündet befand sich früher das Martinsbühler Tor in der Stadtmauer. Dem Martinsbühler Tor vorgelagert war eine weitere befestigte Anlage, die sogenannte Veste, Sitz eines böhmischen Amtmannes. Der Name des Gasthauses soll wohl an diese Veste erinnern (siehe auch Menüpunkten 'Straßen' bei Saugraben). In dem Haus befindet sich heute das indische Restaurant Sangam.


 
   
  Erlangen Gasthof zur Eisenbahn um 1900  
     
 
Album-Nr. er112 (um 1900)

Gasthof zur Eisenbahn

Heute befindet sich in dem Gebäude am Bahnhofplatz 5 das Bahnhof Hotel und im Erdgeschoss die Filiale einer Großbäckerei.

  Erlangen Bahnhof Hotel
 
     
 
 

Montag, den 16. April 1945 – das OKW gibt bekannt:

"... In der Fränkischen Schweiz und beiderseits des Ludwigs-Kanals südlich Bamberg dringen amerikanische Panzer und Infanterie nach Südosten vor..."

Die ganze Nacht schlagen in der Innenstadt Granaten ein. In den frühen Morgenstunden des Montag erhält das Haus der Burschenschaft Onoldia, Nürnbergerstr. 8, es dient als Reservelazarett, schwere Artillerietreffer.. Sechs Krankenschwestern, sieben verwundete Soldaten und ein zwölfjähriges Kind sterben. Am Morgen stehen die Amerikaner in der Rathsberger Straße, die Stadt zu verteidigen würde jetzt Häuserkampf bedeuten. Die Amerikaner beauftragen einen dort wohnenden Prof. Dr. Hilsch den Erlanger Oberbürgermeister Dr. Ohly anzurufen. Sie fordern die kampflose Übergabe der Stadt. Jeder Widerstand sei zwecklos. Dr. Ohly lässt sofort Oberstleutnant Lorleberg ausrichten er möge aus der Schillerstraße ins Altstädter Rathaus kommen. Hier befindet sich im Keller die Befehlsstelle des Oberbürgermeisters. Der jedoch will seinen Gefechtsstand nicht verlassen und ruft an. Ein Beamter stenografiert den Gesprächsteil von Dr. Ohly mit.

Dr. Ohly: „Ich erlaube mir die Frage: Es steht das Leben vieler Verwundeter und Kranker auf dem Spiel. Welche Entscheidung treffen Sie? Sie haben doch die Verantwortung.“

(Antwort Lorlebergs)

Dr. Ohly: „Hat es Sinn, Widerstand zu leisten? Was sind die Folgen? Soviel ich weiß, ist Forchheim übergeben worden [am Samstag 14. April 1945]. Es ist das Leben von rund fünfzigtausend Menschen ernstlich bedroht. Es handelt sich um das Leben vieler deutscher Volksgenossen, um tausende kranker und verwundeter Soldaten, die ihre Pflicht für das Vaterland getan haben.“

(Antwort Lorlebergs)

Dr. Ohly: „Gewiß, die Entscheidung ist sehr schwer. Es sind die Kliniken überfüllt. Es sind keine Keller in den Kliniken vorhanden. Die Frauenklinik ist überfüllt. Wir haben hier eine große Kinderklinik, eine Heil- und Pflegeanstalt mit vielen bewachungsbedürftigen, gemeingefährlichen Kranken, die eine Panik hervorrufen, wenn sie infolge der Zerstörung der Anstalt frei herumlaufen. Wir haben auch die Nürnberger Blindenanstalt hier. Herr Oberstleutnant, sie haben die Entscheidung! Wenn die Wehrmacht keinen Widerstand leistet, wäre das Leben der Bevölkerung und das Schicksal der Stadt gerettet. Der Offizier hat erklärt, dass bei Verteidigung die Stadt erbarmungslos zusammengeschossen wird. Ich weiß, Herr Oberstleutnant, wir zwei stehen jetzt auf eigenen Füßen. Wir sind verlassen. Sie haben keinen Halt, Sie haben keine Soldaten zur Seite. Es wird das Leben der Soldaten und Zivilpersonen, das Leben der Schwer- und Schwerstverwundeten unnütz geopfert. Ich bitte das zu bedenken. Die Zeit ist an sich abgelaufen. Ich müsste schleunigst telefonieren. Herr Oberstleutnant, es ist doch wohl zwecklos gegen die Übermacht der bestausgerüsteten Truppe jetzt mit den wenigen Truppen, die sie haben, Widerstand zu leisten. Ich bitte, das nicht falsch auffassen zu wollen. Sie haben eine schwere Verantwortung für das Leben der Soldaten und der Zivilbevölkerung.“

(Antwort Lorlebergs)

Werner Lorleberg  
Werner Lorleberg * 17. Oktober 1894 in Bottmersdorf; † 16. April 1945 in Erlangen, entstammte einer Pfarrersfamilie. Er besuchte die Gymnasien in Halle und Neuhaldensberg. Nach dem Abitur wurde er Berufssoldat. Als junger Offizier nahm er am Ersten Weltkrieg teil und wurde wegen besonderer Tapferkeit mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 1916 kam er schwer verwundet in britische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung (1919) war er bis 1936 Bankbeamter in Halle und Dresden. Beim Aufbau der Wehrmacht ließ er sich als Hauptmann reaktivieren. Im Winter 1941/42 meldete er sich freiwillig an die Ostfront und erlitt beim Rückzug im Juli 1944 eine schwere Verwundung, die ihn bis Februar 1945 dienstunfähig machte. Anschließend gehörte er zu einer sogenannten Führerreserve, die in Erlangen zusammengezogen worden war. Am 9. April 1945 wurde er als "Kampfkommandant" Erlangens eingesetzt. Die Stellen von Kampfkommandanten wurden auf Weisung Hitlers vom 8. März 1945 geschaffen. "Besonders energische und krisenbewährte Offiziere" sollten "Ortsstützpunkte" bei feindlichen Durchbrüchen in der Tiefe der Kampfzone verteidigen und Ausgangspunkte für Gegenangriffe bilden.

Dr. Ohly: „Nein, der ist zwecklos. Nicht im eigenen Interesse, im Interesse der Schwer- und Schwerstverwundeten, der vielen kranken Soldaten, der Zivilbevölkerung und der Kliniken bitte ich sie, den Widerstand aufzugeben. Wir haben eine große Kinderklinik mit Kindern aus den geräumten Gebieten. Wenn die Stadt zerstört ist, wird sie wochenlang kein Wasser und Licht haben. Herr Oberstleutnant, handeln sie und schützen sie das Leben so vieler wehrloser Menschen, die den amerikanischen Truppen erbarmungslos ausgeliefert sind.“

(Antwort Lorlebergs)

Dr. Ohly: „Ich weiß, es ist schwer, aber ich glaube sicher, jeder wird ihre Handlung voll verstehen.“

(Antwort Lorlebergs)

Dr. Ohly. „Ich weiß es. Es muss aber sein. Herr Oberstleutnant, andere Städte sind auch übergeben worden. Denken sie an Heidelberg und Marburg. Sie sind von den Kampfkommandanten mit Rücksicht auf die Lazarette übergeben worden. Handeln sie schnell! Stellen sie den militärischen Widerstand ein! Es hängt das Leben von fünfzigtausend Menschen davon ab. Wir haben heute Nacht fünfzehn Tote gehabt, darunter fünf Verwundete im Reservelazarett Onoldia. Bitte kommen sie! Herr Oberstleutnant, es eilt, wir können nicht länger warten. Sagen sie ja, kommen sie sofort!“

 
 
   
 
Album-Nr. er80

Colosseum

Das Vier-Sterne-Hotel Bayerischer Hof, Henkestr. 28, kennt in Erlangen fast jeder, seine Geschichte weniger. Gebaut wurde der Bayerische Hof ab 19. November 1894 durch den Baumeister Casimir Böhner mit Saalbau und Musikpavillon, damals hieß er allerdings Colosseum. Es folgte 1898 der Bau eines Requisitenhauses und die Exportbrauerei Erlwein & Schultheiß wurde Eigentümer.
  Colosseum Erlangen
 
     
 
Bayerischer Hof Erlangen   Bayerischer Hof Erlangen Frühstücksaal
Hotel Bayerischer Hof, Henkestraße 28
 
Frühstücksraum
     
Der Theater- und Restaurantbetrieb begann. In den Kriegsjahren diente das Haus der Militärbehörde als Lazarettbetrieb. Nach den Kriegsjahren war der Gewölbekeller aufgrund der Bockbierfeste der sogenannte "Bock-Keller" und man traf sich im großen Garten am Musikpavillon. Der heutige Frühstücksraum des Hotels zeigt noch die Gewölbe-Decke aus Backsteinen. Das Colosseum wurde zwischen 1920 und 1930 auch für politische Versammlungen benutzt. Bei seinem Aufstieg zur Macht sprach Adolf Hitler bei fünf Gelegenheiten zwischen 1923 und 1931 im Colosseum. Hierüber schweigt die Website des Hotels schamhaft. Am 17. Mai 1923 sprach Hitler vor 2000 Zuhörern hier zum ersten Mal, wohl im Bock-Keller. Aus dem selben Anlass hielt er eine zweite Rede im Redoutensaal vor 1000 Zuhörern.
 
Es war das Jahr der Hyperinflation, die in der Weltgeschichte beispiellos war. Am Tag des Waffenstillstandes, am 11. November 1918, bekam man für einen Dollar 7,45 RM. Im November 1923 war das Kursverhältnis 1 : 4 210 000 500 000 (4 Billionen 210 Milliarden 500 Tausend). So rapide wie der Wert der Reichsmark abstürzte, so rasant stieg die Mitgliedschaft in der Nazi-Partei. In diesem Klima erschien Hitler das erste Mal in Erlangen. In seinen beiden Reden im Kolosseum und im Redoutensaal stellte er die Ziele der nationalsozialistischen Bewegung dar. Die insgesamt 3000 Zuhörer entsprachen 10 % der damaligen Stadtbevölkerung.
 
     
 
 

Nach dem Gespräch erbittet Dr. Ohly von den Amerikanern eine weitere Frist von 30 Minuten, nur 20 Minuten werden gewährt. Allmählich wird es Mittag. Als Lorleberg in der Befehlsstelle des Oberbürgermeisters im Altstädter Rathaus eintrifft, versucht Dr. Ohly noch einmal den Oberstleutnant Lorleberg umzustimmen, obwohl beide am Morgen von Gauleiter Karl Holz per Telefon angedroht worden war, sie vor dem Rathaus aufhängen zu lassen, sollten sie die Stadt übergeben. Eine SS-Division sei auf dem Weg von Nürnberg nach Erlangen. Was für eine Schimäre!

Lorleberg entscheidet sich: „ Herr Oberbürgermeister, ich bin bereit, den Widerstand einzustellen, aber nur im Hinblick auf die Kliniken und Lazarette. Ich weiß, dass ich mein Leben verwirkt habe. Holen sie Professor Hilsch ans Telefon.“

Es war kurz vor 12 Uhr mittags als Lorleberg allen seinen Truppen befahl den Widerstand einzustellen. Dann fuhr er mit dem Auto, zusammen mit Oberbürgermeister Dr. Ohly und dem Polizeioberleutnant Fischer, unter weißer Flagge zum Verhandlungsort in der Spardorfer Straße 19. Auf dem Weg dorthin konnten sie einen amerikanischen Panzerkommandanten, der mit seinen Panzern gerade in die Stadt einrollen wollte, davon überzeugen, die Übergabeverhandlungen abzuwarten. Um 12.15 Uhr trafen sich am Verhandlungsort der Oberbürgermeister Dr. Ohly, der Kampfkommandant Oberstleutnant Lorleberg. Prof. Dr. Hilsch sowie ein amerikanischer Oberst mit einigen Offizieren.

Dr. Ohly sagte: „Der Kampfkommandant, Oberstleutnant Lorleberg, hat sich entschlossen. Den militärischen Widerstand aufzugeben. Wir übergeben ihnen hiermit die Stadt Erlangen.“

Lorleberg eilte noch einmal in die Stadt zurück um sicherzustellen, dass auch wirklich alle deutschen Truppen den Widerstand einstellten. Nach 30 Minuten, um 12.45 Uhr war er zurück und erklärte, dass nur noch 120 Mann in der Thalermühle Widerstand leisteten. Unter diesen Umständen wollte der amerikanische Oberst die Kapitulation der Stadt nicht annehmen. Wenn diese 120 Leute ihren Widerstand nicht aufgäben, würde die Stadt zerbombt und vernichtet. Lorleberg solle diese Leute von der Sinnlosigkeit ihres Handelns überzeugen. 45 Minuten Zeit gebe er ihm. Dr. Ohly solle am besten die Bevölkerung per Lautsprecher darüber informieren, dass Erlangen in 45 Minuten bombardiert werde. Alle, die sich retten wollten, müssten sich zu den Burgbergkellern begeben, denn hier würden keine Bomben fallen. Dr. Ohly erreichte es, dass die Frist bis 14 Uhr verlängert wurde. In der Schicksalsstunde Erlangens ging es um Minuten.

Das Auto, mit dem Oberstleutnant Werner Lorleberg, Polizeioberleutnant Andreas Fischer und der Fahrer Thomas Pfannenmüller zur Gerberei (heute Parkplatz West) fuhren, parkten sie vor der Firma Möbius. Der Fahrer wartete hier. Lorleberg und Fischer gingen zu Fuß zur Thalermühle (heute zwischen Frankenschnellweg und Regnitz gelegen). Fischer schwenkte die weiße Fahne. Am Eingang der Mühle erwartet sie ein junger Leutnant. Lorleberg befahl ihm, sofort den Kampf einzustellen und sich mit seinen Soldaten auf dem Marktplatz zu versammeln. Das war die Forderung der Amerikaner.

 
 
   
  Gasthaus König Humbert Erlangen  
     
 
Hotel König Humbert Erlangen  
Album-Nr. er196


Gasthaus König Humbert

Im Jahr 1899 erbaut der Zimmermeister Frötsch das Anwesen in der Schuhstraße, die zu damaliger Zeit noch Hamburger Straße hieß und erst ab 1900 zur Schuhstraße wurde. Das Haus, welches als Wirtschaft errichtet wurde, wurde nach Fertigstellung von dem Gastwirt und Bierbrauer Michael Keller betrieben. Der Name "König Humbert" geht auf den Italienischen König Umberto zurück, welcher am 13. Mai 1898 Inhaber der in Erlangen stationierten 19. Königlich Bayrischen Infanterie - Regimentes wurde. Ab dem Tag der Eröffnung war die Wirtschaft eine ausgesprochene "Soldatenkneipe". deshalb auch der Name.

 
     
   
 
Goldener Greif   Album-Nr. er57

Goldener Greif

Der Goldene Greif existiert seit 1747. 1890 kaufte Friedrich Römming Haus und Gastwirtschaft. 1905, als die Karte geschrieben wurde, hatte sie noch den ursprünglichen Namen. Heute heißt sie Römming. Der A.G.V.M. Akademische Gesangverein München, eine Schwesterverbindung des AMV Fridericiana aus Erlangen, hatte damals viele Studierende in Erlangen, die einen eigenen Stammtisch pflegten.

Karte unten von 1913
 
   
  Erlangen, Goldener Greif 1913  
     
 
 

Der Leutnant verweigerte die Ausführung des Befehls und verlangte den Befehl schriftlich. In der Schreibstube der Thalermühle wurde der Ton im bedrohlicher. Der Leutnant weigerte sich weiterhin: „Das geht gegen den Befehl des Führers! Wir kapitulieren nicht!“. Lorlebergs Mission war gescheitert. Lorleberg und Fischer verließen den Raum und Lorleberg zündete sich eine Zigarette an. Fischer drängte angesichts der drohenden Gefahr durch den fanatischen Leutnant zur Eile. Etwa drei Meter ging er Lorleberg voraus. Als sie den Ludwigskanal erreichten fielen Schüsse. Fischer warf sich zu Boden und sah, dass Werner Lorleberg zusammengebrochen war. Fischer rettet sich zur Firma Möbius und sucht dort dann zusammen mit dem Fahrer Pfannenmüller Schutz im Luftschutzkeller.

Beging Werner Lorleberg Selbstmord oder wurde er ermordet? Als man ihn einige Tage später fand, lag (s)eine Pistole neben ihm. Er hatte zwei Kopfschüsse. Dies spricht eigentlich gegen einen Selbstmord. Zwar war es in der Wehrmacht üblich auf sich absetzende Kameraden zu schießen, aber nicht gezielt. Die Entfernung von der Thalermühle zum Fundort der Leiche ist für einen gezielten tödlichen Kopfschuss relativ groß. Dies spricht für einen Selbstmord. Der zweite Schuss ließe sich als „Gnadenschuss“ erklären. Die Pistole neben ihm, seine ausweglose Lage, alles spricht für einen Selbstmord. Dennoch könnten ihn auch die Schüsse der fanatischen Truppe getroffen haben. In den 70igern erklärte ein Angehöriger der Truppe, dass in Richtung der Fliehenden geschossen wurde. Eine forensische Untersuchung hat es nicht gegeben. Man hat Lorleberg sogar zunächst unter falschem Namen beerdigt. Die Umstände seines Todes werden für immer eine Vermutung bleiben. Erlangen ehrte den Toten für seine Rettungstat durch die Umbenennung des Kaiser-Wilhelm-Platzes in Lorlebergplatz.

Um 13.55 Uhr war Lorleberg noch nicht zurückgekehrt und Polizeioberleutnant Fischer saß im Luftschutzkeller der Firma Möbius fest und konnte nicht berichten. Dr. Ohly fuhr mit dem Fahrrad zum Kommandeur der amerikanischen Truppen. Es gelang ihm schließlich diesen zu überzeugen, dass kein militärischer Widerstand mehr in Erlangen geleistet werden würde, er bürge persönlich dafür. Diese Notlüge, dieses Gebet, wurde zur Wahrheit. Augenzeugen berichteten später, dass aus Richtung der Gerberei eine Kampfgruppe heraufgekommen sei, die dann durch die Pauli- und Goethestraße zog, um sich im Bahnhof und auf dem Hugenottenplatz zu verschanzen. Ein Teil der Thalermühl-Kampftruppe hatte sich aber bereits in Zivilkleidern abgesetzt. Nach Überredung durch Erlanger Bürger gab der Rest der Truppe seine Verschanzungspläne auf und zog über die Nürnbergerstraße ab.

Um 16 Uhr haben die Amerikaner Erlangen endgültig besetzt und sorgen für Ruhe und Ordnung. Die Besatzungszeit zwischen Krieg und Frieden hat für Erlangen begonnen.

 
 
   
 
Album-Nr. er104 (1900)

Goldener Mond

Das Haus wurde 1717 erbaut. Um und nach 1900 veranstaltete hier das Corps Onoldia seine "Saufabende". Heute ist es ein Irish Pub und immer noch ein Studentenlokal. Der Blick schweift in die Innere Brucker Straße.
  Goldener Mond Erlangen  1900
 
     
 
 
General Patton und marlene Dietrich
 
General George S. Patton und Marlene Dietrich
 
Dienstag, den 17. April 1945 – das OKW gibt bekannt:

" … die 7. amerikanische Armee konnte auf ihrem linken Flügel aus der fränkischen Schweiz bis in den Raum von Lauf und Erlangen vorstoßen. …"


Erlangen stand jetzt unter amerikanischer Militärkontrolle. Es war glücklicher dran als manch andere völlig zerstörte Stadt. Es war intakt geblieben. In den ersten Besatzungstagen beschädigte ein amerikanischer Panzer das Nürnberger Tor. Es wurde als Verkehrshindernis sofort abgerissen. Deutschland hatte nicht kapituliert, noch war Krieg. Neben den Kasernen in der Artillerie- und Hartmannstraße wurden sofort 559 Privathäuser beschlagnahmt. Auch Karl von Angerer, einer der Universitätsprofessoren, der die Rassentheorie der Nazis propagiert hatte, wurde am 22. April aus seinem Haus geworfen. Noch am selben Tag begingen er und seine Frau Selbstmord. Auch Ewald Geissler, Linguistik-Professor und seit 1937 Mitglied der NSDAP, beging mit seiner Frau Selbstmord.

Vom 22. April bis 2. Mai wurde Erlangen das Hauptquartier für General George S. Pattons III. Armee. Danach wurde das Hauptquartier nach Regensburg verlegt. Während dieser Tage logierte General Patton in der Burgberg-Villa des früheren Universitätsrektors Hermann Wintz, Burgbergstraße 70. Zur gleichen Zeit war die berühmte Schauspielerin Marlene Dietrich, die die III. Armee als „frontline entainer“ begleitete, in Erlangen. Sie wohnte ebenfalls am Burgberg in der Burgbergstraße 36. In Erlangen gab es das Gerücht, die beiden Diven Patton und Dietrich hätten am Burgberg oben ein Techtelmechtel. Gary C. Fouse konnte aber für dieses Gerücht keine Bestätigung finden.

Wie all die Kriegsjahre zuvor, gab es 1945 keine Bergkirchweih (Pfingsten war am 20. Mai). Es wäre aber auch eine merkwürdige Kerwa gewesen, eine Kerwa ohne Bier. Denn am 4. Mai wurde allen Brauereien befohlen die Produktion von Bier einzustellen. Was immer noch an Bier vorhanden war musste an die Militär-Lazarette und die US-Army abgeliefert werden. Die Braugerste und die anderen Bierzutaten sollten zur Ernährung der Bevölkerung genutzt werden.

 
 
   
 
Erlangen, Gasthaus Zur Golden Schleie, Obere Karlstrasse   Album-Nr. 177 (1900)

Hotel Garni & Restauration zur goldenen Schleie

Das Gasthaus gibt es heute nicht mehr. Es lag an der Kreuzung Obere Karlstraße / Fahrstraße. Inhaber um 1900 war Adolf Brasch.












 
  Album-Nr. er177  
   
 
  Weinstube Kach Erlangen  
     
 

Album-Nr. er81 (um 1930)

Weinstube Kach

Bei dem Eckhaus Kirchenstraße/Engelstraße handelt es sich um einen zweigeschossigen Sandsteinbau mit Walmdach. Der Blick geht in die Kirchenstraße. Die barocke Fassade mit geohrten Gewänden entspricht der eines typischen Erlanger Bürgerhauses des 18. Jahrhunderts.

Das Gebäude in der heutigen Kirchenstraße 2 wurde 1754 von dem Maurermeister Georg Jacob Weyhing, Wirt des Gasthauses „Drei Lilien“, erbaut. Weyhing, der die Weinschankgerechtigkeit ohne Schild noch während der Errichtung erhielt, verkaufte das Haus nach Fertigstellung an den Uhrmacher Johann Adam Erich. Nach dessen Konkurs erwarb der Superintendent Dr. Joachim Ehrenfried Pfeiffer das Gebäude am 18. Juli 1777 als Meistbietender. Johann Adam Erichs Sohn Georg Nicolaus, der wie sein Vater Uhrmacher war, kaufte die Weinschänke am 16. Februar 1786 von Pfeiffer zurück. Am 6. August 1799 übernahm Georg Nicolaus Erichs Witwe Anna Barbara das Anwesen, in dem ab 1797 auch eine Essigsiederei betrieben wurde.

Nachdem das Haus 1895 an Julius Kach (1870–1924) gelangt war, entwickelte es sich zu einem der führenden Speiselokale in Erlangen. 1924 übernahmen Julius Kachs Witwe Anna und Sohn Alexander das Wirtshaus mit angeschlossener Wein- und Spirituosenhandlung. In der dritten Generation unter Günter Kach wurde der Betrieb 1994 an Familie Paulus verkauft. Von 1998 bis 2001 war die Weinstube an Familie Feiler aus Muggendorf verpachtet. Danach folgten weitere Pächter, bis das Gasthaus 2013 geschlossen wurde.

 
 
   
 
  Weingroßhandlung und Weinstube Kach um 1940  
     
 

Album-Nr. er87 (um 1940) Weinstube Kach

 
 
     
 
 

Zum Schluss noch die Erinnerungen eines GI an seine Tage zwischen Krieg und Frieden gegen Ende April 1945 in Erlangen. Gefunden habe ich sie im Buch von Gary C. Fouse. Sie sind es wert gelesen zuwerden.

"I entered Erlangen one rainy day in late April 1945 seated in the bed of a 6 x 6 American truck, together with a dozen othes lined up on benches facing each other. We wore full battle gear-steel helmets, rifles, cartridge belt, et cetera. We could hear the sound of wet tires on wet pavement and the patter of light rain on the canvas that sheltered us. But we couldn't see much of the town, enclosed as we were by that tarpaulin. Yet we dozen soldiers managed to catch a few glimpses of Erlangen out the back of the truck as the convoy inched toward our new quarters.





The town, though only 20 or so kilometers NW of Nürnberg, had not suffered Nürnberg's ruinous bombardement by American and British Aircraft. Insofar as I could tell, Erlangen seemed more or less intact. When General Patton, a Francophile who could find no fault with anything French, first drove into Erlangen in April 1945, his eye fell immediately on some mansard roofs-cultural remnants so to speak, of the era of Huguenot persecutions. Nevertheless, in Erlangen I felt for the first time, that I was al last in Germany, the real Germany - something different from the heaps of rubble that I'D seen again and again in recent weeks.




Our truck bore a huge white five-pointed star on each door, plus a large identfication code stenciled in white. The U.S.Army had about three million vehicles all over the world that needed clear marking. The white-stenciled vehicle identification code on our truck was 3A X HQ 20.(Imagine remembering a detail like that, today, half a century later!) Well the code sort of described me. It said that this vehicle belonged to Third Army Headquarters (General George S. Patton's headquarters), and was its 20th vehicle. I, too, belonged to that headquarters, and was exactly 20 years old in 1945.

I did not feel like a conqueror. I respected and admired Germany. Even in high school I was addicted to lots of German things. I loved Wagnerian Opera and, to the distress of my friends, listened to it for hours. And in high school I was hooked on Friedrich Nietzsche, and read all his major books. This concerned the Ames, Iowa, city librarian who thought my reading habits were "queer". Alsi I'd read Goethe's The Sorrow of Young Wertheer, plus some of Karl May's adventure stories. And by age 15 I had secretly read "Mein Kampf" because in the late 1930s and early '40s when Hitler was making big news, mass-media commentators often mentioned the book. In my eyes, Germany was a land of wonder-it became an enormously competent opponent in World War II.




Erlangen was the first town where I felt really and truly in Germany. And it troubles me even yet today that I was hardly in Erlangen long enough to catch my breath - not more than a couple weeks. At Erlangen I was simply swamped with work. First, the move of Patton's Command Post to Erlangen was a tremendous job - just getting everything at headquqrters torn down for the move, and then set up again in some semblance of order. And in the midst of everything, our army was dashing headlong down through Bavaria to Austria and the Alps, even approaching Prague, which Patton was ordered not to take. My job at headquarters was to keep a map room for the Ordinance Section (just that section, not the whole headquarters) pinpointing the ever-changing location of military units in Patton's huge army. Also i kept track as best I could of major units in adjacent armies, the Seventh on our right. First on our left, and whatever German units that came to my attention. I worked day and night marking unit locations on giant maps. I workes mostly alone, without much help or supervision. A stream of Secret G-2 reports kept me up-to-date. Occasionally I found myself tramping on a carpet od them strewn all over the floor of my map room.










My total involvement at headquarters is why I never went outdoors to see Erlangen. I really wanted to roam around that famous university town. It was not until May 9, 1945, that I ventured out the front entrance. Two days earlier Patton had gotten a top secret message from Eisenhower saying, "Final German surrender fixed at 0001 May 9." On May 9th I abandoned my little map room, and wandered out of headquarters with a friend. It was beautiful spring day - flowers in profusion, green grass, bright sun, blue sky, white billowy clouds. I spied some mansard roofs and baroque architecture. We tramped into a nearby open space and lay down in the tall grass and just looked up at the sky, holding long stems of grass in our lips. How incredibly nice! At last, on that day, all across Europe, the killing and the maiming had stopped.




Finally we rambled back to our Erlangen headquarters, which was already in the process of being reduced in size. What remained of it was moved (without me) to Regensburg. I, with my five battle stars, was high on the list for shipment home, where I arrived on Christmas Day 1945, after spending a couple months in Nürnberg and a couple months in Vienna. I had been with Patton, on "temporary duty", since Normandy.



Properly seeing Erlangen remains for me an unfulfilled ambition."

Robert S. Lorch, Professor
Department of Political Science
University of Colorado at Colorado Springs

 

An einem regnerischen Tag in den letzten Apriltagen kam ich auf der Pritsche eines 6 x 6 Armeelastwagens, ein Dutzend GIs saß sich auf Bänken aufgereiht gegenüber, nach Erlangen. Wir saßen dort in voller Kampfausrüstung - Stahlhelm, Gewehr, Munitionsgürtel usw. Wir konnten das Geräusch der nassen Reifen auf dem nassen Pflaster hören und das Prasseln des leichten Regens auf der Wagenleinwand, die uns schützte. Aber von der Stadt konnten wir nicht viel sehen, eingeschlossen wie wir durch die Fahrzeugplane waren. Dennoch gelang uns dutzend Soldaten einige wenige flüchtige Blicke durch die offene Rückseite des Lastwagens auf Erlangen zu erhaschen, als sich der Konvoi langsam zu unseren neuen Quartieren bewegte.

Die Stadt hatte, obwohl nur etwa ungefähr 20 Kilometer nordwestlich von Nürnberg gelegen, nicht unter der verheerenden Bombardierung durch Amerikanische und Britische Luftstreitkräfte gelitten. Insoweit ich es gewahr wurde, schien Erlangen mehr oder weniger intakt zu sein. Als General Patton, ein Frankophiler, der an nichts Französischem je irgendeinen Fehler finden konnte, im April 1945 zum ersten Mal in Erlangen einfuhr, fiel sein Blick sofort auf einige Mansarden-Dächer - ein kulturelles Überbleibsel, sozusagen, aus der Zeit der Hugenotten-Verfolgung. Nichtsdestotrotz, in Erlangen fühlte ich zum ersten Mal, dass ich letztendlich in Deutschland war, dem wahren Deutschland - sehr zu unterscheiden von den Trümmerhaufen, die ich die letzten Wochen wieder und wieder gesehen hatte.

Unser Lastwagen trug einen riesigen weißen fünfzackigen Stern auf jeder Tür und ein mit Schablone geschriebenes weißes Kennzeichen. Das Kennzeichen an unserem Lastwagen war 3A X HQ 20. (Man beachte die Erinnerung an ein solches Detail, heute, ein halbes Jahrhundert später!) Na gut, das Kennzeichen beschrieb mich. Es besagte, dass dieses Fahrzeug zum Hauptquartier der Dritten Armee gehörte (General George S. Pattons Hauptquartier), und es war das 20. Fahrzeug. Ich gehörte auch zu diesem Hauptquartier, und war zu diesem Zeitpunkt 1945 genau 20 Jahre alt.


Ich fühlte mich nicht wie ein Eroberer. Ich achtete und bewunderte Deutschland. Schon in der High School war ich nach einer Menge deutscher Sachen süchtig. Ich liebte Wagner-Opern, und zum Mißvergnügen meiner Freunde hörte ich sie stundenlang an. Und in der High School war ich Feuer und Flamme für Friedrich Nietzsche, ich las alle seine Hauptwerke. Dies beunruhigte den Stadtbibliothekar von Ames, Iowa, der dachte meine Lesegewohnheiten wären "schwul". So las ich auch Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" und einige von Karl Mays Abenteuergeschichten. Und im Alter von 15 Jahren hatte ich Hitlers "Mein Kampf" gelesen, da in den späten 30igern und frühen 40igern, als Hitler große Schlagzeilen machte, die Kommentatoren der Massenmedien dieses Buch oft erwähnten. In meinen Augen war Deutschland ein Land der Wunder - und im Zweiten Weltkrieg wurde es zu einem äußerst starken Gegner.

Erlangen war die erste Stadt wo ich mich wirklich und wahrhaft in Deutschland fühlte. Und es ärgert mich noch heute, dass ich nicht lange genug in Erlangen war um auch nur zu Atem zu kommen - nicht mehr als ein paar Wochen. Ich wurde in Erlangen einfach mit Arbeit überhäuft. Der Umzug von Pattons Befehlstand nach Erlangen war ein gewaltiger Job - zunächst musste alles für den Umzug ins neue Hauptquartier abgebaut werden und dann musste es mit einem Anschein von Ordnung wieder aufgebaut werden. Zu allem Überfluss stürmte unsere Armee kopfüber durch Bayern in Richtung Österreich und Alpen, wir näherten uns sogar Prag, doch Patton befahl es nicht einzunehmen. Meine Aufgabe im Hauptquartier war es für die Ordonnanz Abteilung einen Kartenraum zu unterhalten (nur für diese Abteilung, nicht für das ganze Hauptquartier), in dem ich auf Karten die ständig wechselnden Aufenthaltsorte der militärischen Einheiten von Pattons riesiger Armee mit Nadeln kennzeichnete. Ich behielt auch so gut ich es konnte die Haupteinheiten der benachbarten Armeen, der Siebenten zu unserer Rechten, der Ersten zu unserer Linken, im Auge, und was immer an deutschen Einheiten meine Aufmerksamkeit erregte. Ich arbeitete Tag und Nacht und markierte Aufenthaltsorte von Einheiten auf riesigen Karten. Ich arbeitete meist alleine, ohne viel Hilfe oder Überwachung. Ein Strom von geheimen G-2 Berichten hielt mich auf dem laufenden. Gelegentlich fand ich mich selbst auf einem Teppich von Berichten marschierend, die überall auf dem Boden meines Kartenraums verstreut lagen.

Meine totale Einbindung ins Hauptquartier war der Grund, warum ich nie nach draußen ging um mir Erlangen anzusehen. Ich wäre wirklich gerne durch die berühmete Universitätsstadt gestreift. Es dauerte bis zum 9. Mai 1945 bis ich mich aus dem Eingangstor wagte. Zwei Tage zuvor hatte Patton eine geheime Botschaft von Eisenhower erhalten, die besagte: "Endgültige deutsche Kapitulation auf 00.01 Uhr 9. Mai festgelegt." Am 9. Mai verließ ich meinen kleinen Kartenraum und das Hauptquartier und wanderte mit einem Freund hinaus. Es war ein schöner Frühlingstag - Blumen im Überfluss. grünes Gras, strahlende Sonne, blauer Himmel, Schäfchenwolken. Ich erspähte Mansarden-Dächer und barocke Architektur. Wir streiften bis zu einer nahegelegenen Wiese, legten uns in das hohe Gras, blickten nur in den Himmel über uns, hielten lange Grasstengel zwischen unseren Lippen. Wie unglaublich schön! Endlich, an diesem Tag, hatte überall in Europa das Töten und Verstümmeln aufgehört.

Schließlich bummelten wir in unser Erlanger Hauptquartier zurück. Es war schon im Prozess der Verkleinerung begriffen. Was davon übrig blieb zog (ohne mich) nach Regensburg um. Ich, mit meinen fünf Battle Stars (Orden), stand ganz oben auf der Liste von denjenigen, die nach Hause durften. Dort kam ich am Weinachtstag 1945 an, nachdem ich paar Monate in Nürnberg und ein paar Monate in Wien verbracht hatte. Seit der Normandie war ich mit Patton im "Kurzzeitbetrieb" gewesen.

Sich Erlangen gründlich anzusehen bleibt für mich ein unerfülltes Streben.



 
 
   
  Erlangen, Hotel Kaiserhof, um 1935  
  Album-Nr. er169 (um 1935)  
 
Hotel Kaiserhof, Goethestr. 28 - im Jahr 2011 im Handelsregister gelöscht
 
   
 
  Gaststätte Kolping (Kolpinghaus) Erlangen um 1910  
     
  Album-Nr. er78 (um 1910)

Gaststätte Kolping (Kolpinghaus)

Kennen Sie dieses Haus? Einst beherbergte es den Katholischen Arbeiterverein und war als Gaststätte ein Zentrum der katholischen Arbeiterbewegung in Erlangen. Erbaut wurde es 1876. Der Saalanbau mit Bühne mit 250 Plätzen kam 1895 hinzu. Und heute? Wenn sie einmal wieder an die Ecke Bismarckstraße/Hindenburgstraße kommen, schauen Sie es sich an. Es steht leer und verfällt allmählich. Die Bismarckstraße 4 steht auf der Betreuungsliste des Universitätsbauamtes, demnach gehört das Haus der Universität. Doch von Betreuung merkt man keine Spur. Man könnte die Überzeugung gewinnen, dass der Verfall dieses geschichtsträchtigen Gebäudes Absicht ist. Der Denkmalschutzbehörde sei ans Herz gelegt: "Bleibe standhaft".
 
 
     
 
 
Bob Hope und Jerry Colonna 1940  

Bob Hope 1945 in Erlangen

Der Hollywood-Schauspieler und Komiker Bob Hope war im Juli 1945 zur Truppenbetreuung in Erlangen. Vom Juli 1945 bis 1. November 1945 befand sich in Erlangen auch das Hauptquartier des XII. Tactical Air Command der US-Army Air Force. Um die Flieger aufzuheitern kam im Juli 1945 Bob Hope mit seinem Partner Jerry Colonna nach Erlangen. Die Bilder unten wurden während der Show gemacht.

 
Bob Hope in Erlangen 1945
 
Jerry Colonna
 
Bob Hope in Erlangen 1945
 
Bob Hope in Erlangen 1945
 
Bob Hope
 
Bob Hope in Erlangen 1945

 

 
 
   
  Gasthaus markgrafen Erlangen  
     
 
Gasthaus Schlotfeger vormals markgrafen Erlangen   Album-Nr. er193 (1938)

Gasthaus Markgrafen



Das ehemalige Gasthaus Markgrafen, Goethestr. 38, beherbergt heute das Restaurant und Steakhaus "Schlotfeger". Erbaut wurde das Haus 1688. Die Ansichtskarte ist 1938 abgestempelt. Als Inhaber ist ein Fritz Lindenmayer genannt.
 
     
   
 
Erlangen, Metropol-Cafe, um 1929   Album-Nr. er170

Metropol-Cafe Erlangen

Die Ansichtskarte wurde 1929 versendet. Hier ein Detail der Rückseite:


Erlangen, Metropol-Cafe, Inhaber

Ich nehme an es handelt sich um die Innere Bruckerstraße.

 

 
   
 
Album-Nr. er49 (Ausschnitt, um 1900)

Cafe National

Das Cafe National lag an der Ecke Hauptstrasse 20 Ecke Luitpoldplatz.

Ich würde gerne mehr über das Cafe National wissen. Wer dieses bewerkstelligen kann, der möge mir bitte schreiben.
  Cafe National Erlangen
 
   
 

Der Nationalsozialismus in Erlangen - Anfang

"Ich werde diese Universität niemals vergessen. Seine Jugend war die erste, die mir ihre Unterstützung erklärte."

Adolf Hitlers Rede vor der Erlanger Universität 1930

Warum fand die NSDAP in Erlangen ein so aufnahmebereites Ohr? Im Januar 1922 kam es während der "Reichsgründungsfeier" im Redoutensaal zu Protesten der Studentenschaft, weil die Flagge der Weimarer Republik Schwarz-Rot-Gold neben der Flagge des deutschen Reichs Schwarz-Weiß-Rot hing. Die Sozialdemokraten hatten für die Weimarer Republik die Farben Schwarz-Rot-Gold der Einigungsbewegung aus der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gewählt, weil sie mit der Reichsflagge Schwarz-Weiß-Rot den von ihnen verdammten Bismarckschen Militarismus verbanden. Um den Flaggenstreit zwischen den politischen Fraktionen zu entschärfen machte man später die alte Reichsflagge zur " Handelsflagge". Schiffe unter deutscher Flagge zogen also nicht Schwarz-Rot-Gold auf sondern Schwarz-Weiß-Rot. Der Streit war damit aber keineswegs entschärft. Heutzutage sieht man die alte Reichsflagge vor allem in Fußballstadien als Kennzeichen tumber historischer Schlichtheit und meistens auch von Neo-Nazis.

Am 31. Mai 1922 wurde in Erlangen der Ortsverein der NSDAP gegründet. Noch traf Alfred Groß, Ortsgruppenleiter der Erlanger Nazis, seine Parteigenossen und Sympatisanten im Parteilokal "Goldenes Herz" am Neustädter Kirchenplatz (Weiße Herzstr. 8). Am 15. Januar 1923 war die Nazi-Partei schon so populär, dass sie anlässlich einer Rede über die "Ruhrbesetzung" von Hermann Esser, einem der frühesten Gefolgsleute von Adolf Hitler, in den Kolosseumssaal einluden. Als im November 1923 nach dem gescheiterten Hitler-Putsch die Nazi-Partei verboten wurde, nannte sich die Erlanger Ortsgruppe flugs in "Deutsche Arbeiterpartei" um und setzte ihre "Arbeit" unter Führung des Ingenieurs Theo Benesch fort. 1924 wurden drei Nazis in den Erlanger Stadtrat gewählt. Im Februar 1925, nach der Entlassung Hitlers aus der Haft im Dezember 1924, er hatte der bayerischen Regierung sein Wohlverhalten versichert, und der Reorganisation durch Hitler, wurde die NSDAP neu gegründet. Noch im Februar erstand auch der Erlanger Ortsverein der NSDAP im Altstädter Schießhaus neu.

 
   
  Erlangen, Cafe National um 1905  
  Album-Nr. er117 (um 1905)  
     
 

Der Nationalsozialismus in Erlangen - Kalender

31.05.1923  
Gründung des Erlanger Ortsvereins der NSDAP in der Biegelei (Ecke Bismarckstraße-Hindenburgstraße - siehe oben)
     
15.01.1923  
Auf einer Massenversammlung im Kolosseum spricht Hermann Esser zur Ruhrbesetzung. Die Erlanger NSDAP hat 200 Mitglieder, Ende Januar angeblich schon 300.
     
17.05.1923   Hitler als Redner in Erlangen
     
15.07.1923  
"Deutscher Tag" in Erlangen, veranstaltet durch den Bund "Bayern und Reich", Redner u.a. Reinmöller, Beteiligung der Nationalsozialisten; schwere Unruhen in der Stadt und auf den Werkern
     
28.09.1923   500 - 600 Nazis vereidigt
     
10.11.1923  
Parteiverbot nach dem mißglückten Hitlerputsch; Anordnung durch PG Umlauf und Tröger, die Parteiabzeichen abzulegen
     
31.01.1924  
Ausschuss der Ortsgruppe der "Deutschen Arbeiterpartei" (als NS-Tarnorganisation gegründet) unter Führung von Theo Benesch
     
17./25.02.1925  
Neugründung der NSDAP im Altstädter Schießhaus; 1. Vorsitzender Umlauf, 2. Vorsitzender Gengler
     
27.01.1926  
außerordentliche Mitgliederversammlung wählt Benesch zum 1. und Schmeller zum 2. Vorsitzenden
     
05.01.1927   Alfred Groß 2. Vorsitzender
     
30.05.1929   Alfred Groß Ortsgruppenleiter
     
30.01.1930   Gründung einer Erlanger SS geplant
     
17.08.1931   Erlanger Ortsgruppe der NS-Frauenschaft
 
   
  Erlangen Cafe National 1908  
  Album-Nr. er118  
     
 

Der Nationalsozialismus in Erlangen - Antisemitische Hetze (I)

Anfang der 30iger Jahre gab es zu der nationalsozialistischen Wochenschrift "Kampf" ein Erlanger Beiblatt. Verantwortliche Redakteure waren ab Nr. 1/1931 Franz Ziegelhöfer, ab Nr. 35/1932 Theo Benesch, ab Nr. 42/1932 Dr. Wilhelm Paulus. Die Auflagenhöhe dürfte zwischen 1000 und 2000 Exemplaren gelegen haben. Die Verkaufsstellen waren Ziegelhöfer/Fahrstraße, Wrede-Zeitungsstand/Hauptstraße, Hirschmann/Loschgestraße und L. Hofmann/Bruck. Die Redaktion war im Haus Hauptstr. 12 untergebracht, also vis-a-vis dem Gebäude des "Erlanger Volksblattes", welches von Michael Poeschke (SPD), dem politischen Hauptgegner der Nazis in Erlangen, herausgegeben wurde. Die Erlanger Nazis nutzten die große Arbeitslosigkeit in Erlangen zur Hetze gegen die jüdischen Kaufleute, die noch Einkommen hatten.

Der erste gezielte Angriff gegen einen jüdischen Geschäftsmann der Stadt erfolgte gegen Berthold Stern, den Inhaber des Konfektionsgeschäfts Baruch Lambert. Unter der Überschrift "Der Jude Stern macht Reklame" hieß es da: "In der Hauptstraße der bayer. Universitätsstadt Erlangen [Hauptstr. 83] hat ein Jude namens Stern, Gott wie haißt, seinen Laden aufgemacht. Kleider und 'schöne' Sächelchen verkauft er gerne an die dummen Gois [jüdische Bezeichnung für Nichtjuden][...] Nun hat der Jude Stern in den letzten Tagen geglaubt, seine Reklame verbessern zu müssen. Und so hat er mit echt jüdischer Frechheit ohne jede Genehmigung einen Kleiderständer auf den Fußsteig gestellt und an diesem seine "Sächelchen" gehängt. Das wäre jüdische reklameart und ansonsten nichts Ungewöhnliches. Aber sonderbar finden wir, dass die hohe Erlanger Polizei bis 11 Uhr vormittags von 8 Uhr an gebraucht hat, bis sie dieses Verkehrshindernis hat beseitigen lassen. Wir haben die Erlanger Polizei, wenn es gegen nazis und andere Geschäftsleute etwas auszumachen galt, schon schneller arbeiten gesehen. Es gibt sicher Erlanger Geschäftsleute, die ihre Erfahrungen mit Reklameschildern usw. gemacht haben. Wir sind nur noch interessiert, wie der Strafbefehl aussieht, den der Jude Stern nunmehr 'sicher' erhalten wird."

Am 12. Februar 1932 wurde Berthold Stern erneut im "Kampf" angegriffen, weil er am 20. Januar wieder einen Kleiderständer auf dem Gehsteig aufgestellt hatte. Unter der Überschrift "Die Jüdin Stern beschimpft die Erwerbslosen" las man nun: " Ein Pg. von uns nahm an dem Verhalten des Juden Stern Ärgernis und teilte dem Polizeiamtmann Müller diese Frechheit, die sich der Jude Stern herausnahm, mit. Polizeiamtmann Müller scheint nun veranlasst zu haben, dass der Ständer wieder entfernt wird; denn die Frau Stern hat trotz Schabbes den Ständer persönlich entfernt. Eine bemerkung des Herrn Amtmann Müller, ob denn dieser ständer verkehrsstörend sei, gab unserem PG. zu Bedenken Anlass und deshalb ging er hin und maß den Ständer ab; vorsichtigerweise hat er sich einen anderen Parteigenossen als Zeugen des Vorfalles mitgenommen. Als die Jüdin Stern, die, wie uns mitgeteilt wird, auf den schönen Namen Sarah hört [Frau Stern hieß nicht Sarah, sondern Saly. Der Kampf nimmt hier die Sprachregelung vom 17. August 1938 vorweg.], dies sah, rief sie unserem messenden Parteigenossen und dem anderen Zuschauer folgendes zu:'Ihr Erwerbslosen-Landstreicher!' Mit diesen Worten hat die Frau Sarah die Katze aus dem Sack gelassen; jetzt wissen die Erwerbslosen wenigstens, dass der Jude und die Jüdin mit seinen paar Almosengroschen noch Geschäfte machen, den Goj in ihrem innersten Herzen aber nur verachten. Und die dummen Deutschen tragen trotzdem ihr Geld zu dem rassefremden Juden. Wir können der Frau es gar nicht genug danken, dass sie so offen und frei aus sich heraus gegangen ist. - In diesem Zusammenhang interessiert uns nur noch, ob der Jude Sternwiederum keinen strafbefehl erhält trotz seines wiederholten Verstoßes gegen die Straßenpolizeiordnung, oder gelten Polizeiordnungen nur für Nationalsozialisten?"

 
   
 
Album-Nr. er125
(um 1935)


Oppelei
Halbmondstr. 4


Wer sich mit Freunden zum Essen im La Pasion verabredet, der muss, um Nachfragen mit "wo" zu vermeiden, seiner Email hinzufügen, das sei in der Oppelei. Heute erinnert die Hausbeschriftung noch an das Traditionslokal. Der Name "Oppelei" für das Gasthaus "Goldener Halbmond" - daher heißt die vormalige Schlossgasse seit etwa 1790 "Halbmondstraße" - ist erstmals 1829 nachweisbar.


  Erlangen, Oppelei um 1936
     
Quelle: "Deutsche Studentsprache" von Friedrich Kluge

Die Wortbildung auf "ei" entstammt der Studentensprache der Burschenschaftler. Die Oppelei diente lange Zeit verschiedenen Studentenverbindungen als Exkneipe bzw. Kommershaus.

  Erlangen, ehemals Oppelei, heute La Pasion
 
     
 
Erlangen, Oppelei um1935  
Eigentümerin des Goldenen Halbmonds war um 1820 eine Barbara Oppel, daher Oppelei. Um 1820 gab es in Erlangen noch andere, nach den Eigentümern benannte, Verbindungskneipen, z.B. die Stahlei, Erichei, Beckei oder Friedrichei.

Die Aufnahme links ist etwa um 1934 entstanden. Das Denkmal des jüdischen Arztes Jakob Herz vor der ehemaligen Volksschule (Buirettschen Palais) haben die Nazis 1933 entfernt.

Oben und rechts sieht man die Oppelei, oder La Pasion, heute.
  Erlangen, vormals Oppelei, La Pasion
 
     
 

Der Nationalsozialismus in Erlangen - Antisemitische Hetze (II)

Am 6. März 1932 hetzte der "Kampf" in einem gehässigen Artikel gegen den Erlanger Vorbeter und Religionslehrer Justin Fränkel: "Seit Jahren kämpfen wir Nationalsozialisten im Bayerischen Landtag um die Erreichung des Schächt-Verbotes. [...] Unter diesem Gesichtspunkte legen wir der Öffentlichkeit folgenden Fall vor. In unserer Stadt zählen wir zu unseren Mitbürgern auch einen Judenlehrer. Seine Erscheinung trägt Wesentliches zur Belebung unseres Stadtbildes bei. Er hört auf den Namen Fränkel. In seiner Wohnung [Nürnberger Str. 30] befindet sich auch eine Waschküche. In christlichen Haushalten pflegt man diesen Raum zu Säuberungszwecken zu verwenden. Den Mitinwohnern des Hauses ist die Waschküche auch für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Für etwas ganz Anderes verwendet sie aber unser Judenlehrer. Um sich und seinen jüdischen Mitbürgern in hiesiger Stadt rituell geschlachtetes Fleisch möglichst rasch zukommen zu lassen, schächtet er in dieser Waschküche. Welche Art von Tieren dort unter seinem Messer grausam verbluten, wollen wir hier nicht feststellen. [...] Wir überlassen es der staatlichen Behörde, in diesem Falle die nötigen Schritte zu unternehmen. Unsere Aufgabe besteht darin, unserem Volke zu zeigen, wie Fremdrassige es wagen dürfen, ihrem gastgebenden Volke solche unserem Empfinden hohnsprechende Zustände zu bieten. Das deutsche Volk muss erwachen, seine Feinde erkennen, damit es sich gegen sie schützen kann. Denkt stets daran: Die Juden sind unser Unglück."

 
   
 
  Pratergarten Erlangen 1900  
     
 
Pratergarten (1900)

Der Pratergarten, seit 1826 ein Biergarten, lag im Geviert von Südlicher Stadtmauerstraße, Nürnbergerstraße, Henkestraße, Fahrstraße auf dem Gelände des früheren Botanischen Gartens der Universität (1770-1826). Der Pratereingang lag vor dem Nürnberger Tor, direkt neben dem Haus des Corps Onoldia, welches allerdings erst 1898 erbaut wurde.

 
 
   
 

Der Nationalsozialismus in Erlangen - Warum Erlangen?

Kommen wir zu der eingangs gestellten Frage zurück. Warum fand die NSDAP in Franken und hier besonders in Erlangen ein so aufnahmebereites Ohr? Nach Gotthard Jasper, Rektor der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 1990-2002, wurden die deutschen Protestanten durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg psychologisch viel härter getroffen als die Katholiken (Festschrift zum 250jährigen Jubiläum der Universität). Besonders die Lutheraner, und Erlangen war lutherisch geprägt (Theologische Fakultät), hatten den Krieg als kampf zwischen Deutschland (welches die Werte Luthers verkörperte) und einem dekadenten Westen auf der einen Seite und einem barbarischen Russland auf der anderen Seite angesehen. Die Weimarer Republik war für sie eine Zeit der moralischen Krise. Diese Krise sahen sie im Enfluss jüdische Intellektueller auf Medien und Kultur als auch in linken politischen Parteien manifestiert. Mann muss sich erinnern, dass dem Protestantismus seit Luther selbst ein latenter, bisweilen sogar virulenter, Antisemitismus innewohnt. Betrachtet man die konservative Rigorosität württembergischer Pietisten, oder die evangelikalen Freikirchen im Bibelgürtel der USA und ihre aggressive Missionierung in Südamerika, dann wird man noch immer den Nährboden für rechtes, autoritäres und reaktionäres Gedankengut gewahr.

Jasper weist auch darauf hin, dass es in Erlangen im Vergleich zu Würzburg oder München relativ wenig jüdische Studenten gab, obwohl im nahen Fürth eine große jüdische Gemeinde lebte. Eine Ursache war sicherlich der oben angesprochene latente Antisemitismus der Lutheraner, eine andere die reaktionäre politische Haltung der Evangelischen Theologischen Fakultät Erlangens. Die meisten Fakultätsmitglieder waren nationalistisch und anti-demokratisch gesinnt und lehnten die Weimarer Republik ab. Besonders tat sich hier Paul Althaus, eine der prominentesten lutherischen Theologen in Deutschland, hervor. Er plädierte für eine starke regierung und sprch vom "Volk" als Wert an sich. Damit war einer der Hauptbegriffe der Nazi-Herrschaft gefunden. Doch auch viele professoren in den anderen Fakultäten hingen dieser reaktionären Einstellung an. So wurde in den nachkriegsjahren bei den Erinnerungsfeiern zur Reichsgründung am 18. Januar von der Universität immer wieder gegen die "November-Verbrecher" und den Versailler Vetrag gehetzt und Bismarck als Held gepriesen. Der größte Teil der Studentenschaft teilte die gefühle ihrer Professoren. Es entwickelte sich ein extremer Nationalismus und Antisemitismus. Das Substrat für den Faschismus war bereitet.

vorwärts zum Kapitel: Der Nationalsozialismus in Erlangen - Studentenschaft hier...

 
   
 
Erlangen, Cafe Salleck  
Erlangen, Cafe Salleck, Luitpoldstr. 7
 
Erlangen, Cafe Salleck, Luitpoldstr. 7
 

Cafe Salleck, Luitpoldstr. 7

Heute findet man dort die Luitpoldstub'n. Wer die Fassade im gegenwärtigen Zustand dort kennt, hat nur einen Wunsch: Möge das Feuer für die Entstellung Verantwortlichen - Architekt, Bauherr, Denkmalschutzbeauftragter - in der Hölle besonders heiß sein. Für dieses Verbrechen an der Fassade haben sie es verdient.

 
   
  Hotel Schwan Erlangen  
  Album-Nr. er195  
  Dieses barocke Richthaus werden sie heute in der Neustadt Erlangens vergeblich suchen. Stattdessen finden sie am ehemaligen Standort eine der vielen Erlanger Bausünden. Das Hotel Schwan befand sich an der Ecke Hauptstraße - Friedrichstraße. Unter der Adressse Hauptstraße 12 finden sie heute das Restaurant Eatsushi und einen Vodafon-Shop.  
   
  Erlangen, Restaurant Siedersbeck um 1907  
  Album-Nr. er168 (1907)  
 

Restaurant Franz Siedersbeck, Hauptstr. 40

Hätten Sie ohne die Adresse oben erkannt, wo das Restaurant Siedersbeck war? Welches Haus das ist? Ich brauchte auch Hilfe durch den Wikipedia-Artikel über die Erlanger Pfarrerstochter (Studentenverbindung). Sie blicken auf das Eckhaus Hauptstraße/ Wasserturmstraße.

 
   
  Konditerei und Cafe Weiß Erlangen  
  Album-Nr. er194 (1943)  
 
Conditerei u. Cafe Weiß

Ab Frühjahr 2017 übernimmt die Familie Weiß wieder die Conditerei u. Cafe am Lorlebergplatz (vormals Kaiser-Wilhelm-Platz. Das "Lorleberg" zieht in die Luitpoldstraße in die ehemalige Metzgerei Wolf gegenüber dem "Deutschen Haus".

 
   
 
Gasthaus Windmühle Erlangen   Album-Nr. er48 (1904)

Gasthof zur Windmühle

Die Windmühle lag zwischen dem Burgberg-Tunnel und Kanaldenkmal. Zwischen Felsenkeller und Gasthof lief die Bayreuther Strasse. Der Besitzer 1902 war H. Weller und ausgeschenkt wurde Bier aus der Weller'schen Exportbrauerei.
 
     
  wird fortgesetzt...  
   
 
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